Vampyric Black Metal – zugegeben, ein Genrezweig (rein thematischer Natur), mit dem man sofort eine gewisse Kapelle aus England verbindet, die – seien wir mal ehrlich – nicht immer musikalisch zu überzeugen wusste und zuletzt grundsätzlich weniger durch ihre Musik als vielmehr durch unsägliche Querelen von sich reden machte. Ein anderes „Problem“ dieser Sparte ist die Anfälligkeit für Kitsch, sei es durch Keyboards, Klargesang oder plakative Orgel-Gelage.
Wenn es aber nach René „Ronarg“ Thuys und seinem Projekt BLOEDMAAN geht, kann man auf gotische Romantik auch gänzlich verzichten. Denn der aus Flandern stammende Musiker hält seine Musik über weite Strecken fern von gemütlichem Kitsch. Geboten wird stattdessen Melodic Black Metal in Reinform.
Nach einem etwas holprigen Intro gleichen Namens mag man fast schon fürchten, Nosferatu hätte gleich zu Beginn zu lange auf der Sonnenbank gelegen, bevor der Titeltrack „Vampyric War in Blood“ schlimmere Befürchtungen beiseitewischt. Denn tatsächlich macht der Song ausgesprochen viel Spaß. Ganz dem Genre entsprechend öffnen sich eisige Melodien über rasantem Drumming. Dass gerade an dieser Stelle nicht immer alles rund läuft, kann man ruhig als „Attitude“ stehenlassen, denn ansonsten ist der erste reguläre Song des neuen Albums eine sehr solide Sache.
„Return To Castlevania“ hatt nicht nur eine schöne Hommage an die Videospielreihe im Titel, der Track kann im Anschluss die Melodiösität von BLOEDMAAN noch einmal steigern. Spätestens jetzt ist auch der letzte Hauch von Angst vor Kitsch aus der dreckigen Wiege gewichen: Position Nummer drei auf „Vampyric War in Blood“ ist ein absoluter Genusstitel, der durch Wut und Epik gleichermaßen beweist, dass Ronarg ernst nimmt, was er tut. Einen ersten kleinen Absacker muss man dennoch hinnehmen: Das schleppende „The Clock Tower“ mag als dynamische Abwechslung gedacht sein und bedingt auch so funktionieren, aber die Spannung seiner Vorgänger hält dieser Titel nicht.
Die zweite Hälfte des neuen BLOEDMAAN-Outputs leistet sich dann – bei wohlgemerkt gleichbleibender Rezeptur – keine derartigen Ausrutscher mehr. Auch wenn die Ein-Mann-Band sich im weiteren Verlauf nicht mit Kreativität überschlägt, so sind Titel wie „What A Horrible Night To Have A Curse“ (auch hier nicken „Castlevania“-Fans wissend) oder „Commander Of Spectral Forces“ starke Genretitel, die – wenn es um die Essenz melodiösen Black Metals geht – wenig an Beanstandung zulassen. BLOEDMAAN wissen, wie man Atmosphäre, Melodie und ein gewisses Oldschool-Feeling gekonnt verknüpft.
„Vampyric War in Blood“ ist kein Ausnahmealbum und trotzdem viel mehr, als dessen klischeetriefender Titel vermuten ließe. Nicht alles an diesem Album ist sauber. Es ist auch nicht jeder Takt punktgenau, und wollte man es allzu böse mit BLOEDMAAN meinen, könnte man dem Zweitling gar einen Mangel an Innovation vorwerfen. Demgegenüber haben die Songs auf „Vampyric War in Blood“ aber viel zu viel anzubieten.
Die Stücke sind im richtigen Maße abwechslungsreich und haben viele wirklich große Melodien zu bieten. Hinzu kommt, dass der raue Charakter der Platte in eine vergleichsweise saubere Produktion gegossen wurde, ohne dass die Kompositionen von BLOEDMAAN an Charme einbüßen. „Vampyric War in Blood“ ist in seiner Gesamtheit ein hübsches Kleinod, das trotz kleiner Schwächen bei den Details und Arrangements jedem Genreliebhaber taugen dürfte.
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Wertung: 7.5 / 10



Respekt dafür in der Rezension nicht auf den Bandnamen und dessen vermeintliche Komik eingegangen zu sein.
Ansonsten muss ich mich doch Mal damit beschäftigen, weil mir das Album eigentlich gefallen müsste.
Hallo Winterpercht,
das war gar nicht so schwer ehrlich gesagt. Wenn man die Übersetzung „Blutmond“ im Kopf behält dann ist das schon wieder was anderes.
Klar, teste die Platte mal aus;)
Danke für deinen Kommentar.
Liebe Grüße,
Philipp | M1
Interessant, dass der langsame „Ausnahmetitel“ „The Clock Tower“ gerade die bebilderte Single ist. Was könnte die Motivation dahinter sein? Mehr Gefälligkeit, die dann bei den anderen Songs konterkariert wird?? Das ist ja nicht der einzige Fall, man versteht die Schaffenden da nicht…
Hey Fenrir,
tatsächlich habe ich mich das auch gefragt. Zumal es auf der Platte wirklich tolle und vor allem repräsentative Titel gibt.
Nun ja, weiter wird man es wohl kaum ergründen können.
Danke für deinen Kommentar;)
Philipp| Metal1.info