Interview mit Matthias von Harakiri For The Sky

Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 29 der Serie unterhalten wir uns mit Matthias, Gitarrist von HARAKIRI FOR THE SKY.

Hallo und danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Alles gut bei dir?
Den Umständen entsprechend ja, Gigs und gemeinsames musizieren fehlt mir aber schon sehr.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
In der Volksschulzeit habe ich mit klassischer Gitarre angefangen und auch fast bis zum Ende des Gymnasiums weitergelernt. Auf der E-Gitarre bin ich Autoditakt, da hab ich die erste mit ungefähr zwölf Jahren bekommen.

Was hat dich damals dazu gebracht, dass du Gitarre lernen willst?
Bei uns in der Familie war es üblich als Kind ein Instrument zu erlernen. Ich wollte eigentlich Schlagzeug lernen, meine Eltern wollten sich den Lärmpegel aber nicht antun und haben dem pubertierenden Bub dann als Kompromiss eine E-Gitarre mit Miniverstärker hingestellt. Im Nachhinein bin ich sehr froh drüber. Ich habe schon früh angefangen, eigene Melodien aufzunehmen. In meiner Jugend hatte ich kein Internet im Kinderzimmer und improvisiert: Mit billigem Multieffektpedal in den Mikrofoneingang von meinem lahmen PC rein und mit Magix Music Maker Stepsequencer-Drums dazugebastelt. Hat auch Spaß gemacht.

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt (erlernen müssen)?
Im Kindergarten die obligatorischen Blockflötenversuche – keine Ahnung, warum Eltern den Kindern und sich selbst sowas antun. Später hatte ich zwei bis drei Jahre Klavierunterricht, aber damals leider ohne wirkliche Motivation. Jetzt würde ich mir wünschen, ich hätte das gewissenhafter verfolgt und nicht hingeworfen.

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Erste war so eine Billigsdorfer Peavey-Strat in Kombo mit Mini-Transistorverstärker. Danach eine Epiphone Les Paul, was für mich eine echte Offenbarung war.

Wie viele Gitarren und Bässe besitzt du?
Das ändert sich ständig. Ich habe eine Zeit lang alle möglichen Gitarren akkumuliert, aber mittlerweile, auch aus Platzmangel, wieder verkauft. Bass hab ich mich jetzt auf einen gut klingenden (Marcus Miller V7) begrenzt, das reicht mir vollkommen zum Aufnehmen zu Hause. Klassische Gitarren hab ich zwei, E-Gitarren momentan acht.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für verschiedene Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Das ändert sich auch auch dauernd, normalerweise habe ich zwei laufend auf Tour (Haupt- und Ersatzinstrument). Früher hab ich bei Flügen immer günstigere Gitarren mitgenommen, weil man nie wissen kann, wie liebevoll die Dinger vom Flughafenpersonal behandelt werden. Mit laufendem Endorsement schränkt sich sowas aber auch ein. Aber ich würd nie irgendeine saumäßig teure Vintagegitarre für Gigs nehmen, das Instrument macht auf der Bühne einiges mit wenn es täglich hergerissen wird.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Handhabung und Sound. Ich persönlich mag Telecaster und Superstratmodelle am liebsten, das liegt mir von der Haptik einfach am meisten.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Ich verbinde eigentlich mit jedem Instrument, das ich häufig in Verwendung habe, etwas. Man hat ja schon einiges zusammen erlebt. Müsst ich mir eine Lieblingsgitarre aussuchen, wäre es wahrscheinlich momentan meine Godin LGX. Klang und Spielgefühl passen da einfach am besten.

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen, oder ist es sowieso ein Custom-Modell?
An der nicht, aber ich werde bei meiner Fender Telecaster die  Pick-ups zu tauschen. Aktive liegen mir einfach nicht.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Nicht wirklich, aber ich würde mir gern bei Zeiten eine Gitarre exakt nach meinen Vorstellungen anfertigen lassen.

Und womit spielst du deine Gitarren – welche Plektren verwendest du und warum diese?
0.77, Marke egal. Wir haben grad so polnische Custompleks von No Logo Picks, die spiel ich zur Zeit immer.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Früher haben wir, grad bei Fly-in-Gigs öfter eine gemietete Backline benutzt. Das birgt aber immer ein immenses Risiko: Ich habe schon oft erlebt, dass die Amps in desolatem Zustand waren, dann der Footswitch vergessen wurde etc. Früher hab ich Peavey gespielt (Triple XXX und 6505), aber mittlerweile bin ich auf Kemper umgestiegen. Das mag für einige Puristen nicht verständlich sein, aber es hat einfach immens viele Vorteile. Bei Flügen geht das Ding sogar ins Handgepäck, du kommst an und hast deinen Sound, es wiegt einen Bruchteil von einem Röhrenamp und unser FOH-Soundtechniker hat auch mit dem Aufwand von 2 Kabeln anstecken den gewohnten Sound, wenn es mal schneller gehen muss.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Früher Reverb, Boost und Delay, das wars. Mittlerweile sind alle Effekte vom Kemper Amp. Ist auch praktisch, weil du dir für jeden Teil dein Preset basteln kannst und es mit einmal Treten bei der Hand hast. Im Studio haben wir jetzt mit allerlei Trümmern herumexperimentiert, von denen ich nicht mal mehr bei allen den Namen weiß. Das versuche ich einfach mit dem Gehör nachzubasteln.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Damals Tubescreamer vorm Preamp, TC Flashback und Hall Of Fame in der Schleife. Leider nicht so spektakulär. Und ein Noisegate … das ging bei den Peaveys nicht ohne.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Gib mir einen gut klingenden Reverb und ich kann damit schon arbeiten.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt, als eigentlich vorgesehen, oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Gar nicht, da bin ich leider langweilig und überhaupt kein Gearnerd. Bei mir is alles Try-and-Error und wenn es gut klingt dann klingt es gut. Basta.

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Built-in vom Kemper. Ich mag einfach keine Nebengeräusche in Stops und Breaks.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Ich versuche, die Effekte von Song zu Song anzupassen, grad weil beim neuen Album viel mehr verschiedene zum Einsatz kommen. Nicht nur per se Effekte, sondern auch unterschiedliche Gain-Stufen.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Herumprobieren und Spaß dabei haben! Es ist super, dass es tausende Tutorials auf Youtube gibt, wie man was wie wo macht, um diesen und jenen Sound nachzustellen. Aber man soll sich nicht nehmen lassen, auch einfach mal zu experimentieren oder einfach selbst hinzuhören!


Im nächsten Teil der Serie kommt Mia Wallace von NERVOSA zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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