The Australian Pink Floyd Show

  • München, Zenith
  • 07. März 2019

Die Tücke einer Cover- oder Tribute-Band liegt auf der Hand: der ewige Vergleich mit dem Original. THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW hat sich diesbezüglich noch einmal eine besonders große Herausforderung im Rock-Bereich gesucht. Wer allerdings von den Mitgliedern von Pink Floyd auf Geburtstage und gemeinsame Jam Sessions eingeladen wird, scheint einen außerordentlich guten Job zu machen. Dieser Eindruck manifestiert sich beim Spektakel im Rahmen der aktuellen „All That You Love“-Tour in München.

Dabei dauert es, bis sich das Zenith füllt – und bis sich die Lautstärke auf die Bedürfnisse des Publikums eingependelt hat. Anfangs erschlägt die Lautstärke gerade die ältere Generation, doch dieser kleine Makel wird schnell behoben und fortan brillieren die Musiker sowie deren Inszenierung des Konzept-Rocks, der eine ganze Epoche prägen sollte. Der Anfang steht mit „Obscured By Clouds“ ganz im Zeichen der progressiv-psychedelischen Klänge, die – untermalt von Schlagzeug und Keyboard – dem Metal und Post-Rock verhältnismäßig nahe kommen. Der Sound in der alten Industriehalle ist spätestens nach einigen Minuten exzellent: volle Bässe, satte Gitarren und ab „The Thin Ice“ auch hervorragend abgemischter Gesang von Chris Barnes, der an Roger Waters erinnert, ohne ihn zu gewollt zu imitieren. Barnes teilt sich seinen Job am Mikro mit Bassist Ricky Howard; so ist das Intro „Mama Loves You Baby“ eher auf die stimmlichen Qualitäten des Tieftöners zugeschnitten, der mit seiner Stimme ebenso überzeugt.

Die Musiker, alle in schwarz gekleidet, suchen selten das individuelle Rampenlicht. Im Vordergrund steht vielmehr die Musik sowie die möglichst originalgetreue Inszenierung mit Lasern, Lichtern und Leinwand. Besonders die runde Leinwand nutzen THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW für eine zeitgemäße Präsentation der Hits vergangener Tage. Im Zentrum stehen dabei heute wie früher Sozialkritik, Krieg und Kommerz – von Stalin zu Putin, von Thatcher zu May oder von Big Brother zu sozialen Medien. „We Are All Born Equal“ wird gleichzeitig zu einer der zentralen Messages des Abends. THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW gelingt es, die thematischen Inspirationen von damals in das Jahr 2019 zu übertragen und mit aktuellem Bezug zu präsentieren. Bei „Money“ wird der Überwachungsstaat aus Georg Orwells „1984“ zu Facebook und der Kommerz sinnbildlich dargestellt anhand einer Liste von unbekannten Musikern, die unbekannte Stücke für kein Geld über digitale Plattformen vermarkten müssen. „Pigs“ ist eine klare Kritik an Donald Trump, der als Karikatur oder reale Person mehrfach auf der Leinwand zu sehen ist.

Zu Ernst wird es hingegen auch nicht, denn als Zwischeneinspieler vor „Wish You Were Here“ müssen auch Crocodile Dundee, Men At Work, AC/DC und andere Verweise auf die Heimat des Projekts herhalten. Dazu ist das pinke Känguru als Markenzeichen von „Aussiefloyd“ immer wieder Teil der Show, in der zweiten Hälfte wankt es gegen Ende sogar in aufblasbarer Form über die Bühne. Im ersten Drittel des Konerts muss sich wiederum eine überlebensgroße Lehrerkarikatur das obligatorische „Hey! Teachers! Leave Those Kids Alone“ anhören. Das zwischenzeitliche Augenzwinkern tut der Professionalität keinen Abbruch, stattdessen verhindert es, dass die Show zu einer direkten Kopie des Originals gerät.

Bereits gegen Anfang präsentieren die Australier mit „Another Brick In The Wall Part 2“ und „Wish You Were Here“ zwei der bekanntesten Floyd-Stücke. Die eigentlichen Highlight sind aber „Time“ und das vergleichsweise reduzierte „Welcome To The Machine“. Im blau-lilanen Licht entfaltet der Song eine beklemmende Wirkung. „When You’re In“ oder „See Emily Play“ zählen sicherlich nicht zu den Vorzeigestücken von Pink Floyd, beweisen aber die Hingabe der Macher dieser Show, denn diese kaum bekannten Perlen von der zweiten Floyd-Single beziehungsweise von „Obscured By Clouds“ runden die Songauswahl stimmig ab und werden ebenso gewürdigt wie Bekannteres. Dazu begleitet THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW ein Relikt der originalen Pink Floyd: Seit 2011 singt Lorelei McBroom unter anderem das Solo bei „The Greatest Gig In The Sky“. Von 1987 bis 1989 teilte sie die Bühne mit dem Original.

Zum Mitsingen und Mitklatschen lädt THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW selten ein, das bemerkt das Publikum sehr früh und erfüllt mehr die Rolle des stummen Bewunderers. Am Ende steht bei „Run Like Hell“ erstmals die gesamte Halle und klatscht gemeinsam. Nachdem die Musiker kurz verschwinden, bleibt die Menge auf den Füßen und darf zum Abschluss bei „Comfortably Numb“ noch einmal alle Qualitäten von THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW genießen.
Mag ein Comeback der echten Pink Floyd durch bandinterne Streitigkeiten und Todesfälle inzwischen ausgeschlossen sein, so empfehlen sich die australischen Brüder im Geiste als inoffizielle Nachfolger der Legende. Mit viel Liebe zum Detail und auch ein Auge für die B-Seiten gerät die Mischung aus Hommage, Konzert und Lichtshow zu einer unbedingten Empfehlung für all diejenigen, die die Faszination von Pink Floyd (noch einmal) erleben wollen.

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