CD-Review: Harakiri For The Sky - Harakiri For The Sky

Besetzung

J.J. - Gesang, lyrisches Konzept
M.S. - Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug, Songwriting

Tracklist

01. Lungs Filled With Water
02. 02:19 AM, Psychosis
03. From Yesterday To Ashes
04. Drown in My Nihilism
05. Dancing On Debris


(Post Rock / Black Metal) Na, da hat es aber schon coolere Bandnamen gegeben. M.S. und J.J. kennen sich wohl durch gemeinsame Aktionen für Karg und Schattenlicht, die Idee, gemeinsam unter dem seltsamen Titel HARAKIRI FOR THE SKY zu musizieren, stellt sich immerhin rasch als eine sehr gute heraus. Erst 2011 haben sich die Wiener gegründet, nur ein Jahr später können sie die erste Labelveröffentlichung präsentieren.

Nun liegt man aktuell mit der Melange aus Post-Rock und Black Metal natürlich voll im Trend, aber wie so häufig zeigt sich in einer Szene erst dann, wer die vorderen Geigen spielt, wenn sich das Orchester mal getroffen hat. Will heißen: Nur mit einer entsprechenden Vergleichsmenge kann man über die Qualität einer einzelnen Band befinden. Der Sound von HARAKIRI FOR THE SKY ist der lyrischen Ausprägung gemäß ausgesprochen düster und verzweifelt. Gerade im vokalpraktischen Bereich spart man nicht mit Pathos, sondern leidet sich regelrecht durch die fünf durchaus langen und somit auch verschachtelten und teilweise etwas schwer zugänglichen Lieder. Schnell wird man dabei in den seltensten Fällen, immerhin lockert die eine oder andere Double-Bass-Einlage die Geschichte etwas auf, auch wenn sie dabei häufiger mal langsam getreten wird. Macht nichts, macht überhaupt nichts, denn mit der Entscheidung, auf die eher gemächliche Gangart zu setzen, beweist das österreichische Gespann ein gutes Gespür dafür, was es richtig gut kann. Nicht einmal der gute Walzertakt nach alter Wiener Art bleibt „verschont“, auf „From Yesterday To Ashes“ zeigt man gleich mal, wie man auch in Drei-Viertel ordentlich losknüppeln kann.
Ansonsten überzeugt man bei aller Progressivität in den Songstrukturen durch teilweise sehr eingängige Riffs und ein tightes Zusammenspiel von Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug. So kommen die Lieder wirklich auf den Punkt, glänzen trotzdem hier und da mit pfiffigen Einfällen, einer schüchternen Hintergrundmelodie, einem kurzen Solo oder einem ruhigen Part an genau der richtigen Stelle.
Dass ich mich schwer tue, Referenzbands zu finden zeigt, wie eigenständig HARAKIRI FOR THE SKY schon auf ihrem Debütalbum sind. Aus dem aktuellen Fundus der Sparte fallen mir die deutschen Newcomer träumen von aurora ein, die musikalisch und gesanglich einen ähnlichen Weg gehen, dazu könnten die Alpenländer vielleicht auch Anhängern der gerade recht gehypten Fen und de Arma gefallen, auch wenn es sich strenggenommen um eine andere Baustelle handelt.

Wie auch immer, HARAKIRI FOR THE SKY präsentieren sich auf ihrem Debüt fünfmal in Bestform, jeder, der der Spielart auch nur ein wenig abgewinnen kann, sollte schleunigst zusehen, die Band anzutesten. Hier wird die Melancholie auf den Höhepunkt getrieben, doch dies nicht auf stumpfe Art und Weise, sondern mit spieltechnischer Raffinesse und dem Faible für das gewisse Quäntchen Extravaganz im Songwriting. Ein starkes Debüt, dem hoffentlich bald ein weiteres Glanzstück folgen wird.

Bewertung: 8.5 / 10

Geschrieben am

2 Kommentare zu “Harakiri For The Sky – Harakiri For The Sky”

  1. Helge-Uwe

    hab ich vor ein paar monaten live gesehen, haben mir sehr gut gefallen. wieso keine bewertung für ein außerordentlich positives review? ;)

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