CD-Review: The Flower Kings - Islands

Besetzung

Roine Stolt – Gesang, Gitarre, Ukulele, Keyboards
Hasse Fröberg – Gesang, Akustikgitarre
Jonas Reingold – Bass, Akustikgitarre
Mirko DeMaio – Schlagzeug, Perkussion
Zach Kamins – Piano, Orgel, Synthesizer, Mellotron, Orchestrierung

Gastmusiker:
Rob Townsend – Saxofon

Tracklist

CD 1:
01. Racing With Blinders On
02. From The Ground
03. Black Swan
04. Morning News
05. Broken
06. Goodbye Outrage
07. Journeyman
08. Tangerine
09. Solaris
10. Heart Of The Valley
11. Man In A Two Peace Suit

CD 2:
01. All I Need Is Love
02. A New Species
03. Northern Lights
04. Hidden Angles
05. Serpentine
06. Looking For Answers
07. Telescope
08. Fool’s Gold
09. Between Hope & Fear
10. Islands


Um die Jahrtausendwende waren die FLOWER KINGS eine derjenigen Bands, die dem Prog neues Leben einhauchten. Porcupine Tree, Dream Theater und Spock’s Beard mögen noch populärer gewesen sein, aber spätestens mit ihrem Mammutwerk „Unfold The Future“ (2002) haben sich die Schweden einen Platz in den Prog-Annalen gesichert. Die Band hatte sich damit eine Messlatte gesetzt, die sie nie wieder erreichen konnte. Die Musik auf den späteren Platten wirkte lustlos und uninspiriert. Daran konnten auch längere Pausen und Besetzungswechsel nur wenig ändern.

Mit „Islands“ folgt nun ein weiterer Versuch, an alte Großtaten anzuknüpfen – und schon das Artwork sorgt in Prog-Kreisen für jede Menge Aufmerksamkeit und eine gewisse Erwartungshaltung. Es stammt von Roger Dean, der die Cover unzähliger Genre-Klassiker von Yes, Asia, Gentle Giant oder Uriah Heep veredelt hat. Kann die Musik auf „Islands“ diesem Vertrauensvorschuss gerecht werden?

Tatsächlich ist es den FLOWER KINGS diesmal gelungen, ein Doppelalbum ohne Totalausfälle aufzunehmen. Wer die Diskografie kennt, der weiß, dass die Konzentration aufs Wesentliche schon immer ein Problem der Combo war. Starke Songs gab es zuhauf, leider aber auch viele Langweiler. „Islands“ ist da anders: Es unterhält über 95 Minuten auf konstant hohem Niveau, ist fokussiert und gehaltvoll.

Zwei große Unterschiede gibt es zu den bisherigen Doppeldeckern: Zum einen sind die beiden Silberlinge nicht bis zum letzten Byte gefüllt, zum anderen haben die FLOWER KINGS fast gänzlich auf Longtracks verzichtet. „Solaris“ ist mit neuneinhalb Minuten die längste Nummer, der Rest bewegt sich fast ausnahmslos zwischen drei bis fünf Minuten. In der Kürze liegt bekanntlich die Würze, und das gilt auch für „Islands“. Die Band ist präsent, die Melodien sind stark und wachsen mit jedem Hördurchgang. Auch die Instrumentalpassagen bleiben schön kompakt. Gerade hier haben die Jungs in der Vergangenheit oft kein Ende gefunden und mittelprächtiges Material künstlich aufgeblasen. Also: Gutes Songwriting, tolle Produktion, starkes Artwork.

An das Niveau ihrer Vorzeigewerke kommt die Platte aber dennoch nicht heran: Hierzu fehlt es an den großen Ausrufezeichen, an einem gewissen Biss, an dem einen oder anderen Wachrüttler. Es gab Phasen in der Bandgeschichte, da kokettierten die Blumenkönige mit Hardrock und schrägem Jazz, und das sorgte für Dynamik und Widerhaken in ihrem ansonsten perfekt ausformulierten Wohlfühl-Sound.

Auf „Islands“ bleibt die Band in ihrer Komfortzone, das Boot bleibt am Steg angeleint. Die FLOWER KINGS machen lieber ein Lagerfeuer am Strand als Fahrten hinaus auf die raue See. Musikalisch heißt das: So poppig waren die Schweden noch nie. Mancher Retroprogger mag daher Songs wie „Morning News“ oder „From The Ground“ belanglos und seicht finden. Das kommt auf die Sichtweise an: Auch leichtfüßig, entspannt oder luftig sind zutreffende Adjektive. Interessant, dass die Band gerade diese beiden Tracks vorab ausgekoppelt hat. „Islands“ ist also, trotz Cover von Roger Dean, kein Sympho-Prog-Overkill – und auch kein Meisterwerk. Ist das schlimm? Nein. Auch ohne 25-minütige Epen ist es das beste Werk der Gruppe seit „Unfold The Future“.

Anspieltipps: „Racing With Blinders On“, „Tangerine“, „Northern Lights“, „Telescope“

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Bewertung: 8 / 10

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