CD-Review: Excrementory Grindfuckers - Headliner der Herzen

Besetzung

Rufus – Gesang, Gitarre
H!m – Gesang
Rob – Gitarre, Gesang
Pempas – Bass
Christus – Schlagzeug

Tracklist

01. Wer Will Grindfuckers
02. Schnaps
03. Grindcore Blitz
04. Und Jetzt Schön Crack
05. Theo, wir fahrn in Puff
06. Schnick Schnack Schnuck
07. Schlussmachgrund
08. Geld oder Krise
09. Wohn-Haft
10. Du hast den Grindcore vergessen
11. Taschengeld
12. An meinen Nachbarn
13. Wheels Of Grindcore
14. Flummi, das Reh
15. A++
16. Heroin
17. Penispropeller
18. Hinnerk, der Grindfucker
19. Veganerweibchen
20. Bohemian Schnapsidee
21. Kranker als krank
22. ABC
23. Grindcore gibt es immer wieder
24. Gynäkologie
25. Viel zu cool
26. Schnitzel von gestern
27. Verzweiflung
28. Grindcore Vibes
29. Fäkalkardinal II: der Kot ist rot
30. Grindgym
31. Die schönste Frau der Welt
32. Sekundenschaf
33. Schnapsflash
34. Roadkill Barbecue
35. Das Grindcorelied
36. Hack Hack
37. Party in Moll
38.- 98. Übung zur progressiven Muskelrelaxation
99. Spur 99


…klimper … klimper… [Meeresrauschen]
„KUCK MA‘ DA OBEN! MÖWEN!!!“ RatatatatatatatatataGroooaaaAAAAAaaaaahh!!!
So (oder zumindest so ähnlich) beginnt das neue Werk der GRINDFUCKERS, „Headliner der Herzen“.
Ist der erste Schreck dann überwunden, der Scherbenhaufen der Kaffeetasse, die man überrascht hat fallen lassen, beseitigt und der schon jetzt Sturm klingelnde Nachbar halbwegs beruhigt („Ja, die Baustelle ist in meiner Wohnung… was? Mittagsruh…? ‚tschuldigung, versteh sie so schlecht, hier ist ein Lärm dass man meinen könnte… ja, weiß ich doch, dass sie genau deshalb anruf… ich kann sie aber beruhigen…ja – is gleich vorbei… nurnoch knappe 79:50 Minuten“), kann man sich also, um es kurz zu machen, endlich auf die Musik konzentrieren.

Und dafür wird es auch allerhöchste Zeit, will man nicht die Hälfte verpassen und dem Nachbarn somit zumuten, dem ersten Durchlauf gleich noch einen zweiten folgen zu lassen (wobei, warum eigentlich nicht… die Mittagsruhe ist in 80 Minuten sowieso vorbei). Denn auf „Hardliner der Herzen“ geht es, wie man es von den FUCKERS kennt, Schlag auf Schlag: 37 Songs erwarten den (hoffentlich) mit Humor und extremem Musikgeschmack ausgestatteten Hörer – wer glaubt, dass eines dieser beiden Attribute nicht zu 100% auf ihn zutrifft, sollte vielleicht besser erst garnicht zu einem solchen werden – ansonsten stehen ihm harte anderthalb Stunden (10Minuten After-Listening-Tinitus eingerechnet) bevor:
Mit Vollgas, (wie gewohnt teils gecoverten und teils eigenen) Melodien, sowie Texten, die zu einem Großteil derart schräg sind, dass man sich nur fragt, wer in welchem Geisteszustand auf soetwas kommt (an dieser Stelle seien exemplarisch „Penispropeller“ (relativ selbsterklärend) oder „Flummi, das Reh“, welcher einen Wildunfall aus den Perspektiven sämtlicher Beteiligter – Reh und LKW inclusive – erzählt, genannt) bieten die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS genau jene mehr oder weniger ausgewogene Mischung aus Fun und Grindcore, für die sie zu Recht berühmt und (nicht minder begründet) berüchtigt sind. Wer dieses Konzept schon früher langweilig oder nervig fand, wird so auch von „Headliner der Herzen“ nicht „enttäuscht“ sein und sich wunderbar über die bisweilen wirklich flachen Witze, das hirnlose Geballer oder die niveaulosen Proletentexte echauffieren können. Für alle anderen aber gilt: Bier aufmachen, Anlage aufdrehen und abfeiern… denn einen besseren Sound hierfür kann es eigentlich kaum geben.
Gerade die Texte sind auch für mich anfangs mitunter eine gewisse Herausforderung….erfordert es doch zugegebenermaßen eine gewisse Überwindung, Verse wie „Wir ham die Taschen voller Geld, den Bauch voller Schnaps, wir fahren in den Puff, Schalalala, Schalalala“ abzufeiern… spielen diese doch zweifelsohne in der gleichen Liga mit „Partyhits“ wie dem unsäglichen „Das geht ab (Wir feiern die ganze Nacht)“. Ist man sich jedoch schließlich mit sich selbst einig geworden, dass man ein GRINDFUCKERS-Lied immer feiern darf, egal, wie proletenhaft es anmutet, da es schließlich von den GRINDFUCKERS ist, ist die letzte Prinzipienhürde vor der Party des Jahres genommen…

Damit der Muskelkater vom Headbangen und Moshen im heimischen Wohnzimmer am nächsten Morgen trotzdem nicht all zu schlimm ausfällt, liefern die GRINDFUCKERS mit dem helgeschneideresken „How to Grind 4 Health“ sowie der in 61 Vier-Sekunden-Tracks aufgespaltenen „Übung zur progressiven Muskelrelaxation“ gleich noch die passende Workout- und Meditations-Anleitung für den gesundheitsbewussten Grindcoreler mit… es ist also, man kann es nicht sagen, wirklich für alles gesorgt.
Ein Album mit 37 Songs, von denen kein einziger schwächelt, wäre wohl das achte Weltwunder… insofern hat natürlich auch „Headliner der Herzen“ einige Durchhänger. Diese sind allerdings so geschmacksabhängig, dass man auf die Frage, wo diese denn lägen, von zehn Leuten wohl zehndreiviertel Meinungen zu hören bekommen würde – und damit kann ein Künstler doch wahrlich zufrieden sein.

Bewertung: 9 / 10

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