Review Eridu – Enuma Elish

  • Label: Eigenproduktion
  • Veröffentlicht: 2023
  • Spielart: Death Metal

Vier Jahre nach ihrem Debüt “Lugalbanda” veröffentlichen die Münchner ERIDU ihr zweites Album “Enuma Elish”. Auch das neue Werk der Band bietet orientalisch geprägten Extreme Metal, der sich mit der antiken Hochzivilisation im Zweistromland beschäftigt: Dabei ist das Album nicht nur nach dem babylonischen Schöpfungs-Mythos benannt, sondern auch konzeptionell darauf ausgerichtet.

Los geht es mit „Cosmogony“ einem klassischen Intro, das irgendwo zwischen Behemoth und Insomnium mit mächtig Pathos, aber auch filigranen Cleangitarren gelungen Spannung aufbaut. Nur wenige Augenblicke später ist man mitten im reißenden Titeltrack: Ein leichter Einschlag von „Armada“ (Keep Of Kalessin) mischt sich zu den bereits erwähnten, im Intro angeklungenen Bands – das Ergebnis ist ein melodischer Song, der gerade in der zweiten Hälfte mit ausschweifenden Melodien und gebetsartigen Chören eine starke Atmosphäre kreiert. In den folgenden Songs wird es merklich Riff-orientierter und auch härter, dahingehend stellenweise (auch in der Art der Growls) vergleichbar mit Behemoth„Apostasy“ – ERIDU bleiben aber zugleich vielschichtig: Melodiereiche Basslines, kreatives Drumming, umtriebige Leadgitarren und auch mal Frauengesang sorgen für viel Abwechslungsreichtum.

In der Albummitte haben ERIDU gleich zwei eher ruhige Nummern platziert – leider verliert das Album hier in der Folge etwas an Schwung. Die Midtempo-Nummer „Constructing The Realms Of Nebiru – Tafel V“ mit seinem pathetischen Sprechgesang sowie ein paar soloartige Leads hat nicht wirklich Songcharakter, ist für ein Interlude ist es mit vier Minuten aber fast etwas zu lang – zumal anschließend ein „echtes“ Interlude mit Trommeln, Wind und atmosphärischen Sounds folgt.

Sind die Zerrgitarren erst zurück, können ERIDU auch direkt wieder mitreißen: „Clay, Blood And Vengeance – Tafel VI“ begeistert mit deutlichem Melechesh-Einschlag. Dieser Vibe wird noch verstärkt, da auch der Gesang an Ashmedi erinnert und ERIDU auf orientalisch angehauchte Zusatzinstrumentiertung (Saiteninstrumente und Percussions) zurückgreifen. „The 50 Names Of Marduk – Tafel VII“ hat mit seinem groovigen Riffing, verstärkt durch subtile Percussions, mächtig Schub. Und stilistisch irgendwo zwischen Rotting Christ und Insomnium einzusortieren, führt „Let Them Call On His Name“ führt das Album melodisch und mit nur wenig pathetischem Sprechgesang dem Ende entgegen. Dass der Song nicht mehr wirklich Fahrt aufnimmt und nach zweieinhalb Minuten für eine weitere Minute nur noch Outro-Sound bietet, ist ein wenig schade, hat man diese Songstruktur doch eben erst so ähnlich zu hören bekommen; mit deutlich mehr Wums wäre das vorangegangene „The 50 Names Of Marduk“ eigentlich der wuchtigere Rausschmeißer gewesen.

Musikalisch wie auch konzeptionell nicht so recht passen will das unbetitelte Schlussstück – komponiert und gespielt vom Metal-Pianisten Alphatraz: War das gesamte Werk bis dahin tendenziell orientalisch unterlegt, gibt es nun für dreieinhalb Minuten ein durchaus hübsches, aber eben auch ziemlich okzidental anmutendes Klavierstück zu hören. Aber wer sich daran stört, kann diesen Track ja auch einfach ausssparen und wieder zum Anfang springen.

„Enuma Elish“ ist im guten wie im schlechten ein typisches zweites Album: ERIDU präsentieren sich als Musiker gereift, als Komponisten stellenweise aber etwas überambitioniert. So ist ERIDU ist ein komplexes Album gelungen, das technisch über jeden Zweifel erhaben ist und in den einzelnen Songs überzeugender daherkommt als sein Vorgänger. Als Gesamtwerk hat „Enuma Elish“ atmosphärisch aber leider zwei Durchhänger: Mit nur einem ruhigen Song in der Mitte wäre der Schwung aus Hälfte eins nicht komplett verloren gegangen. Gegen Ende verlieren ERIDU dann etwas den Faden – hier hätte es sich angeboten, das Album um einen Track und das überflüssige Outro zu kürzen. Dann wäre „Enuma Elish“ wohl noch etwas kurzweiliger und prägnanter ausgefallen. Auch so brauchen sich ERIDU mit diesem Werk aber nicht vor Szenegrößen wie den genannten Bands verstecken: Wenn die Münchner ihre komplexen Arrangements auch live adäquat umgesetzt bekommen, könnten sie es noch weit bringen.

Du willst mehr über die sumerische Mythologie in den Songtexten erfahren?
Lies hier unser Track-by-Track-Special mit Erklärungen von Bandchef Enki.

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Wertung: 8 / 10

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