CMFT Corey Taylor CMFB-Sides

Review Corey Taylor – CMFB-Sides (EP)

  • Label: Roadrunner
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Rock

„Sandeln“, wie es im Bayerischen so schön heißt – also Zeit ungenutzt verstreichen lassen –, scheint eines COREY TAYLORs Ding nicht zu sein: Während seine Hauptbands Slipknot und Stone Sour im Dornröschenschlaf lagen, realisierte er fix den lange gehegten Traum vom Soloalbum. Das erhoffte – und TAYLOR durchaus zuzutrauende – Hit-Album wurde „CMFT“ (2020) leider nicht. Dass nun unter dem (immerhin) humorigen Titel „CMFB-Sides“ übriggebliebenes Material veröffentlicht wird, klingt unter diesen Voraussetzungen nicht unbedingt vielversprechend.

Tatsächlich wird der Release dem im Namen versteckten Hinweis auf seine Identität als B-Seiten-Sammlung in jeder Hinsicht gerecht: Hier findet sich von der gelungenen Cover- bis zur überflüssigen Akustik-Version alles. Ziemlich stimmig (auch weil nah am Original) ist das eröffnende Metallica-Cover „Holier Than Thou“. Dass schon „All This And More“ – ursprünglich von den Dead Boys – in gänzlich anderem Sound daherkommt, sorgt von Beginn an für Compilation-Charakter galore. Das ist schade, zumal sich „CMFB-Sides“ nicht aus einem über Jahrzehnte angesammelten Fundus speist, sondern alle Studioversionen aus einem Albumzyklus stammen (müssen).

Stilistisch hätten die gewählten Songs für ein Cover-Album immerhin gleich einen reizvollen Rahmen aufgespannt. Statt hier anzuknüpfen, streut COREY TAYLOR eine Akustikaufnahme des schon in der „rockigen“ Albumversion ziemlich cheesy ausgefallenen „Kansas“ ein, ehe mit dem Cover von Eddie Moneys „Shakin’“ die nicht so gut gealterte Seite der 1980er-Jahre ein Revival feiern darf. Irgendwo zwischen „kitschig“ und „romantisch“ ist dann auch zu verorten, dass nicht nur die (starke) Live-Darbietung der Stone-Sour-Ballade „Home/ZZyzx Rd.“ im abgespeckten Akustik-Setup ihren Weg auf „CMFB-Sides“ gefunden hat, sondern auch die vorangestellte Ansage, in der COREY den Song seiner Frau widmet. Das größere Problem ist aber, dass Live-Nummern zwischen Studioaufnahmen meistens deplatziert wirken. So auch hier. Mit dem Red-Rider-Cover „Lunatic Fringe“ geht es irgendwie live (oder live aus dem Studio?) und ebenfalls recht ruhig weiter, ehe der Kiss-Klassiker „Got To Choose“ die Zerrgitarren zurückbringt.

Eine unspektakuläre akustische Fassung des CMFT-Songs „Halfway Down“ und ein – bei allen Qualitäten, die COREY als Sänger hat – eher blasses Cover des großen Rock-Songs „On The Dark Side“ (John Cafferty & The Beaver Brown Band) später ist Gewissheit, was zu befürchten war: „CMFB-Sides“ ist eine ziemlich willkürlich wirkende Songsammlung, die eher Playlist- denn Albumcharakter hat. Als solche wäre „CMFB-Sides“ vielleicht paar Klicks wert gewesen – die physische Anschaffung der (limitierten) EP ergibt eigentlich nur für Fanpeople aus Gründen der Vollständigkeit Sinn.


„CMFB-Sides“ erscheint in Europa rein digital. Die limitierte CD-Version ist exklusiv über den Bandshop (USA) erhältlich.

Wertung: 6 / 10

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