CD-Review: Crippled Black Phoenix - White Light Generator

März 2014

Besetzung

Daniel Änghede – Gesang, Gitarre
Justin Greaves – Gitarre, Gesang
Karl Demata – Gitarre, Gesang
Christian Heilmann – Bass
Ben Wilsker – Schlagzeug
Mark Furnevall – Keyboard, Gesang
Daisy Chapman – Keyboard, Gesang

Gastmusiker:
Belinda Kordic – Gesang
Chrissie Caulfield – Violine

Tracklist

01. Sweeter Than You
02. No! Part 1
03. No! Part 2
04. Let's Have An Apocalypse Now!
05. Black Light Generator
06. Parasites
07. __________
08. Northern Comfort
09. Wake Me Up When It's Time To Sleep
10. Caring Breeds The Horror
11. You'll Be Murdered
12. We Remember You
13. A Brighter Tomorrow


(Progressive Rock / Post Rock / Folk) Ganz weit ausholen. Die ganz große Geste nicht scheuen. Das gesamte Unglück der Welt auf seine Schultern packen und unter wehleidigem Schluchzen in Kunst verwandeln. Drunter machen es die Briten von CRIPPLED BLACK PHOENIX nicht. Aber mal ehrlich: Etwas anderes ist auch nicht zu erwarten, wenn Mitglieder von Bands wie Electric Wizard und Mogwai sich zusammentun, um Musik zu erschaffen. Zwar schlugen die letzten Alben stärker in Richtung Progressive Rock aus, was aber nichts daran ändert, dass CRIPPLED BLACK PHOENIX im Kern eine düstere Folk-Band sind, die sich Anleihen aus Classic Rock, Post Rock und eben Progressive Rock einverleibt und daraus diese herrlich unaufgeregte, oft zerbrechlich wirkende, atmosphärische Musik komponiert, die man am besten mit einem schweren Glas Rotwein genießt. „White Light Generator“ ist nun – pünktlich zum zehnjährigen Bandjubiläum – das erste Album mit Neuzugang Daniel Änghede am Gesang und ist ein auf das Essenzielle heruntergebrochene Album, welches den Kern von CRIPPLED BLACK PHOENIX hervorragend einzufangen weiß – leider inklusive einiger Längen.

„White Light Generator“ ist eine zweigeteilte Angelegenheit: Während die ersten sechs Songs die „Black Side“ bilden und die schwere Seite der Musik darstellen sollen, konstituieren die anderen Sechs Stücke (getrennt von einem Spoken-Word-Drone-Interlude) die „White Side“, welche durch einfachere, dunklere und melodische Töne geprägt ist.

Eine ruhige Akustikgitarre erklingt zu Beginn, Daniel Änghedes Gesang wirkt regelrecht luftig und befreit – nach knapp zwei Minuten allerdings schlägt die Stimmung im ersten Teil von „NO!“ um, als eine gezupfte Gitarre und ein einfaches Klavier melancholische Klänge anschlagen und schließlich ein schleppendes Schlagzeug lospoltert, welches die ’schwarze Seite‘ straight rockig, dabei jedoch immer auch wehmütig eröffnet. Der zweite Teil des Songs schließt nahtlos an und setzt zunächst auf gehauchten Frauengesang, welcher schon fast geisterhaft klingt. Schließlich kehrt das Thema des ersten Teils zurück und wird von einem stark von Classic Rock geprägten Gitarrensolo unterstützt, welches sich perfekt über den schleppenden Song legt. Der Spannungsaufbau und das Songwriting in diesem insgesamt 15 Minuten langen Zweiteiler sind schlicht umwerfend und zeigt die Stimmung auf, welche die ’schwarze Seite‘ bestimmt. So sind auch die übrigen proggigen Songs irgendwo zwischen fetten Riffs und verschleppten Trommeln, inklusive Einsatz von Chören, Flanger und verhalltem Gesang zu verorten, manchmal schneller, manchmal langsamer, dabei stets druckvoll und nach vorne.

Nach dem unbetitelten Interlude geht es mit „Northern Comfort“ energiegeladen weiter, allerdings sind die Gitarren nun nicht mehr so stark verzerrt, wodurch an der Stelle von heftigen Riffs mehr Platz für eingängige, sehnsüchtige Melodien herrscht, die häufig auch von einem Klavier übernommen werden und Raum für orientalische Anklänge lassen. „Wake Me Up When It’s Time To Sleep“ erinnert in seiner ruhigen, folkigen Atmosphäre an die ersten Alben der Band und wird spätestens beim Einsatz der langsamen, mit starkem Hall unterlegten Gitarrenmelodie zu einem echten Highlight. Daran anschließend treten CRIPPLED BLACK PHOENIX ihre Route der schleppenden, melancholischen und sehnsüchtigen Songs ein wenig zu breit aus und beginnen sich zu wiederholen. Zwar sind die einzelnen Songs immer noch richtig gut, gleichen sich oft aber zu sehr, um die ihnen zustehende Aufmerksamkeit zu wecken. „We Remember You“ weiß nach zögerndem Beginn mit einem absolut mitreißenden und sehnsüchtigen Finale zu begeistern, welches sich auch gut als Albumabschluss angeboten hätte. Diesen Platz nimmt der schwermütige Folksong „A Brighter Tomorrow“ mit seinem beschwipstem Klavier, seinen trockenen Trompeten und dem hohen Gesang schließlich aber absolut gerechtfertigt ein.

„White Light Generator“ ist ein durchgehend stimmiges Album welches sowohl mit fetten Riffs und treibenden Schlagzeugrhythmen, als auch mit ruhigen, folkigen Tönen und sehnsüchtigen Melodien zu überzeugen weiß. Die Songs sind alle nicht unnötig kompliziert aufgebaut und spielen viel mit langgezogenen Spannungsbögen, dennoch sind die Songstrukturen nie langweilig und wissen es, den Hörer emotional mitzunehmen. Nichtsdestoweniger wirkt es auf die Dauer von über 70 Minuten stellenweise ein wenig ermüdend, CRIPPLED BLACK PHOENIX auf ihrer Reise ins Innerste ihrer Musik zu begleiten, oder anders ausgedrückt: ein oder zwei Songs weniger pro ‚Seite‘ hätten dem Album wirklich gut getan, da eben auch die Reduzierung des Ausufernden eine angenehme Abwechslung dargestellt und sich nicht das Gefühl der Wiederholung eingeschlichen hätte. Das ändert aber nichts an der Qualität, welche CRIPPLED BLACK PHOENIX auf „White Light Generator“ präsentieren und die sie sicherlich zu einer derzeit spannendsten Bands in ihrem Genre macht – wie auch immer man dieses genau bezeichnen möchte.

Bewertung: 8 / 10

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