Das Cover von "Chasing The Hydra" von Crimson Glory

Review Crimson Glory – Chasing The Hydra

  • Label: Bravewords
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Heavy Metal

Als CRIMSON GLORY vor etwa zweieinhalb Jahren neue Musik ankündigten, war das zunächst eine kleine Sensation. Allerdings fielen die Reaktionen über die ersten neuen Songs der U.S. Metaller seit 26 Jahren gemischt aus und als das ur-hässliche Cover der Comeback-Platte „Chasing The Hydra“ enthüllt wurde, ließ die Häme nicht lange auf sich warten. Rein auf die harten Fakten beschränkt sprechen die Umstände des Neustarts von CRIMSON GLORY allerdings durchaus für die Band: Drei von fünf Mitglieder der aktuellen Besetzung sind seit 1983 dabei und mit Sänger Travis Wills hat die Truppe einen echten Veteran der Szene rekrutiert. Wie schlägt sich die Band, die einst den Meilenstein „Transcendence“ einspielte, auf ihrem neuen Album?

CRIMSON GLORY machen schon im Opener „Redden The Sun“ deutlich, was auf ihrem Comeback-Werk zu erwarten ist: Die dank kernigem Riffing ziemlich moderne Nummer verbindet düstere Melodien mit einem für diese Band typischen, eingängigen Refrain und wird spätestens im Mittelteil ein wenig progressiv. Damit legt die Truppe die Marschrichtung für das gesamte weitere Album fest, denn die U.S. Metaller oszillieren auf ihrer neuen Platte stetig zwischen druckvollen, gradlinigen Momenten und filigraner Vielschichtigkeit, die einiges an kompositorischer Tiefe offenbart. Dabei punktet die Band immer wieder mit grandiosen Riffs, wie sich nicht zuletzt in Nummern wie „Beyond The Unknown“ und „Pearls Of Dust“ zeigt.

Neben dem herausragenden Songwriting überzeugt „Chasing The Hydra“ vor allem dank der Gesangsleistung des neuen Frontmanns Travis Wills. Mit dem 53-jährigen Genre-Veteranen haben CRIMSON GLORY einen wahren Glücksgriff getan, denn der Mann verfügt über schlicht phänomenalen Stimmumfang, der ihn auf diesem Album in die Nähe des jungen GEOFF TATE, Band-Mitbegründer Midnight und – tatsächlich – sogar von KING DIAMOND rückt – letzteres offenbart sich am deutlichsten in „Angel In My Nightmare“.

Dass man CRIMSON GLORY die stilistische Nähe zu QUEENSRYCHE unterstellen kann, kommt dabei nicht nur durch ihren neuen Sänger. Sieht man von den wenigen kompakteren Songs auf „Chasing The Hydra“ ab, wohnt allen Tracks der Platte der erwähnte progressive Touch inne, der sie von der Standardkost des Genres abhebt und an die fruchtbarste Phase von GEOFF TATE und Band erinnert. Am offensichtlichsten ist das in „Broken Together“ sowie „Indelible Ashes“, aber auch „Armor Against Fate“ kann zu diesen Nummern auf „Chasing The Hydra“ gezählt werden. Dabei ist es besonders schön, dass CRIMSON GLORY trotz ihres Hangs zum klassischen Progressive Metal nie ins übermäßig Verkopfte abdriften und die Aufmerksamkeit ihres Publikums verlieren.

CRIMSON GLORY ist mit „Chasing The Hydra“ knapp drei Jahrzehnte nach ihrer letzten Platte ein wirklich spannendes Album gelungen. Mit ihrem steten Wechsel zwischen Eingängigkeit und Anspruch halten die Songs durchweg bei Laune, ohne zu überfordern, denn während hier Vieles unerwartet ist, fällt doch nichts so weit aus dem Rahmen, dass der rote Faden abhanden kommen würde. „Chasing The Hydra“ ist voll von edlen Riffs und erhabenen Melodien, die jedoch allesamt vom überragenden Gesang des neuen Frontmanns in den Schatten gestellt werden. Sowohl Fans von CRIMSON GLORY als auch von U.S. Metal mit Tiefgang im Allgemeinen kommen mit „Chasing The Hydra“ voll auf ihre Kosten!

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Wertung: 8.5 / 10

Thomas Meyns

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