Review Dying Fetus – Descend Into Depravity

Die Death Metal – Recken von DYING FETUS sind wohl eine der bereits am längsten bestehenden Bands, die momentan noch im Metalbereich mitmischen. Bereits seit 1990 sind John Gallagher und Co. im Geschäft aktiv, und beweisen mit „Descend Into Depravity“, ihrem mittlerweile achten Studioalbum (schließt man die Re-Issue von „Killing On Adrenaline“ mit ein) eindrucksvoll, dass sie auch nach 20 Jahren nicht an Können und Spielfreude eingebüßt haben.

John Gallagher legt immer noch ein Wahnsinns-Lead nach dem anderen hin, Basser Sean Beasley grunzt sich zusammen mit ihm derart böse durch die acht Songs (stellenweise erinnert dieses Wechselspiel entfernt an die Kanadier von Despised Icon), dass selbst der Corpsegrinder neidisch werden könnte und der neue Schlagzeuger Trey Williams, der seit 2007 dabei ist, beherrscht von Blastbeats bis hin zu aberwitzigem Double-Bass-Geballer die ganze Palette. Für all diese Elemente ist bereits der Opener „Your Treachery Will Die With You“ exemplarisch: Ein eher gemächlicher Beginn geht hier in einen temporeichen und extrem fetten Mittelpart mit Slams über, der von Beasleys Grunts dominiert wird – das ist während den walzenden Grooves von DYING FETUS meist der Fall, und sicher kein Zufall, denn seine Vocals lassen diese meist noch brutaler erscheinen – bevor Gallagher ein Solo hinzaubert, das sich gewaschen hat. „Conceived Into Enslavement“ ist ein weiteres gutes Beispiel für heftigste Slam-Action: Wer sich hier keine Nackenmuskeln zerrt, kann kein Metaller sein. Die Art und Weise, wie DYING FETUS von diesen Parts dann aber wieder in abgefahrene Highspeed-Instrumentals überleiten, ist wahrlich hervorragend. Und nicht vergessen darf man, dass die Herren Gallagher, Beasley und Williams trotz allem Gegrunze, Geblaste und Geschredder es verstehen, ihre Ideen songdienlich zu verpacken. So hinterlässt einen „Descend Into Depravity“ nicht mit zehn mal so vielen Gehirnwindungen wie zuvor, sondern bleibt zu jeder Zeit musikalisch nachvollziehbar und geht in ein paar wenigen Momenten auch straight ins Ohr (Beispielsweise bei den Riffs, die „Ethos Of Coercion“ und den Titeltrack eröffnen).

DYING FETUS können von mir aus in dieser Form noch weitere 20 Jahre Death Metal spielen: Anders als beispielsweise die Kollegen von Cannibal Corpse schaffen sie es, nicht nur durch Provokation, sondern einfach durch richtig guten Death Metal, der auch nicht unnötig „modern“ daherkommt – obgleich „Descend Into Depravity“ ziemlich dick produziert ist – aufzufallen. Dass das aktuelle Werk nur 32 Minuten umfasst, ist dabei angesichts seiner geballten Power nicht weiter schlimm. Ein Blick ins CD-Booklet lohnt sich bei den sterbenden Föten ebenso, weil sich ihre Texte nicht um die Schlachtplatte vom Vorabend, sondern um gesellschaftliche und politische Themen drehen.

Wertung: 8 / 10

Publiziert am von Pascal Stieler

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