CD-Review: Alder Glade - Spine Of The World

Besetzung

Drøüyn – Gesang, Gitarre, Keyboard, Programming

Tracklist

01. Spine Of The World
02. Lord Of The Lakes
03. Sun Ritual
04. Kingdom Aflame
05. Wheel Of Stars
06. Beltane


Wer sich ein wenig mit der Geschichte und den Erscheinungsformen der Metal-Musik auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass es sich zwar um ein globales Phänomen handelt, aber auch, dass es je nach Stilrichtung gewisse Ballungsräume gibt. Norwegen hat den Black Metal, Schweden den Melodic Death Metal, die USA den Metalcore, etc. In Australien gibt es hingegen kein dominierendes Subgenre, dafür allerdings ein buntes Sammelsurium an innovativen Bands, die sich auch jenseits Ozeaniens große Anerkennung erspielen. Bei ALDER GLADE, dem noch jungen Soloprojekt von Drøüyn kann von Innovation zwar kaum die Rede sein, dennoch sollten die Liebhaber herbstlichen Folk Black Metals seinem Debüt „Spine Of The World“ mehr als nur ein Ohr leihen.

Es lässt sich nicht leugnen: ALDER GLADE ist eines jener Projekte, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht haben, die erloschene Flamme von Agalloch neuerlich auflodern zu lassen. Den Hörer erwartet also eine rohe, erdige Form von Black Metal, melodisch und (halbwegs) zeitgemäß produziert. Krächzender Schreigesang, stürmisch tobendes Riffing und enthemmtes Schlagzeugspiel, das sowohl brachiale Blast-Beats als auch bedächtig schleppende Rhythmen zum Besten gibt, verbindet ALDER GLADE immer wieder aufs Neue zu einem kräftigen Orkan, der das Ende des Sommers anzukündigen scheint. Die schwermütigen, geradezu dramatischen Lead-Melodien und der chorartige Klargesang intensivieren diese Stimmung und entlocken ihr noch mehr Facetten.

Von Zeit zu Zeit legen sich jedoch die tosenden, schwarzmetallischen Winde, die dann von besinnlichen, meditativen Folk-Interludes abgelöst werden („Sun Ritual“). Dann versenkt sich Mastermind Drøüyn ganz in seine trockene, sanfte Akustikgitarre, seine schwungvolle, schellende Perkussion und seine sphärischen Keyboards, die im Zusammenspiel wie ein naturverbundener Ritus klingen. Wie bereits erwähnt beschreitet ALDER GLADE mit seiner Tonkunst nicht unbedingt unerforschtes Terrain, dennoch ist „Spine Of The World“ alles andere als einfallslos.

„Wheel Of Stars“ begeistert etwa mit seinen außergewöhnlich atmosphärischen Clean-Gitarren und das aufgrund seiner gehetzten, abgehackten Gitarren vielleicht etwas gewöhnungsbedürftige „Kingdom Aflame“ zeugt mit seinen schmissigen Melodien und Rhythmen von der ausgeprägten Kreativität, die ALDER GLADE über den Status eines schlichten Agalloch-Klons erhebt. Ein gewisser Verbesserungsbedarf zeigt sich eigentlich fast nur bei der allzu schnittigen Produktion, die noch ein wenig mehr Feinschliff vertragen hätte.

In gewisser Weise klingt „Spine Of The World“ wie das hypothetisch logische Bindeglied zwischen Ulvers „Bergtatt“ und „Nattens Madrigal“. Es verbindet die Bodenständigkeit des ersteren mit der ungezügelten Energie des letzteren, klingt aber gleichwohl stimmungsvoll und spirituell. Zwar sollte ALDER GLADE noch ein bisschen an der Eigenständigkeit und vor allem an der klanglichen Umsetzung seines Songmaterials feilen, dennoch handelt es sich bei seinem ersten Studioalbum um einen wirklich vielversprechenden Auftakt mit einigen vielfältigen, mitreißenden Kompositionen. Im visuellen Bereich wäre beim nächsten Werk allerdings ein etwas weniger wirres, chaotisches Artwork wünschenswert.

Bewertung: 7.5 / 10

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