Das Cover von "Circus Of Doom" von Battle Beast

Review Battle Beast – Circus Of Doom

BATTLE BEAST polarisieren, und das nicht erst seit dem umstrittenen „No More Hollywood Endings“ (2019). Ihren straighten und direkten Heavy Metal würzten die Finnen schon immer mit AOR- und Poprock-Elementen. Auch ein strammer Beat war von Anfang an eines der Markenzeichen. Diese theatralische, eingängige Mischung gefiel den wenigsten Traditionalisten, erst recht nicht, als Album für Album der Anteil des Synthesizers gewichtiger wurde. 2015 schied Mastermind Anton Kabanen aufgrund unüberwindbarer Differenzen aus der Band aus, mit seiner neuen Band Beast In Black machte er witzigerweise jedoch direkt an derselben Stelle weiter. „Bringer Of Pain“ (2017) als erstes Album nach dem Split stellte die symphonische Komponente weiter in den Vordergrund und konnte mit kitschigen, gefährlich eingängigen Power-Metal-Schmonz-Hits begeistern – oder eben nicht, je nachdem in welchem Lager man sich befindet: Klassischer, erdiger Heavy Metal oder pompöser, theatralischer Power Metal.

„Bringer Of Pain“ war für das Fanlager hier eben ein Knackpunkt, „No More Hollywood Endings“ trieb das mit zunehmend radiotauglichen, poppigen Nummern noch weiter. Aber mal ganz ehrlich: Diese Elemente waren spätestens seit dem zweiten Album „Battle Beast“ von 2013 vorhanden und wurden stets einnehmender, die Entwicklung war nicht zuletzt durch den immer größer werdenden Erfolg abzusehen. „Circus Of Doom“ als Titel für das inzwischen sechste Album passt daher gut, was der Titeltrack als Opener beweist. Nightwish-esque Orchestrierungen dominieren den Midtempo-Track. Chöre und verspielte Synthesizer begleiten simple wie druckvolle Riffs und unterlegt ist das Ganze mit einem mehr denn je präsenten, stetig hämmerndem Dance-Beat und 80s Feeling. War nach dem Vorgängeralbum nicht ganz sicher, ob BATTLE BEAST nun lieber Metal, Melodic Rock, Pop oder Eurodance spielen wollen, ist jetzt klar: Alles davon, und das so eingängig wie nur möglich.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedienen sich BATTLE BEAST nicht gerade ungeniert der gleichen Mittel wie die ähnlich umstrittenen Genrekollegen von Powerwolf („Wings Of Light“) oder Sabaton („Master Of Illusion“). Der durchgehende Beat, die eingängigen Melodien, das relativ einfache Riffing und das maximale Verlangen nach hymnenhaften Refrains sind trotz der Ähnlichkeiten nicht unbedingt abgekupferte Methoden. BATTLE BEAST haben diesen Weg für sich und weitere Bands des letztens Jahrzehnts schließlich selbst mitgeebnet und damit einen anhaltenden Trend mitgeprägt. Die finnische Formation hat es darüber hinaus auch geschafft, sich mit seiner herausragenden Frontfrau und dem charakteristischem Pump-Beat eine einzigartige Note zu erarbeiten. BATTLE BEAST liefern somit auch wieder den perfekten Soundtrack für ein Power-Workout im Fitnessstudio oder als musikalische Ersatzbegleitung zu Pamela-Reif-Videos. Probiert mal ein paar Punches, Donkey Kicks und Mountain Climber zu „Master Of Illusion“ oder „Russian Roulette“!

Sängerin Noora Louhimo verdient noch besondere Erwähnung, sie ist schließlich das große Aushängeschild von BATTLE BEAST. Sie gehört inzwischen unumstritten zu den besten und variantenreichsten Sängerinnen der Metalwelt. Mit ihrer kräftigen, druckvollen Stimme könnte sie wohl alles singen, was sie möchte und wäre für jede Band jedes Genres eine Bereicherung. Ihre Entwicklung zu beobachten, war schon immer spannend und Platte für Platte wird ihre Stimme vielseitiger und geschmeidiger. Auch wenn Louhimo auf „Circus Of Doom“ wieder etwas mehr die raue Rockröhre mimt, gibt es viele glatt gesungene Parts – gerade die Ecken und Kanten in ihrem Gesang waren dabei immer das spannende und haben BATTLE BEAST aufgewertet.

Egal, ob die musikalische Ausrichtung von „Circus Of Doom“ nun an der weiter ausgebauten Varianz ihrer Stimme liegt oder sie eben das vorhandene Material passend besingen muss: Das Songwriting bricht der Scheibe das halbe Genick. Die Songs sind teilweise eben nicht so eingängig, wie die Band das gerne hätte und auch nach mehreren Hördurchläufen schnell wieder vergessen. Die Melodien dudeln zwar gefällig ins Ohr, aber ebenso flink wieder hinaus, viele der Refrains haken sich nicht fest. Außerdem fehlt oft der Druck, der Punch ist nicht da und das Songmaterial wirkt lahm und seltsam zahm. Das raue und kraftvolle „Wings Of Light“ oder das übertrieben epische „Place That We Call Home“ sind starke Nummern, die schon jetzt zum Besten gehören, was BATTLE BEAST jemals abgeliefert hat. Dafür gibt es auch Gurken wie „Freedom“, das wirkt, als wäre es zur Hälfte aus B-Seiten von 30 Seconds To Mars zusammengeschustert. Das poppige Doppel „The Road To Avalon“ und „Armageddon“ ist mit zahnlosen Eurodance-Klängen wohl der neue Tiefpunkt der Bandgeschichte. Tauscht man hier die Gitarren durch noch mehr Elektrospielereien aus, bekommt man 1A-Disconummern.

„Circus Of Doom“ ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind die Produktion, die instrumentalen Darbietungen und vor allem der Gesang auf Top-Niveau. Andererseits hakt es gewaltig an der Entwicklung der Band und am Songwriting. Darüber täuschen auch ein paar starke Nummern nicht hinweg, denn insgesamt betrachtet liefern BATTLE BEAST diesmal (wieder) mehr durchschnittliche, vergessenswürdige Songs als wirkliche Highlights. Viel fehlt nicht mehr zur vollständigen Verwandlung hin zum massentauglichen, kitschigen Eurodance-Rock mit mäßig spannendem Songwriting. Wer von Helene Fischer oder Robin Schulz auf härtere Musik umsteigen will, könnte mit „Circus Of Doom“ jedenfalls einen seichten Einstieg finden. Tut durch die enorme Menge Weichspüler nicht weh, mitnicken und -wippen klappt auf Anhieb. BATTLE BEAST taugen auf jeden Fall als Einstiegsdroge. Ist also doch nicht ganz so schlimm.

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Wertung: 5 / 10

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