Subway To Sally w/ Coppelius

  • Hamburg, Große Freiheit 36
  • 27. September 2005

Zum ersten Teil der Subwaytosally’schen „Nord Nord Ost“-Tour verschlug es den sympathischen Siebener an jenem Dienstag in die Hamburger Große Freiheit 36. Nach enorm langer Parkplatzsuche (nie wieder mit dem Auto auf den Kiez!) betraten wir etwa gegen 21 Uhr die Halle, wo bereits die mir vorher weitestgehend unbekannten COPPELIUS aufspielten. Artig hatte ich mich schon im Vorfeld informiert, und so war ich nicht allzu überrascht fünf Herren in Frack, Hemd und Weste auf der Bühne zu sehen, bewaffnet mit Instrumenten wie Kontrabass, Cello, Schlagzeug und Klarinette.

Die Band aus dem Berliner Untergrund schien wie direkt aus dem 19. Jahrhundert auf die Bretter der „Freiheit“ gekommen zu sein, und spielten eine Musik, die durchaus als Heavy Metal mit ungewöhnlicher Instrumentalisierung zu bezeichnen ist. So blieb auch eine Coverversion von Iron Maiden’s Klassiker „Killers“ nicht aus. Dem Publikum behagte dies alles köstlich, die proppevolle Halle quittierte jeden Song mit tosendem Applaus, wenngleich Bewegung in den Massen weniger zu sehen war.

Um etwa 22 Uhr hüllte sich die Bühne in Nebel und SUBWAY TO SALLY präsentierten den Auftakt mit dem Chorstück „Sarabande De Noir“, schnell gefolgt von „Schneekönigin“ und „Feuerland“ des neuen Albums. Dass bei StS echte Vollprofis am Werke sind, merkte man nicht nur an der exzellenten Vertonung ohne Fehler, sondern auch an der Bühnen- und Lichttechnik. Zu „Schneekönigin“ wurde zum Beispiel die Bühne in das kalte „Nord Nord Ost“-Türkis getaucht und Kunstschnee rieselte von der Decke. Bei „Feuerland“ hingegen brannten Pyros und ein feuerrotes Licht erhellte den Saal. Auch das Schlagzeug des neuen Trommlers wurde durch tolle Beleuchtung in Szene gesetzt. A propros Schlagzeug: Zuerst fragte ich mich noch, wozu zwei Bassdrums in dem Kit steckten, was aber der offensichtliche Metaller Simon Michael durch gelegentlich eingespielte Double-Bass-Attacken begründete. So machte das Konzert durch frische Ideen doppelten Spaß, und auch die Spielfreude der Potsdamer ließ nicht zu wünschen übrig. Auffällig war, wie viele Ansagen sich Eric mit Multi-Instrumentalist Bodenski (Headbangen mit Zopf sieht doof aus!) und Gitarrist Simon (heute ziemlich ungeschminkt und brav aussehend) teilte, was natürlich der Kommunikativität zugute kam. So wurde selbstredend auch der obligatorische „Schrei“ nicht selten gefordert, der allerdings auch mal lauter hätte sein können. Aber bei Subway to Sally wird man eben anspruchsvoll, denn die Fanscharen, die stets angezogen werden, haben’s irgendwie in sich.

Ein paar Worte zur Songauswahl: Bis auf „S.O.S.“ wurde das gesamte neue Album präsentiert, für eine Promo-Tour natürlich nicht verwunderlich. Besonders positiv fiel das genial-gänsehautlastige „Feuerkind“ auf, weniger punkten konnte das ohnehin etwas lahme „Das Rätsel II“, das seiner Funktion als neue Bandhymne nicht gerecht werden kann. Die restliche Setlist bot hautpsächlich Songs aus der jüngeren Schaffensphase und so vermisste man leider Titel wie „Unterm Galgen“, „Grabrede“ oder „Carrickfergus“. Auf der Habenseite gab’s Pflichtlieder wie „Mephisto“, „Ohne Liebe“, „Kleid aus Rosen“, „Traum vom Tod II“, „Falscher Heiland“ oder natürlich „Julia und die Räuber“, das den Höhepunkt der zahlreichen Zugaben markierte.

Fast zwei Stunden Konzert, viele tolle Songs, ordentliches Publikum – zu meckern gibt’s eigentlich nix, denn für die vermissten Klassiker hat man noch oft genug die Gelegenheit, sie auf einem der zahlreichen Auftritten der tourwütigen Subways zu erleben.

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