CD-Review: Carnifex - Die Without Hope

Besetzung

Scott Lewis – Gesang
Cory Arford – Gitarre
Jordan Lockrey – Gitarre
Fred Calderon – Bass
Shawn Cameron – Schlagzeug

Tracklist

01. Salvation Is Dead
02. Dark Days
03. Condemned To Decay
04. Die Without Hope
05. Hatred And Slaughter
06. Dragged Into The Grave
07. Rotten Souls
08. Last Words
09. Reflection Of The Forgotten
10. Where The Light Dies


Bei manchen Metalcore-Bands verhält es sich mit der Frage nach dem „Warum“ wie mit einem infiniten Regress: „Warum hatte diese Band jemals Erfolg?“ „Wie ist sie jemals zu einem großen Label gekommen?“ „Und warum meinen so viele Leute eigentlich, dass diese Band etwas Besonderes ist?“

Die Suche nach der Antwort führt bei jeder Frage zwangsläufig dazu, dass man bei der nächsten landet – ohne freilich die Antwort herauszufinden. Bei den Amerikanern CARNIFEX ist das nicht anders, sind diese doch mit Ausnahme von etwa zwei Songs in den letzten Jahren hauptsächlich für melodiefreien Breakdown-Stumpfsinn bekannt gewesen. Alben wie „Hell Chose Me“ waren dafür der beste Beweis. Um zur Anfangsfrage zurückzukommen: Wie die Band bei Nuclear Blast gelandet ist und die dafür nötige Fan- und Hörergemeinde beisammen bekommen hat, lässt sich nur erahnen.

Das Ganze soll keineswegs zu stumpfem Deathcore-Bashing ausarten, denn wie die Genrekollegen All Shall Perish schon immer gezeigt haben, ist es auch möglich, gleichzeitig erfolgreich zu sein und auf hohem Niveau Musik zu machen. Für CARNIFEX trifft nur Ersteres zu, denn „Die Without Hope“ ist ein Hassbatzen, dessen Abneigung sich aus gutem Grund gegen sich selbst zu richten scheint: Da wäre die unsäglich sterile Produktion, die sich vor allem im fürchterlichen Schlagzeug-Sound bemerkbar macht. Snare, Double-Bass und Becken sind dermaßen totproduziert, dass im Zusammenspiel mit stupiden Palm-Mute-Riffs stets jegliche Variation untergeht.

Die fortgesetzte und zutiefst ermüdende Melodiearmut, die CARNIFEX mit Ausnahme einer Handvoll Soli auch auf diesem Album zelebrieren, raubt selbst dem geduldigsten Hörer irgendwann den Nerv. Eine Ausnahme hiervon stellt nur der Rausschmeißer „Where The Light Dies“ dar, der mit einem coolen Intro und stimmungsvollen Riffs punkten kann. Das soll aber wohl nur eine Ausnahme darstellen, von zugänglicher Musik scheint man im CARNIFEX-Lager nicht allzu viel zu halten.

So bieten „Salvation Is Dead“ und „Condemned To Decay“ beispielsweise im letzten Songdrittel nette Soli – diese wirken angesichts der davor zu hörenden stumpf-primitiven Lärmattacken und ziellosen Breakdownsalven eher Alibi-mäßig als tatsächlich konsequent. Der Titeltrack „Die Without Hope“ ist dagegen völlig missraten, wie ein Insekt im Gehörgang – Musik zum Vergessen. Das überaus schmerzhaft anzuhörende Gekeife und Gegrunze von Sänger Scott Lewis ist derweil frei von jeglicher Variation und dient dem reinen Selbstzweck des harten Dampfwalzen-Sounds.

Fazit: „Die Without Hope“ ist für alle die, deren Ohren es nach anspruchsvolleren Klängen gelüstet als Chelsea Grin und Suicide Silence, ein knapp 40-minütiges Märtyrium. Für alle anderen ist es vielleicht ein Vergnügen, aber ein schmerzhaftes.

Bewertung: 4 / 10

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5 Kommentare zu “Carnifex – Die Without Hope”

  1. JOchecker

    Sorry, aber mit persönlichen Kritiken kann wirklich niemand was anfangen. Wenn dir Carnifex nicht gefällt, ist das eine persönliche Sache, aber für dieses geile Album 4 Punkte zu geben…dass ist stumpfsinnig! Wenn man eine Bewertung für eine CD macht, ist das für jedermann, da stellt man seinen persönlichen Geschmack doch eher in den Hintergrund. Suicide Silence?…Chelsea Grin? haha….., die können doch wirklich einpacken gegen Carnifex. Das ist doch kein Vergleich!

  2. Christoph Emmrich

    Was wiederum deine persönliche Meinung ist. Carnifex mögen eventuell besser sein als Chelsa Grin und Suicide Silence, aber das liegt im Auge das Betrachters. Mir geben die allesamt wenig. Unabhängig davon bietet „Die Without Hope“ einfach nichts Neues und das Gezeigte ist einfach so stumpf runtergebolzt, dass es den Hund samt der Hütte schüttelt.
    Entsprechend kann ich dem Kollegen Stieler und seiner Wertung nur zustimmen, denn diese CD ist sinnentleerte Brutalität zum Selbstzweck.

    1. JOchecker

      „dass es den Hund samt der Hütte schüttelt“ :-) )
      genauso muss es doch sein.
      Schlecht wäre es ja, wenn der Hund gar keine Reaktion zeigen würde:)

  3. Pascal Stieler

    Nun, ich bin vermutlich bis auf max. 1-2 Kollegen der einzige, der sich diese Musik überhaupt zum Bewerten anhören mag, weil ich sie prinzipiell gerne höre. Ich fände es interessant, mal von dir zu hören, was an dieser CD „geil“ sein soll: Die schlimme Produktion? Die Abwesenheit von Melodie? Das nervige Rumgekreische? Die planlosen Breakdowns?

  4. Yussuf al-Said

    4 Punkte ist sogar noch zuviel… „Dead in my Arms“ war damals wie heute absolut phät! Aber dann ging’s mit jedem Album weiter bergab… wenn schon sinnentleerendes Gebolze, dann doch lieber Whitechapel mit deren gleichnamigem Hassbatzen de luxe, auch wenn der nur 7 Punkte (unklar, völlig unklar) eingeheimst hat. Back to topic: Carnifex können einpacken. Die „Musik“ ist ja nicht mal schlecht, auch die Produktion finde ich… angemessen, aber die billigen Keyboards (wenn auch im Hintergrund) und das mittlerweile nervtötende Geschrei… nein danke Digga.
    Peace!

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