CD-Review: Dark Age - The Silent Republic

Besetzung

Eike Freese – Gesang, Gitarre
Jörn Schubert – Gitarre
Torsten Eggert – Bass
Martin Reichert – Elektronik
André Schumann – Schlagzeug

Tracklist

01. Introduction
02. The Silent Republic
03. Daily Combat
04. Know Me Strong
05. Suicide Crew
06. Cut The Flesh
07. Return
08. Last Words
09. Now Or Never
10. We Who Suffer
11. Hells Bells (Bonustrack)


Bei Dark Age ist der Name Programm. Im Jahre 2002 lieferte der Fünfer aus dem hohen Norden Deutschlands mit seinem dritten Album „The Silent Republic“ eine weitere Scheibe voller „Dark Metal“ (so nennen die Jungs selbst ihren Stil) ab, und schaffte es somit seine Fangemeinde auch über den Hamburger Bereich hinaus zu erweitern.
Beim Anspielen der CD wird der Hörer zunächst von einem sanften, sphärischen Klavier-/Keyboardintro berieselt, ehe mit dem Titeltrack ein Feuerwerk des melodischen Death Metal gezündet wird. Dieser Song strotzt nur so vor Energie, die sägenden Riffs brennen sich sofort ins Ohr ein und die Synthies erschaffen eine bedrohliche Atmosphäre. Ausgesprochen passend erklingt dazu Eikes wutentbrannte Stimme, und untypisch für Death Metal animiert der Refrain sogar richtig zum Mitsingen. Zudem fallen die melodischen Gitarrenläufe auf, die in einem irren, aber eingängigen Solo ihren Höhepunkt finden. Ein toller Opener.

Mit „Daily Combat“ geht’s in die nächste Runde, dieser Song wirkt eine ganze Ecke rotziger und gedroschener. André an der Schießbude macht recht gut Tempo, aber auch schleppende Parts vor dem – abermals sehr markanten – Chorus sind in seinem Repertoire. Nach der ersten Hälfte setzen nun etwas ruhigere Gitarrenklänge ein, um sich gleich darauf mit einem flotten Solo wieder auf das Anfangslevel zu befördern. Zum Schluss wird noch einmal aufs Gaspedal gedrückt, dann ist Schluss, und „Know Me Strong“ erklingt.
Mit Uptempo beginnt der Track, bald schaltet er jedoch einige Gänge runter, und besonders die klar gesungene Bridge schafft eine drückende Spannung, die im Refrain, der wieder mit Doublebass deutlich schneller verläuft, mündet. Das Solo versprüht wieder eine für dieses Album typische Kälte, die auch von den quälenden Gesangsparts getragen wird. Der ganze Hass, der aus den Lyrics zu entnehmen ist, findet im Schlussrefrain auch wieder knüppelnde instrumentale Unterstützung.

„Suicide Crew“ verspricht einen echten Thrasher, hat aber auch ruhigere, von bösartigen Synthies unterstützte Stellen. Der Refrain ist live ein echter Mitgröler (ich bin selbst dreimaliger Zeuge) und ein sehr Old School-mäßiges Solo betont die Rockigkeit dieses kurzen Songs. Simpel gestrickt, aber haut saftig rein.
Die SVV-Hymne „Cut The Flesh“ scheint mal wieder eine Highspeed-Nummer zu werden, nach einer halben Minute erlebt der Song aber ein erstes geniales Break, und die erste Strophe wird von Midtempo begleitet. Der Riff schneidet sich ins Gedächtnis wie ein Messer ins Fleisch, sehr gänsehautlastig. Nach einem abgefahrenen, schnellen Solo wiederholt Eike mit schmerzverzerrter, gepresster Stimme die erste Strophe, was erneut für Anspannung sorgt. Abschließen tut „Cut The Flesh“ nach dem folgenden Refrain. Für mich ist dies einer der wahren Spitzenreiter dieses Albums und der ganzen Bandgeschichte.

