CD-Review: The Flower Kings - Desolation Rose

Besetzung

Roine Stolt – Gesang, Gitarre, Keyboards
Hasse Fröberg – Gesang, Gitarre
Jonas Reingold – Bass, Gesang
Felix Lehrmann – Drumkit & Percussion
Tomas Bodin – Piano, Keyboards

Tracklist

01. Tower ONE
02. Sleeping Bones
03. Desolation Road
04. White Tuxedos
05. The Resurrected Judas
06. Silent Masses
07. Last Carnivor
08. Dark Fascist Skies
09. Blood Of Eden
10. Silent Graveyards


Nach dem Ende ihrer fünfjährigen Pause sind die FLOWER KINGS scheinbar genauso fleißig wie vor ihrer Auszeit: Denn auf das gelungene Comeback-Album „Banks Of Eden“ folgt nun „Desolation Rose“ – ein lyrisch recht düsteres Werk, das sich mit der Gier, Angst und Ignoranz der Menschheit beschäftigt. Diese drei Eigenschaften sind es, die nach Ansicht der schwedischen Progrocker dazu führen, dass wir zwar immerzu versuchen, ein „Paradies“ zu erschaffen, letztendlich aber daran scheitern.

Musikalisch geht es allerdings nicht so düster zu: „Desolation Rose“ ist ein typisches FLOWER-KINGS-Album. Nach wie vor präsentieren uns Roine Stolt & Co. melodischen, symphonischen Retroprog mit versierter Instrumentalarbeit. Der Behauptung des Promozettels, es sei das „vielleicht vielfältigste“ Album der Band, möchte ich jedoch vehement widersprechen. Ebenso gehören die FLOWER KINGS nicht mehr zum „pulsierenden Herzen der modernen Progressive-Rock-Szene“. Frische Impulse für die Szene kommen heute von Bands wie Haken, Leprous oder Jolly. Die Blumenkönige hingegen stagnieren. Mehr noch: Sie entwickeln sich zurück – die Zeit experimentierfreudiger und Genre sprengender Doppelalben wie „Unfold The Future“ oder kompositorischer Meisterwerke wie „Space Revolver“ ist eindeutig vorbei.

Auf „Desolation Rose“ gibt es keinen Jazz, keinen kernigen Hardrock, keine verspielte Märchenatmosphäre, ja nicht einmal übertrieben breit zelebrierte Epik. Genau wie schon auf „Banks Of Eden“ präsentieren die Schweden hier eine Art Konzentrat ihres Sounds. Ohne halbgare Ideen, aber auch ohne Überraschungsmomente. Angeblich haben sie dieses Mal mehr denn je gemeinsam geschrieben und eingespielt; bemerkbar macht sich das leider nicht. Statt einer Kreativ-Explosion beschert uns die Platte den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Beteiligten: Erstaunlich gleichförmigen, glatten und seichten Sympho-Prog, der völlig widerstandslos ins Ohr geht. Leichte Unterhaltung zum Nebenbeihören, Wohlfühlen und sich berieseln lassen – und das entspricht sicher nicht dem Anspruch der Band.

Was klingt wie ein absolut vernichtendes Urteil, hat aber auch seine positiven Seiten: Nie waren die FLOWER KINGS greifbarer, kompakter und stimmiger. Hier passt einfach alles zusammen, nichts wird durch Stilbrüche auseinandergerissen. Viele ältere Alben der Band waren zu zerfahren, unfokussiert und mit Spielzeiten jenseits der 150 Minuten viel zu lang. Neben einigen Highlights gab es auch immer Verzichtbares. Jetzt muss man nichts mehr skippen: „Desolation Rose“ unterhält eine Stunde lang sehr gut und unkompliziert. Wem das nicht reicht, der findet auf der Bonus-CD der Limited Edition noch acht weitere Songs – und vielleicht auch die Experimentierfreude, Vitalität und Kreativität, die der Haupt-CD fehlt.

Ein zahnloses Album einer Band, die es sich in ihrer eigenen Nische zu gemütlich gemacht hat. Paradox, dass genau hierin die Stärke und Daseinsberechtigung der Platte liegt.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: