CD-Review: Harakiri For The Sky - Aokigahara

Besetzung

J.J. - Gesang, lyrisches Konzept
M.S. - Instrumente, Songwriting
Gastmusiker:
Seuche - Gesang
Cristiano - Gesang
Torsten - Gesang
Eklatanz - Gesang

Tracklist

01. My Bones To The Sea
02. Jhator
03. Homecoming Denied
04. 69 Dead Birds For Utoya
05. Parting
06. Burning From Both Ends
07. Panoptycon
08. Nailgarden
09. Gallows (Give' Em Rope)
10. Mad World (Vinyl-Bonus)


Feine Sache! Nachdem HARAKIRI FOR THE SKY schon bald nach ihrer Gründung das fulminante selbstbetitelte Debüt veröffentlichten, ließen sie ihre Fans nicht lange warten und bringen nun das Zweitwerk heraus. „Aokigahara“ lautet der im Gegensatz zum Bandnamen ziemlich coole Titel, es handelt sich dabei um den „Wald der Selbstmörder“ in Japan, die Hintergründe lassen sich leicht im Netz recherchieren.

Zur lyrischen Ausrichtung „Selbstmord und Depression“ passt das also schon mal ziemlich gut und wer ein wenig mit dem Vorgänger vertraut ist, kann sich gewiss sein: Auch die musikalische Umsetzung wird entsprechend sein. Nun erfreut sich schwarzer Post-Metal ungebrochener Beliebtheit, dank Bands wie HARAKIRI FOR THE SKY wird das wohl auch noch eine ganze Weile so weiter gehen.
Denn auch auf „Aokigahara“ liefern die Alpenländer wieder exzellente Arbeit ab. Die neun Songs (plus Bonustrack) strotzen einerseits vor Kraft und manchmal auch Aggression, andererseits ist aber jede Note auch mit einer tiefen Melancholie angefüllt, die den Hörer zum gepflegten Mitleiden einlädt. Gefühlt ist die erste Hälfte des Albums insgesamt melodischer, während Teil II härter und auch schneller ist. Wobei auch hier die Melodien stark im Fokus stehen, was an den durchgehend recht hoch gespielten Gitarren liegt, die eine gewisse Kälte versprühen. Alleine diese Tatsache könnte die Band in die Nähe der Landsleute Summoning rücken, dieser Eindruck soll aber keinesfalls entstehen, zumal die Grundausrichtung eine gänzlich andere ist. Eine gewisse Vorstellung des Gitarrenklangs könnte sich so aber schon ergeben.
Das Markenzeichen von HARAKIRI FOR THE SKY ist ohnehin der sehnsuchtsvoll-schmachtende Gesang, der dem Sound schon auf dem Debüt eine einzigartige Färbung verlieh und auf „Aokigahara“ noch einmal perfektioniert wurde. Wobei Gesang wie so oft eigentlich der falsche Ausdruck ist, natürlich handelt es sich eher um Schreien bzw. Kreischen, aber dies ist so gut umgesetzt, dass trotzdem eine enorme Gefühlstiefe zustande kommt.
Ein paar Worte noch zu den Songs: Kam das Debüt mit gerade einmal fünf Liedern aus, haben die Österreicher dieses Mal (zum Glück) mehr zu sagen, mit dem Bonustrack sind es opulente 70 Minuten und keine davon ist verschenkt. Dabei ist es schwer auszumachen, ob die melodischeren Parts besser sind oder ob man den schnellen Nummern mit einigen Double-Bass-Einsätzen den Vorzug geben soll.

Alles, was auf dem Erstling gut war, findet auch hier seinen Platz. Das Feeling für tightes Songwriting auch bei längeren Stücken, ein paar raffinierte Einfälle, ein gutes Stück Pathos, Liebe zum Detail und vor allem jede Menge Melancholie machen „Aokigahara“ zu einem echten Erlebnis in Sachen düstermetallischer Tonkunst. Allen, die die Band schon jetzt mögen, kann man nur wünschen, dass HARAKIRI FOR THE SKY das Veröffentlichungstempo beibehalten, allen anderen sei dringenst ans Herz gelegt, diese jetzt schon einzigartige Band kennenzulernen.

Bewertung: 9 / 10

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