Nun ist „The Return“ angesagt. Fix und düster brettern die Jungs los, bis auf den besonders gekeiften Refrain mit zusätzlichen cleanen Vocals fällt hier aber keine Besonderheit sehr ins Gewicht. Es zeigt sich ein eher unspektakulärer, aber keineswegs schlechter Song, der nur nicht ganz so wie der sehr gute Rest in Erinnerung bleibt.Dagegen ist das folgende Lied „Last Words“ wieder eine wirkliche Granate. Allmählich baut sich das zarte, zerbrechliche Gitarrenspiel am Anfang zu einem echten Banger auf. Wer die Suicide Crew schon Live gesehen hat, kennt die Wirkung dieses Tracks, der spätestens nach 30 Sekunden für Ausraster sorgt. Zwischenzeitliches Doublebass steigert die Extase, ein geniales Break vorm Refrain tut sein Übriges. Dieser Song ist thematisch absolut sinnbildlich für die Texte von Dark Age, finstere Verzweiflung wird von Eike sehr glaubwürdig rübergebracht.

Vor Jörns frostigem Solo ist noch einmal kurz eine ruhige Phase, ähnlich wie am Anfang. Das Solo selbst nimmt an Tempo und Höhe immer mehr zu und zeigt eine sehr durchdringende Wirkung. So zart, wie der Song begonnen hat, klingt er auch wieder aus, man spürt den Tod in Mark und Bein. Wirklich eines der besten Stücke von Dark Age.„Now Or Never“ rockt gemächlich los, der Riff erinnert ein wenig an „Storm“ vom ersten Album. Inhaltlich handelt es sich hierbei um den am wenigsten depressiven Song, eine Art Hoffnungsschimmer und Aufbruchstimmung ist zu spüren. Das Midtempo der Strophen wird im Refrain durch Doublebass ersetzt, was auch das Solo unterlegt. Durch die in erster Linie textlich etwas andere Stimmung hebt sich dieses Lied ein wenig vom Rest ab, ansonsten ist „Now Or Never“ auf gewohnt hohem Niveau ohne große Besonderheiten.Der letzte Track „We Who Suffer“ beginnt ähnlich wie „Last Words“ mit einem einzelnen Sechssaiter, ist aber nicht ganz so düster geraten. Etwas schleppender als die restlichen Songs klingt das Album aus. Was am Ehesten noch auffällt, ist die schöne, beinahe entspannende Mitte, ruhig, getragen und von den für dieses Album typischen Chor-ähnlichen Keys unterstützt. Dieser Part findet zum Schluss noch einmal eine Fortsetzung, sehr passend zum Ausklang.
Der Bonustrack ist eine beinahe obligatorische Coverversion, „Hells Bells“ von AC/DC musste hinhalten. Auf Live gemacht erschallt die tiefergelegte Variante mit fettem Doublebass und starken Growls. Eine nette Dreingabe, die auch auf Konzerten jedes Mal wieder gefordert wird.

Als Fazit kann ich festhalten, dass dies für mich das beste Album der Bandgeschichte ist. Kein einziger Schwachpunkt offenbart sich, jeder Song kann wirklich überzeugen. Die düstere, wütende und verzweifelte Grundstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die Tracks, ohne dass sich ernsthafte Wiederholungen bemerkbar machen oder ein Lied wie das andere klingt. Für Abwechslung innerhalb der Lieder sorgen allein schon die zahlreichen Tempowechsel des begnadeten Schlagzeugers André, jedes Break wirkt richtig platziert und sorgt dennoch für Überraschungen.
Eine musikalische Weiterentwicklung gegenüber dem ebenfalls starken Vorgänger „Insurrection“ lässt sich allein schon an der gesteigerten Finsternis innerhalb der Songs durch Martins bedrückendes und charakteristisches Keyboardspiel festmachen. Es gelingt dabei eine Gratwanderung zwischen atmosphärischen Tiefgang und instrumentaler Authenzität.
Die Produktion ist auch über jeden Zweifel erhaben, trotz der ausgesprochen kurzen Aufnahmezeit von zwei Wochen hört sich hier alles sehr kraftvoll und passend an.Aus schlichtem Mangel an Schwächen und jeder Mänge Stärken vergebe ich hiermit die Höchstnote für ein Meisterwerk des Dark Metals.

Bewertung: 10 / 10

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