CD-Review: Dornenreich - Freiheit

Besetzung

Eviga – Gesang, Gitarre, Bass
Inve – Geige
Gilván – Schlagzeug

Tracklist

01. Im ersten aller Spiele
02. Von Kraft und Wunsch und jungen Federn
03. Des Meeres Atmen
04. Das Licht vertraut der Nacht
05. Aus Mut gewirkt
06. Im Fluss die Flammen
07. Traumestraum
08. Blume der Stille


Als DORNENREICH im Februar diesen Jahres ihren (zumindest vorläufigen) Abschied verkündeten, machten sie daraus keine große Sache: Viele Kreise schließen sich mit diesem Album und so fühlt sich ‚Freiheit‘ im Moment auch an wie ein Abschied, hieß es in dem Statement, das ein weiteres Album nicht kategorisch ausschloss und weitere Konzerte explizit ankündigte. Und doch kann man der Meldung eine gewisse Tragweite nicht absprechen – schließlich gehören DORNENREICH seit nunmehr 18 Jahren zu den absoluten Szene-Konstanten: Acht Alben veröffentlichten die Österreicher in dieser Zeit, an denen man vieles lieben, vielleicht auch so manches kritisieren konnte – die aber alle eines gemeinsam hatten: Eine sehr persönliche, ehrliche und aufrichtige Atmosphäre. DORNENREICH blieben sich trotz einiger mal mehr, mal weniger drastischer Stilwechsel stets treu und veröffentlichten in all den Jahren kein Album, dem nicht anzuhören war, wie viele Emotionen, wie viel Hingabe den Songs innewohnten. Vor diesem Hintergrund betrachtet kommt der Abschied zwar vielleicht unerwartet – ist jedoch ebenso konsequent und ehrlich, wie es die Musik von DORNENREICH all die Jahre war.

Ein letztes Werk wollten DORNENREICH ihrer treuen Gefolgschaft noch anvertrauen: So bedeutungsschwanger wie inhaltsleer „Freiheit“ betitelt und mit einem Artwork verziert, das man in seiner Hässlichkeit allenfalls als Reminiszenz an die diesbezüglich ebenso misslungenen „Nectar“-Alben von Nocte Obducta durchgehen lassen könnte, stellt sich jedoch die Frage, ob hier wirklich die Krönung des Schaffens dieser einmaligen Band zu erwarten ist, oder eher ein Werk, das erkennen lässt, warum Eviga nun erst einmal keine weiteren Alben aufnehmen möchte.

Die Antwort liegt, wie so oft, wohl irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Denn auch, wenn „Freiheit“ weit davon entfernt ist, dem Ruf der Band zu schaden, hätte man sich von einem letzten Album vielleicht doch etwas mehr erwartet, hätte man DORNENREICH zugetraut, dass sie sich mit einem Knall verabschieden – einem Album, das man so von DORNENREICH nicht erwartet hätte. Statt dessen schieben die Österreicher nach ihrer überraschend innovativen Rückkehr zum Metal mit „Flammentriebe“ nun ein Album nach, das zwar die letzten Jahre nett zusammenfasst, dem Gesamtwerk jedoch nichts Neues mehr hinzufügt: So plagiieren DORNENREICH bereits im Opener „Im ersten aller Spiele“, sowie dem folgenden „Von Kraft und Wunsch und jungen Federn“ derart unverhohlen, dass man sogleich versucht ist, ihnen den Dr.-Titel abzuerkennen – wären es nicht ihre eigenen Songs, die sie hier eifrig zu Rate ziehen. Schlecht macht das die Stücke zwar nicht, jedoch eher intuitiv denn innovativ.

Während zunächst mit Stimme, Gitarre und Geige eher der letzten Schaffensperiode Tribut gezollt wird, greift „Das Licht vertraut der Nacht“ schließlich mit massivem Einsatz verzerrter E-Gitarren auch die aggressivere Grundstimmung von „Flammentriebe“ nochmals auf. Verlernt hat Eviga, was das Komponieren angeht, bei alldem freilich nichts. So bringt gerade „Im Fluß die Flammen“ nochmals auf den Punkt, warum man diese Band einfach lieben muss: Melodie, Melancholie, Gänsehaut-Atmosphäre – der Song hat alles, was man sich von einem DORNENREICH-Stück nur erwarten kann. Und doch mischt sich etwas Ratlosigkeit in die Stille, die auf „Blume der Stille“ folgt.

