CD-Review: Dornenreich - Durch den Traum

Besetzung

Eviga - Stimme, Gitarre

Gastmusiker:
Valnes - Synths, Gesang bei "II"
Michael Stein - Schlagzeug

Tracklist

01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V
06. VI
07. VII
08. VII
09. Ich bin ein Stern (Bonustrack)


„Hexenwind“ teilte die Hörerschar in zwei Lager, das Lager der Nicht-Sympathisanten wird auch hier nicht zufriedengestellt, doch das soll nicht kümmern. „Durch den Traum“ ist, je öfter man das Werk hört und es immer weiter ergründet, die haargenaue Weiterentwicklung des Stiles von DORNENREICH. Die Musik ist auf die Lyrik abgestimmt respektive umgekehrt. Das Cover hingegen kehrt zu alten Bildern zurück, zeigt jedoch auch hier, wofür die Band heute steht. Interpretationsraum bietet übrigens auch die beschrittene Entwicklung, welche Front- und Backcover aufzeigen. Interessant ist der Fakt, dass das Material hierauf vor „Hexenwind“ entstand, jedoch erst danach veröffentlicht wurde. Eine Erkenntnis des (damals noch) Duos?

Grundsätzlich haben Eviga und Valnes in „Hexenwind“ die Vorarbeit zu „Durch den Traum“ geleistet, weshalb den Hörer nun eine klanglich tiefere Reise zum Menschen selbst ermöglicht wird. Seine Gedankengänge, Gefühle und sein Innerstes selbst wird durch die Musik ausgedrückt. Es ist nur logisch, dass „Durch den Traum“ so erst einmal erschlossen werden will, dazu muss man sich die Zeit nehmen. So bietet die Musik nicht mehr diese hypnotisch ruhige Ausstrahlung, sondern ist deutlich facettenreicher, lebhafter. Eviga schafft schon erstaunliches, diverse Akustikinstrumente harmonieren mit seinem vielseitigen Gesang und bilden so etwas viel atmosphärerisches, tristeres und intensiveres als viele handelsübliche Bands. Melodiebögen führen ganze Gefühlsverkettungen und –entwicklungen aus, sie streben und formen nach und nach das Gesamtwerk. Einzelne Lieder nur so zu hören, das mag ja ganz nett sein, doch wer einmal das Album in voller Länge gehört hat, der wird das sicherlich nicht mehr tun, zwischen den Erlebniswelten liegen eben Welten. Tatsächlich entsteht vor dem inneren Auge des Hörers eine immer konturenreichere Replik der auditiven Wahrnehmung, man versinkt in „Durch den Traum“, nimmt den Albentitel als Aufforderung wahr und handelt dementsprechend. So durchlebt man schaurig-schöne Gänsehautmomente, gefühlsträchtige Klänge, hinter denen sich mehr verbirgt, als sie preisgeben wollen. Oftmals nutzt man das Wort „perfekt“ zum Beschreiben eines Albums, fast genauso häufig ist es eigentlich fehl am Platze. „Durch den Traum“ steht es jedoch ziemlich gut. Das letzte Lied des Albums klingt übrigens wie das vertonte Resümee aller Dornenreich-Werke und die daraus resultierende Erkenntnis.

Wenn ich ein Schlagwort nennen müsste oder einen Begriff, um die Entwicklung DORNENREICHs in Worte zu fassen, so würde ich Transzendentalität auswählen. Hier ist Musik Kunst und Kunst ist immer etwas, was nicht von jedem verstanden wird und vor allem viel diskutiert wird, Kontroverse bedeutet. Der Kreis schließt sich.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: