CD-Review: Deicide - To Hell With God

Besetzung

Glen Benton – Gesang, Bass
Jack Owen – Gitarre
Ralph Santolla – Gitarre
Steve Asheim – Schlagzeug

Tracklist

01. To Hell With God
02. Save Your
03. Witness Of Death
04. Conviction
05. Empowered By Blasphemy
06. Angels Of Hell
07. Hang In Agony Until You're Dead
08. Servant Of The Enemy
09. Into The Darkness You Go
10. How Can You Call Yourself A God


Zu den sympathischsten Größen im internationalen Death Metal gehören Glen Benton und Steve Asheim nicht unbedingt, mit DEICIDE sind sie trotzdem jedem ein Name. Die größten Erfolge konnte die Band aus Tampa, Florida, in den ’90er Jahren feiern, alle nachfolgenden Alben wurden teilweise mit äußerst gemischten Gefühlen aufgenommen. Trotzdem wurde nun mit „To Hell With God“ das bereits 10 Album der US-Amerikaner veröffentlicht.

Tatsächlich muss der Hörer gleich zu Beginn aufpassen, nicht einem raffinierten kleinen Trick aufzusitzen. Schon mit ihrem Opener und Titeltrack „To Hell With God“ geben sich DEICIDE zwar äußerst technisch und komplex – sind es im Grunde aber eigentlich gar nicht. Spitzt man die Lauscher wird man relativ schnell feststellen, dass einzelne Gitarrenthemen teilweise zwar stark variiert zum besten gegeben werden, sich im Kern aber ähneln. Technischer macht es die Scheibe damit nicht unbedingt, hörenswert aber auf jeden Fall.
Geknüppelt wird bei Nummern wie „Save Your“ zwar nach wie vor, allerdings wird die Abwechslung anno 2011 überraschend groß geschrieben. Die Gitarren bestimmten das Geschehen mit wuchtigen Hooklines aus dem Hintergrund heraus, während sie bei „Witness Of Death“ wieder merklich in den Vordergrund rücken, angefeuert immer mal wieder durch wuchtige und verdammt düstere Soli.
Ralph Santolla – der laut Schlagzeuger und Hauptsongschreiber Asheim wegen seines gleichzeitigen Engagements bei Obituary immer noch kein festes Mitglied der Band ist – harmoniert perfekt mit seinem Kollegen Jack Owen, der nun bereits seit sieben Jahren mit von der Partie ist. Auffällig ist nicht zuletzt auch, dass Asheim sein Schlagzeugspiel verändert hat und Blast Beats nur noch dann einsetzt, wenn sie in die Songstruktur passen – anstatt sie über Blast Beats zu definieren. Der Hörer dankt es ihm, denn durch das akzentuierte und auf den Punkt gebrachte Drumming gewinnt die gesamte Scheibe an Abwechslung und nimmt wesentlich effektiver und wesentlich schneller Fahrt auf als noch ihre Vorgänger.
Frontmann und Bassist Glen Benton lässt mit seinen bitterbösen und genau so intensiven Growls nach wie vor keinen Stein auf dem anderen – an dieser Front hat sich also wenig verändert. Alles, was mit Religion, Gott, Glauben oder der Kirche zu tun hat, bekommt nach wie vor die blasphemische Keule über den Kopf gezogen – wenn vielleicht auch etwas heftiger als zuletzt. Und so ist es letztendlich die Instrumentalfraktion, die dem neuen Silberling das größte Maß an Abwechslung verpasst und am meisten für Überraschung sucht. Dabei liegt beides nicht in irgendwelchen gravierenden Änderungen, sondern resultiert eher daraus, dass sich DEICIDE allem Anschein nach auf ihre eigentlichen Stärken – nämlich die einzelnen musikalischen gleich spielerischen Qualitäten – besonnen und endlich geschafft haben, dass alles unter einem Hut zu vereinbaren. Ein weiterer Pluspunkt ist die zeitgemäß moderne und gleichzeitig urige Produktion.

Das Dutzend ist bald voll und man durfte sich zurecht fragen, was DEICIDE eigentlich noch von sich geben wollten. „To Hell With God“ ist aber derart abwechslungsreich, dass man nicht umhin kommt, den Todesmetall-Recken auf ihre alten Tage nochmal richtig was zuzutrauen. Album Nummer 10 darf definitiv in keiner Death Metal-Sammlung fehlen und ist das beste, was DEICIDE seit „Legion“ auf den Markt gebracht haben. Klasse!

Bewertung: 9 / 10

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