CD-Review: Behemoth - The Apostasy

Besetzung

Adam Michal "Nergal“ Darski - Gesang, Gitarre
Patryk Dominik "Seth“ Sztyber - Gitarre
Tomasz "Orion“ Wroblewski - Bass
Zbigniew Robert "Inferno“ Prominski - Schlagzeug

Gastmusiker:
Warrel Dane - Gesang
Leszek Mozdzer - Piano

Tracklist

01. Rome 64 C.E.
02. Slaying The Prophets Ov Isa
03. Prometherion
04. At The Left Hand Ov God
05. Kriegsphilosophie
06. Be Without Fear
07. Arcana Hereticae
08. Inner Sanctum
09. Libertheme
10. Pazuzu
11. Christgrinding Avenue


Spätestens mit dem 2004er-Werk „Demigod“ zogen BEHEMOTH hohen Hauptes an der Konkurrenz vorbei – zurecht. Die letzte Langspielplatte des polnischen Vierers war eine Granate sondergleichen, brutal, technisch und dennoch eingängig. Umso größer war die Spannung auf „The Apostasy“: Die Messlatte hängt hoch. Und eines kann man vorwegnehmen: „The Apostasy“ ist ein Death Metal Werk geworden, das ein Wegweiser für zahlreiche Bands werden könnte.

Ein Blick auf das Artwork verrät: BEHEMOTH behandeln neben antichristlichen Themen noch immer gerne die etwas anderen Thematiken, hier ist eine Kreatur aus dem Buddhismus abgebildet. Auch musikalisch zeichnen sich diese Einflüsse ab, wie immer verwendet die Gruppe orientalische Tonleitern und Schemen, baut diese Eigenschaft, die besonders auf „Demigod“ sehr zur Geltung kam, stark aus. Sehr stimmig beweist schon das Intro, dass sich BEHEMOTH zweifellos entwickelt haben. Die Produktion etwas basslastiger als zuvor, alles in allem aber perfekt. Und die symphonischen Blasinstrumente gehen nahtlos in die Musik über.

Richtig los geht es dann mit einem Drumwirbel und kurzer Blasteinlage, bevor „Slaying The Prophets Ov Isa“ das Album einleitet. Hier entfaltet sich die Produktion vollkommen, das Schlagzeug donnert schneller und abwechslungsreicher denn je, die Gitarren tönen dumpf und doch klar und Nergals Stimme überzeugt auf voller Länge, denn hier wurde nur noch mit einer Vocalspur gearbeitet, da sich Fronter Nergal stimmlich wieder in besserer Verfassung befand als auf „Demigod“. Auch Synthesizer kommen nicht zu kurz, gegen Ende bekommt der Song eine schleppend apokalyptische Stimmung, die von einem flotten Solo wieder unterbrochen wird. „Prometherion“ weiß ebenfalls durchweg zu überzeugen: Besonders die Leadparts bei knapp einer Minute brennen sich im Gehör fest und sogar ein gewisser Groove ist nicht von der Hand zu weisen.

Auch im etwas langsameren Tempo fühlt man sich durchaus wohl, „At The Left Hand Ov God“ ist durchweg eher im mittleren Tempo angesiedelt, auch hier reißt jedes einzelne Riff, Lick und Lead einfach nur mit, besonders das genial gestaltete Outro ist sehr interessant. Mit „Kriegsphilosophie“ ist diesmal sogar ein deutsch betitelter Song vorhanden, sichtlich scheint die deutsche Sprache von Metalbands nur allzu gerne für pompöse, machtvolle Songs verwendet zu werden. Doch jetzt noch jeden einzelnen Song zu besprechen wäre überflüssig, Erwähnung sollten aber unbedingt noch das eingängige „Libertheme“ und besonders wohl „Inner Sanctum“, das Aushängeschild dieses Albums, finden.

Für den letzteren Song schreckten BEHEMOTH nicht davor zurück, den wohl erfolgreichsten Jazzpianisten Polens, Leszek Mozdzer zu engagieren. Allzu groß ist sein Auftritt leider nicht, man hätte sich hier vielleicht eine kleine Demonstration seiner Virtuosität gewünscht, statt dessen geht er eher bescheiden zu Werke, was der Atmosphäre des Songs jedoch keinerlei Abbruch tut. Als wäre das noch nicht genug, hat man auch noch Nevermore-Sänger Warrel Dane an Bord geholt. „Nevermore und Behemoth?!“ werden sich hier einige fragen. Unglaublich aber, wie perfekt dies zusammenpasst: Jeder sollte sich hiervon selbst ein Bild machen.

Was kann man zu so einer Scheibe noch sagen? Gewöhnungsbedürftig, wegweisend, genial. Zwar passt hier auf den ersten Blick noch nicht alles, doch bekanntlich ist der erste Eindruck nicht alles. Nach zahlreichen Hördurchgängen erschließt sich irgendwann die unanfechtbare Genialität von „The Apostasy“: Die Riffs sind durchdacht und abwechslungsreich, die Leads sehr gut durchkomponiert und -arrangiert, das Schlagzeug ballert sich druckvoll und mehr als nur präzise durch die Songs, die symphonischen Passagen fließen perfekt in die Melange mit ein, das optische Design ist ein weiteres Mal mehr als gelungen. Hier stimmt einfach alles.

Bewertung: 10 / 10

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