CD-Review: Brutus - Nest

Besetzung

Stefanie Mannaerts - Gesang, Schlagzeug
Stijn Vanhoegaerden - Gitarre
Peter Mulders - Bass

Tracklist

01. Fire
02. Django
03. Cemetary
04. Techno
05. Carry
06. War
07. Blind
08. Distance
09. Space
10. Horde V
11. Sugar Dragon


[Punk / Hardcore / Post-Rock] Es ist ungefähr zwei Jahre her, dass die belgische Post-Hardcore-Band BRUTUS mit ihrem Debüt „Burst“ quasi aus dem Nichts mehr als nur einen Achtungserfolg erzielte. Mit „Nest“ steht jetzt der Nachfolger in den Startlöchern und man darf gespannt sein, was Stefanie Mannaerts und ihre Mitstreiter aus dem Hut gezaubert haben. Kann das Trio die hochgesteckten Erwartungen erfüllen?

Schon nach den ersten Takten ist klar erkennbar, dass BRUTUS ihrem Grundkonzept treu bleiben: Der Opener „Fire“ geht nach einem kurzen, atmosphärischen Intro ziemlich nach vorne auf die zwölf und dürfte Fans des Debüts ohne Frage gefallen. Hohes Tempo, melodisch-punkige Gitarren, präzises Bassspiel und der charakteristische Gesang von Mannaert sind der Stoff, aus dem die Hits sind. Und davon gibt es auf „Nest“ einige zu verzeichnen, zum Beispiel die erste Single-Auskopplung „War“. Auch „Cemetery“ macht richtig Spaß, da die Band hier bekannte Pfade auch einmal verlässt: Mannaert rotzt ihre (für BRUTUS-Verhältnisse recht langsame) Strophen regelrecht ins Mikrofon und hat dabei in manchen Momenten fast etwas von Teri Gender Bender (Le Butcherettes). Überhaupt hat sich in Sachen Gesang einiges getan: Mannaerts Vocalarbeit wirkt selbstbewusster und facettenreicher denn je. Keine Selbstverständlichkeit in Anbetracht dessen, dass die gute Frau ja auch noch hinter dem Schlagzeug sitzt – und dies nicht gerade stiefmütterlich behandelt, denn BRUTUS sind eine Kombo, in der die Drums eine tragende Rolle einnehmen und auch im Mix recht präsent klingen.

Dass „Nest“ im Vergleich zum Debüt eine echte Weiterentwicklung ist, liegt auch daran, dass BRUTUS ihren Stil konsequent verfeinert haben: So gibt es auf dem neuen Release mehr Post-Rock- und Shoegaze-Momente zu verzeichnen, was auf Albumlänge definitiv für mehr Abwechslung sorgt. Vor allem das außergewöhnliche und fast schon sphärische „Space“ fällt aus dem Rahmen, verzichtet die Nummer doch auf jegliche Form des Ausbruchs und setzt vor allem auf Atmosphäre und einen Ohrwurm von Hookline, den man nicht so schnell los wird. Ebenso hitverdächtig ist auch der Midtempo-Track „Distance“: Gerade die zweite Songhälfte ist eine wunderbar melodische-aggressive Wand mit hohem Wiedererkennungswert.

Aufgenommen wurde „Nest“ wie auch schon der Vorgänger im Rain City Recorders Studio in Vancouver, Kanada – allerdings ist von einem Schwachpunkt des Debüts, dem hier und da etwas dünnen Gitarrensound von Stijn Vanhoegaerden, auf BRUTUS‘ zweitem Streich nichts mehr zu hören. Sowohl effektbeladene Melodien als auch tonnenschwere Bretter erklingen in Kombination mit den dynamischen und groovigen Basslines von Peter Mulders ziemlich fett. Wie auch auf „Burst“ haben manche Blastbeat- und Riffkombinationen schon fast etwas schwarzmetallisches. Die Produktion ist ausgesprochen gelungen und das Zusammenspiel der Musiker ausgezeichnet: tontechnisch und musikalisch also nichts zu meckern.

Wenn man sich vor Augen führt, dass BRUTUS als Refused-Coverband gegründet wurde und man also Punk und Hardcore als musikalisches Fundament voraussetzt, ist die Entwicklung der Belgier bemerkenswert. Die progressiven und stimmungsvollen Abschnitte auf „Nest“ wirken keinesfalls aufgesetzt, sondern fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Wer gerne zu Bands wie zuvor erwähnten Refused bzw. Le Butcherettes oder auch Fjørt durch die Bude springt und kein Problem mit Frauengesang hat, sollte „Nest“ unbedingt eine Chance geben – es lohnt sich.

Bewertung: 8 / 10

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