Mit „Freiheit“ legen DORNENREICH ein Album vor, wie es typischer kaum sein könnte: Von der ersten bis zur letzten Minute bekommt man DORNENREICH in Reinkultur geboten – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ist man sich dessen bewusst, kann man als Fan der letzten vier Studioalben absolut bedenkenlos zugreifen. Wer jedoch bereits diese Werke hinsichtlich des Songwritings als zu repetitiv empfand, kann sich die Investition in diesen Silberling wohl sparen – in einem neuen Licht wird er DORNENREICH auch nach dem Genuss dieses Albums nicht sehen.

Bewertung: 7.5 / 10

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7 Kommentare zu “Dornenreich – Freiheit”

  1. Sebastian Heiter

    Blubber blubber blubber…
    Geschmäcker sind unterschiedlich, das ist mir klar, aber wie man hier nichts neues finden kann, frag ich mich wirklich. Na ja, für mich ist „Freiheit“ die beste Dornenreich-Platte seit „Her von welken Nächten“. Ich würde als Redakteur die Wertungen von „Freiheit“ und „In Luft geritzt“ tauschen.

    Man lasse sich auf keinen Fall durch die „niedrige“ Wertung abschrecken.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Was wäre denn das Neue, das sich hier deiner Meinung nach finden lässt? “In Luft geritzt” war seinerzeit durch das Zusammenspiel von Geige und Gitarre einzigartig und innovativ – Freiheit führt diesen, sowie die anderen Gedanken der letzten vier Alben einfach nochmal aus. Gut, aber eben ohne dem Gesamtbild ein neues stilistisches Element hinzuzufügen.

  2. Yussuf

    Die wahre Frechheit besteht darin, Nocte Obductas Nektar-Alben als misslungen zu bezeichnen… und das von jemanden, der zum Erscheinungstag gerade mal 16 war…

    1. Moritz Grütz Post Author

      Siehe Kommentar von Kollege Bernhard: gemeint waren natürlich nicht die Alben, sondern deren Cover. Ich habe den Satz entsprechend angepasst.

  3. Bernhard Landkammer

    Da hat sich Moritz glaube ich missverständlich ausgedrückt, es geht nicht um die musikalische Qualität des Albums, sondern um das Cover – da sind Geschmäcker sicherlich verschieden, sowohl das Cover von Nocte als auch von Dornenreich sind meiner Meinung nach aber absolut uninspiriert und mit Photoshop innerhalb von ein paar Minuten selber gebastelt.

    Davon abgesehen sind 7.5 Punkte keine niedrige Wertung, wenn die Skala bis 10 geht.

  4. Yussuf

    „Sowohl das Cover von Nocte als auch von Dornenreich sind meiner Meinung nach aber absolut uninspiriert und mit Photoshop innerhalb von ein paar Minuten selber gebastelt.“
    A-ha, na dann sag das mal den tausenden Bands, die auch nur Naturfotos als Cover benutzen, bzw. denen, deren unrealistische Gestaltung zu 100% aus’m Photoshop kommt. Ich finde ja nicht, dass die Natur uninspirierend ist, war es doch von Anfang an ein Element dornenreich’scher Musik. Jede andere Art von Cover wäre ein Fausschlag ins Gesicht der Fans.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Das ist nun ja mal einfach ausgemachter Blödsinn, schließlich waren die letzten Artworks bisher (von „Nicht um zu sterben“ abgesehen) qualitativ hochwertige, vor allem aber einzigartige Kunstwerke. Es geht ja nicht um das Motiv an sich, sondern darum, dass ein 08/15-Postkartenmotiv-Sonnenuntergang vom künstlerischen Anspruch her nicht mit einem Gemälde zu vergleichen ist – egal, wie schön man jedes für sich genommen findet. Insofern muss ich dir aber wieder zustimmen: Ja, es gibt unmengen uninspirierter, und damit schlechter Artworks – auch (oder gerade) im Bereich der ach so stimmungsvollen Naturphotographie. Dass es auch hier Gegenbeispiele gibt, will ich damit übrigens nicht bestreiten.

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