Review Gåte – Sigil

  • Label: Season Of Mist
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart:

Schon seit 1998 machen GÅTE die Szene traditionell folkloristischer Klänge unsicher. Über die Dauer wurden auch satte Rock- und Metal-Riffs sowie flächige Synthesizer und die ein oder andere Note elektronischer Musik Bestandteil des Klangkonzeptes der Band. Zuletzt eindrucksvoll belegt mit dem großartigen „Ulveham“, hat die Formation aus Trondheim nun den nächsten Sprung gewagt. Und zwar zu SEASON OF MIST, einem überaus renommierten Label, wenn es um schwere Riffs einerseits und Nordic Folk auf der anderen Seite geht. Wie man das am besten krönt? Natürlich mit einem neuen Album.

Meist bedeutet ein anderes Label auch in gewisser Weise einen „anderen“ Sound. Und wo wir gerade bei dem breiten Feld des Nordic-Folk-Metiers waren – genau dem haben sich GÅTE wieder stärker angenähert. So erinnert der Neuling „Sigil“ in seiner Grundstimmung eher an Stücke wie „Solfager Og Ormekongen“, denn an rifflastige Songs der Marke „Ulveham“.

Direkt spürbar wird das beim Song-Bundle „Bergteken“ und „Oskorsreia“. Ersterer eröffnet „Sigil“ mit mehrstimmigen Gesängen, einer gewissen Epik und jeder Menge Drive. Instrumental klingt der Titel wie eine Mischung aus AFARGANG, FORNDOM und HEILUNG. Es wird direkt klar: die Atmosphäre steht diesmal vor den großen Riffs. Oder etwa doch nicht? „Oskorsreia“ jedenfalls verbindet astreinen Modern Metal mit den typischen traditionellen Klängen der Truppe. „Sannsiger“ widerspricht seinem Vorgänger dann nicht nur insoweit, als es sich in Sachen Charakter, Stimmung und Instrumentierung wieder eher dem Opener annähert. Als wollte man sich den Stempel der eher Folk- als Rock-Band mit aller Gewalt aufdrücken, hat man sich kurzerhand Label-Kollegin und Theater-Schamanin Maria Franz ins Boot geholt. Leider ändert dieses schwergewichtige Feature nichts an der Generik des Stückes.

Wie besonders GÅTE nämlich in ihrem Kern sind, beweisen Tracks wie „Bòd Frå Djupet“, das sich in Ethno-Pop-Gefilde vorwagt und dabei ein Maximum an Stimmung erzeugt, während das stimmige Riffing und die passenden Electro-Einschübe von „Strandvaskar“ auf wunderbare Weise an „Ulveham“ erinnern. Dass die Kompositionen von Magnus Børmark (Gitarre u. a.), Jon Even Schärer (Schlagzeug u. a.) und Mats Paulsen (Bass) sich nach wie vor wunderbar an den Gesang von Gunnhild Sundli schmiegen, zeigt sich noch einmal besonders stark auf „Mi Jord“. Hier bündeln sich Atmosphäre durch flächige Synthesizer mit Electronica, kleinen Folk-Einflüssen und druckvollen Gitarren. Das ist durchweg rund und macht wirklich Spaß. Schlussendlich ist es dann die Reduktion auf Tastenklänge in Kombination mit Streichermelodien und sanftem Gesang, die „Sigil“ mit „Jostedalsrypa“ so würdevoll wie melancholisch zu Ende gehen lässt.

GÅTE schaffen auf ihrem aktuellen Album erneut etwas, das zwischen schweren Riffs und traditionellem Folk längst nicht mehr alltäglich ist. Diese beiden Hauptpfeiler funktionieren auf „Sigil“ nicht unausgewogen oder überkitscht, sondern wohl durchdacht zu dem eigenen markigen Klanggewand verwoben. Das ist insofern wichtig, als die weniger interessanten Stücke, hier besonders die auf den Folk-Faktor reduzierten, nicht als allzu generisch und wie nach Schablone wirken. Dennoch, und da liegt wohl die kleine Kluft von „Sigil“ – GÅTE funktionieren tatsächlich am besten, wenn sie den plattgetretenen Nordic-Folk-Trends widersprechen. Das sollte sich die Band zukünftig wieder etwas mehr zu Herzen nehmen, denn das Potenzial zu einer wirklich außergewöhnlichen Folk-Rock-Formation ist nach wie vor vorhanden.

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Wertung: 7 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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