CD-Review: Communic - Waves Of Visual Decay

Besetzung

Oddleif Stensland - Gesang, Gitarren
Erik Mortensen – Bass
Tor Atle Andersen – Schlagzeug

Endre Kirkesola - Keyboard

Tracklist

01. Under A Luminous Sky
02. Frozen Asleep In The Park
03. Wathing It All Disappear
04. Fooled By The Serpent
05. Waves Of Visual Decay
06. My Bleeding Victim
07. At Dewy Prime
08. Conspiracy In Mind (Demo Version) *
09. Ocean Bed (Demo Version) *

* Bonustracks auf limitierter Erstauflage


Im Februar 2005 lieferten COMMUNIC mit ihrem Debüt „Conspiracy In Mind“ eine faustdicke Überraschung und gleich eines der besten Alben des Jahres. Nun, nur 15 Monate später, ist bereits „Waves Of Visual Decay“ am Start. Doch trotz der kurzen Zeit zwischen den Veröffentlichungen sollte man Gedanken an einen Schnellschuss schnellstmöglich vergessen. Stilistisch schließen die Norweger, wie nicht anders zu erwarten, an den großartigen Vorgänger an und nehmen kaum Veränderungen am Sound vor. Auch die Liedlängen sind wieder exorbitant, sie variieren hier zwischen 6:41 und 9:46 Minuten, womit die nur sieben Tracks eine stolze Spielzeit von fast 58 Minuten aufweisen. Auch das gesamte Artwork der Scheibe ist wieder grandios anzusehen.

Recht früh jedenfalls kann man sich selbst schon beantworten, dass COMMUNIC hier keinesfalls auf Nummer sicher gehen. Zu Beginn wird mit „Under A Luminous Sky“ gleich heftig losgelegt, mit dem drückenden Schlagzeug und der Gitarrenarbeit könnte man sich das Lied instrumental stellenweise fast schon in die Death Metal-Ecke denken und wirkt dazu noch ziemlich thrashig. Das allein dürfte schon deutlich machen, dass man den Härtegrad seit dem Debüt ein nicht unerhebliches Stückchen nach oben geschraubt hat. Das merkt man auch in der Stimme von Oddleif Stensland, der teilweise deutlich aggressiver zu Werke geht. Insgesamt scheint er die Spannweite seiner Stimme hier noch weiter ausgebaut zu haben und klingt einerseits ein wenig angenehmer sowie in den hohen Tonlagen einfach besser und erinnert gar ein wenig an Tim „Ripper“ Owens. Und spätestens jetzt ist er seinem „direkten Konkurrenten Warrel Dane von Nevermore absolut gleichwertig, wenn nicht sogar noch ein Stückchen über ihm.
„Fooled By The Serpent“ geizt auch nicht mit Härte und drückendem und blastendem Drumming, gleichzeitig ist die Stimmung des Songs irgenwie fröhlich und im Refrain überaus lässig, was dem Lied eine sehr besondere Note verleiht. Ruhigere Töne werden vor allem bei „Watching It All Disappear“ angeschlagen, das eine bedrückte Atmosphäre verbreitet, aber keine reinrassige Ballade ist, denn auch hier geht es im späteren Verlauf etwas Power Metal-lastiger zur Sache, wie auf dem ganzen Album kann sich der Schlagzeuger auch hier nicht zurückhalten. Der Titeltrack bietet auch eine interessante Mischung, so singt Oddleif hier durchgehend ruhig und sanft, während die Instrumentalfraktion sich nicht besonders danach richtet. Das kürzeste Lied „My Bleeding Victim“ ist hier wohl die Power Metal-Nummer des Albums und lässt mich vom Aufbau und der Instrumentierung her ein wenig an Iced Earth denken und verbreitet auch eine recht düstere Stimmung.

Nicht nur die Härte, sondern auch die ruhigen Momente scheinen hier zunehmend an Gewicht gewonnen zu haben, die Mischung vom Debüt wurde also nochmal verfeinert. Trotz vieler Melodien und einigen einprägsamen Stellen ist hier aber keinesfalls an ein besonders eingängiges Album zu denken, vielmehr ist „Waves Of Visual Decay“ noch sperriger als der Vorgänger und verlangt mit Breaks, Wechseln und der Mischung von Progressive, Power und Thrash Metal einiges ab. Die Länge der Songs ist natürlich auch nicht gerade hilfreich, hier einen tanzbaren Ohrwurm ausfindig zu machen, die kann man hier aber auch nicht erwarten.
Im Vergleich zu „Conspiracy In Mind“ stehen COMMUNIC mit ihrem Zweitling also keinesfalls zurück, können das Debüt aber auch nicht überflügeln. Die Qualität kann gehalten werden, auch wenn hier die ein oder andere kleine etwas langweilige Stelle auftaucht, die im Gesamten aber so gut wie gar nicht ins Gewicht fallen. Die Erwartungen werden also erfüllt, der Status wird ausgebaut und der Name etabliert – COMMUNIC haben hier alles richtig gemacht und nicht den Fehler begangen, hier ein Nummer-Sicher-Album rauszuhauen und lösen sich ein weiteres Stück von Nevermore. Ist nur absolut kein Album zum Nebenbeihören.

Bewertung: 9 / 10

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