Review Communic – Payment of Existence

Die norwegischen Power-Progger von COMMUNIC sind inzwischen zu mehr als einer festen Konstanten der Progressive-Szene gewachsen. Bereits ihr Debutalbum „Conspiracy in Mind“ schlug 2005 ein wie eine Bombe, und hat inzwischen regelrechten Kultstatus inne. Der Zweitschlag ließ nicht lange auf sich warten und so lies auch „Waves of visual decay“, welches nur ein Jahr nach seinem Vorgänger erschien, reihenweise Kritiker-Kinnladen nach unten klappen und weckte dabei schon Erwartungen an seinen Nachfolger, die, realistisch gesehen, nicht erfüllt werden können. Nun schreiben wir das Jahr 2008 und das sehnsüchtig erwartete „Payment of Existence“ steht endlich in den Läden.

Befürchtungen, die Band würde durch unnötige Experimente ihren ureigenen Stil verwässern und dadurch an Klasse einbüßen, werden bereits während den ersten Takten des Openers „On Ancient Ground“ vollkommen zerschlagen. Jawohl, sie ist wieder da, die Mischung aus tollen Melodien, heftiges, an US-Powermetal erinnerndes Geriffe, thrashigen Doublebass-Attacken und vor allem der charakteristische Gesang von Oddleif Stensland: Im ersten Moment noch wunderbar verträumt, dann mal wieder aggressiv, fast schon schreiend, dann wieder mit verstörend psychedelischem Einschlag. Dieser Mann kann singen und braucht den Vergleich mit den wirklich Großen wie Rob Halford oder Eric Adams absolut nicht zu scheuen. Wenn man bedenkt, dass er daneben noch Gitarre spielen muss, wirkt es nur mehr als menschlich, wenn COMMUNIC live noch nicht ganz das Niveau erreicht haben wie auf Platte. Auch die Kollegen am Bass und hinter der Schießbude verstehen ihr Handwerk über die Maßen.
Jedoch ist die beste Technik für die Katz, wenn man sie nicht zu nutzen weiß. Satanseidank ist dies bei COMMINIC nicht der Fall. Während viele Prog-Bands das Problem haben, reine Technik-Monster zu erschaffen, denen jedoch schlicht und einfach die Seele fehlt, ist dies bei COMMUNIC zu keinem Zeitpunkt der Fall. Bei aller Komplexität wirken die Songs zu jeder Zeit lebendig, niemals zu steril. Jedoch sind bei den meisten Songs mehrere Hördurchläufe nötig, bis sie richtig zünden. Wenn das aber erst mal der Fall ist, haben sie sich bereits dermaßen in den Gehörgängen eingenistet, dass jeder Kammerjäger kapitulieren müsste. Ein weiteres Problem diesbezüglich ist auch, dass die CD vor allem in abgedunkelten Zimmer unter dem Kopfhörer ihre volle Wirkung entfalten kann, was momentan leider im krassen Gegensatz zu dem Sommerwetter draußen steht.Der größte Kritikpunkt, den viele bei „Payment of Existence“ sehen, ist, dass man Neuerungen mit der Lupe suchen müssen. In der Tat gehen COMMUNIC hier auf Nummer sicher und beschränken sich auf Detailverbesserungen, anstelle ihr Konzept einer Radikalkur zu unterziehen. Bei aller Boshaftikeit kann man ihnen daraus nun aber wirklich keinen Strick drehen, immerhin waren die Vorgängeralben dermaßem nahe an der Perfektion, das größere Veränderungen wohl mehr Schaden als Nutzen angerichtet hätten.
Die auffälligste Neuerung gegenüber „Waves of visual Decay“ ist, dass man den Focus wieder mehr auf ruhigere Songs gelegt und die Speed-Ausbrüche wieder mehr in den Hintergrund gestellt hat. Somit erinnert die Scheibe eher ans Debut als an seinen Vorgänger.

Alles in allem ist COMMUNIC auch mit ihrem Drittlingswerk mal wieder ein Geniestreich der besonderen Art gelungen. Auch, wenn das Material inzwischen nicht mehr ganz so frisch erscheint, wie noch auf dem ersten Album, stellt die Band nach wie vor (natürlich zusammen mit alten Bekannten) die Speerspitze des Progressive Metals dar. Fans der Band und des Genres kaufens sowieso, aber auch allen anderen Schwermetallern kann ich „Payment of existence“ nur sehr ans Herz legen.

Wertung: 8.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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