CD-Review: Havok - Being And Nothingness

Besetzung

Johan Bergström - Gesang
Mahan Ahmadi - Gitarre, Persische Tar
Simon Dahlberg - Gitarre
Andreas Johansson - Bass
Johan Cronqvist - Schlagzeug

Tracklist

01. Avaye Penhan
02. The Monsoon
03. A Pyrrhic Victory For Humanity
04. Iniquity
05. Paramount
06. Monologue With The Sky
07. Century Of The Deviant
08. Stormfeed
09. The Ambulant Plague Of Humans
10. Season Of The Locust


HAVOK warfen vom ersten Augenblick an ganz heftige Fragen auf. Das fing schon damit an, dass zeitgleich nicht nur eine sondern gleich zwei CDs mit diesem Bandnamen drauf im Promoverteiler auftauchten. Fleißige Kerlchen oder komischer Zufall? Zweiteres, die andere Band stammte nämlich aus deutschen Landen, während diese HAVOK aus dem hohen Norden, Schweden um genau zu sein, kommen. Weiter geht’s aber mit dem… sagen wir mal „interessanten“ Cover ihrer ersten Langrille „Being And Nothingness“ (wobei der Titel da auch heißer Anwärter wäre, ich schätze, man wollte sich an so was wie „Sein und Nichtsein“ versuchen, Shakespeare wäre bestimmt stolz). Ein Baum im Wald trägt einen gut sitzenden Einreiher inklusive Hemd und Schlips. Was wollen sie nur damit sagen? „Bäume haben doch auch Gefühle“ vielleicht? Oder „Armani kann sogar Gewächse einkleiden“? Vielleicht fanden sie auch einfach nur das Motiv cool und nahmen es deswegen, es ist auch gar nicht so übel, aber ich würde es eher mit irgend welchen -core-Bands in Verbindung bringen, fragt nicht wieso, ist so eine Gefühlssache.

Aber nicht nur HAVOK geben mir Rätsel auf, auch deren Plattenfirma ViciSolum. Denn das ist nach Diabolicals „The Gallery Of Bleeding Art“ jetzt schon das zweite Album des recht jungen Labels, das ich in kurzer Zeit vor die Flinte bekomme, und irgendwie zeichnet sich da ein Muster ab. Bei HAVOKs erstem Langspieler haben wir es mit Death Metal zu tun, so viel sei schon mal gesagt, aber natürlich auch nicht wieder 08/15-Zeug von der Stange, ähnlich wie die Kollegen von Diabolical ließen sie sich etwas gar nicht so uninnovatives einfallen. War’s bei den Landsmännern ein Streichquartett, so haben HAVOK sich mit Mahan Ahmadi (selbst ich Laie erkenne, dass das wohl kein schwedischer Name ist) einen Gitarrero angelacht, der auch noch ein anderes Instrument zupft: eine persische Tar.

Damit geht’s dann auch im Intro gleich los, „Avaye Penhan“ bietet uns gute anderthalb Minuten geselliges Treiben auf irgend einem Marktplatz oder so inklusive landläufiger (also persischer oder ähnliches) Musikuntermalung. Klingt schon mal nicht unauthentisch, aber wie verknüpft man das jetzt mit Death Metal? Zu HAVOKs Schaden kann die Antwort auf diese Frage leider nur „Kaum“ lauten. Ja, die Attitüde stimmt, die eine oder andere eher auf persisch getrimmte Melodie ist mit an Bord, aber die wird meistens von einer verzerrten Stromgitarre in die Landschaft gehackt. Dazu ratternde Double-Bass und heftiges Gegrowle und Gekreische und schon bleibt von dem doch recht eigenständigen Ansatz nicht mehr viel übrig.

Ein wenig halt doch noch und dann klingen HAVOK auch richtig gut, wenn beim Opener „The Monsoon“ zum Beispiel Johan Begströms Guturalgesang mit akustischen Interludien unterlegt wird, dann ist das was, was man nicht alle Tage hört, und noch dazu kompetent abgezogen. Aber solche Augenblicke sind leider viel zu selten, die meiste Zeit bollert man sich einfach nur mit leicht persisch klingendem Death Metal durch die Gegend, in seltenen Fällen auch mal etwas technischer („Paramount“, wobei das jetzt auch nicht die Ausprägung erreichen würde, dass ich das Zeug hier „Technical Death Metal“ nennen würde, trotzdem ist der Song ein ziemlich klarer Anspieltipp), meistens aber einfach nur auf die Omme. Schade drum.

Denn wo Diabolical sich auf die Fahne schreiben konnten, dass ihr Zeug zwar die meiste Zeit über an ihren eigens gekochten Innovationen vorbeischlitterte, aber dafür eine kurzweilige Angelegenheit wäre, da quälen HAVOK sich über 50 Minuten durch die teils viel zu langen Songs und bieten auf dem Weg kaum etwas, das man dringend gehört haben muss. Ein paar gefällige Gitarren-Leads hier, ein nett melodisches Solo da („Century Of The Deviant“, das gegen Ende noch sehr gut wird), dann ein ziemlich nerviges Klavierzwischenspiel („Monologue With The Sky“, viel zu lang und ziellos), am Ende des Tages kommt eine CD bei rum, die Death Metal Fanatikern wohl gefallen dürfte, auch wenn sie zu lang geraten ist, aber mal wieder viel Potential verschenkt.

Bewertung: 6 / 10

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