Konzertbericht: Sivert Høyem w/ King Hüsky

24.02.2026 München, Technikum

Mit seinem unverwechselbaren Bariton zählt SIVERT HØYEM seit vielen Jahren zu den markantesten Stimmen des skandinavischen Indie- und Alternative-Rock. Auch beim Konzert in München wird schnell klar, warum seine Musik live eine besondere Anziehungskraft entfaltet: HØYEM gelingt es, mit wenigen Mitteln eine intensive Atmosphäre zu schaffen, die den Raum füllt und das Publikum unmittelbar bindet.

(c) Håvard Krogedal

Als Support eröffnet KING HÜSKY den Abend mit einer ruhigen, unaufgeregten Performance, die sich stimmig in die insgesamt melancholische Grundstimmung einfügt. Hinter dem Projekt steht Vidar Landa, sonst Gitarrist bei KVELERTAK, der hier bewusst einen starken Kontrast zu seinem Metal-Hauptbetätigungsfeld setzt. Mit sanftem, akustisch geprägtem Indie-Folk und -Pop aus seinem selbstbetitelten Debütalbum von 2025 wirkt der Auftritt intim und introspektiv, ohne große Ausschläge nach oben oder unten. Songs wie „Running“ sind sauber vorgetragen, bleiben aber eher zurückhaltend und dienen mehr als atmosphärischer Einstieg denn als eigenständiges Highlight. Eine solide, passende Support-Leistung, die den Abend ruhig vorbereitet, ohne ihm die Richtung vorzugeben.

SIVERT HØYEM mit MADRUGADA in München 2022

Pünktlich um 20.30 Uhr übernimmt SIVERT HØYEM mit seinen Mitmusikern die Bühne und hüllt den Saal in jene Schwere, die seine Songs seit jeher auszeichnet. Bereits früh setzt „Two Green Feathers“ vom Album „On An Island“ ein erstes Ausrufezeichen und zeigt, wie wirkungsvoll HØYEMs warme, dunkle Stimme im Zusammenspiel mit seiner (auf jeder Position erstklassig besetzten) Band funktioniert. Sein Gesang bleibt dabei jederzeit souverän und kontrolliert, ohne an emotionaler Tiefe einzubüßen. Im weiteren Verlauf des Sets wird deutlich, dass HØYEM weniger auf klassische Dramaturgie als auf Stimmung und Kontinuität setzt. Gerade die drei Songs seines aktuellen Albums „Dancing Headlights“ fügen sich nahtlos in diesen Fluss ein und unterstreichen den hypnotischen Charakter des Abends. Nicht jeder dieser Titel zielt auf einen klaren Höhepunkt, doch genau diese Zurückhaltung verleiht dem Konzert eine eigene Geschlossenheit und lässt Raum für Nuancen.

SIVERT HØYEM mit MADRUGADA in München 2022

Zwischen den Songs zeigt sich HØYEM nur gelegentlich gesprächig, dann jedoch überraschend offen und humorvoll. Eine kurze Anekdote vor „Honey Bee“ über eine verpasste Begegnung mit Leonard Cohen beim Catering, als er in seiner Heimat für ihn als Support aufgetreten ist, verleiht dem Abend eine persönliche Note. Auffällig ist zudem, dass der Norweger konsequent auf große Mitmachgesten verzichtet. Keine einstudierten Mitsingpassagen, kein aufgesetztes Pathos – stattdessen vertraut er darauf, dass die Songs für sich wirken. Besonders stark sind jene Momente, in denen HØYEM auf älteres Material zurückgreift. MADRUGADA-Klassiker wie „Look Away Lucifer“ entfalten auch in München eine eindrucksvolle Präsenz und erinnern daran, wie nachhaltig seine Musik wirken kann, wenn Melodie, Atmosphäre und Stimme perfekt ineinandergreifen. Das gilt ebenso für den zwischenzeitlichen Abschied „The Kids Are On High Street“, zu dem er auf Tuchfühlung mit den ersten Reihen geht. Politisch aufgeladene Stücke wie das akustische „Prisoner Of The Road“ fügen sich indes organisch ins Set ein, ohne plakativ zu wirken.

SIVERT HØYEM liefert in München ein atmosphärisch dichtes Konzert, das vor allem von seiner außergewöhnlichen Stimme lebt. Wer emotionale Tiefe, Zurückhaltung und nordische Melancholie sucht, kommt hier voll auf seine Kosten. Ein Konzert für ein gereiftes Publikum – und vielleicht auch ein Appell an jüngere Hörer:innen, sich wieder mehr Zeit für Musik zu nehmen, die nicht auf schnelle Hooks, sondern auf nachhaltige Stimmung setzt.

Sigi Maier

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