CD-Review: Hegemone - We Disappear

  • Veröffentlichung: 2018
  • Label: Debemur Morti Productions
  • Spielart: Black Metal
Besetzung

Jakub Witkowski - Gesang, Bass
Kacper Jachimowicz - Gitarre
Tomasz Stanuch - Keyboards
Tomasz Towpik - Schlagzeug

Tracklist

01. Mara
02. Fractures
03. Raising Barrows
04. Π
05. Хан Тәңірі
06. Тәңірi


Moderne Black-Metal-Bands stellen Rezensenten immer häufiger vor die schier unlösbare Aufgabe, ihre Musik mit einer Genre-Bezeichnung zu versehen. Klar passt der Terminus Post-Black-Metal nahezu immer, doch limitiert er einige Kapellen dann doch auf eine Spielart, über die sie eigentlich weit hinausgehen. Bestes Beispiel dafür sind HEGEMONE aus Polen. Die Truppe ist seit 2010 aktiv, brachte 2014 das erste Album heraus und legt nun mit „We Disappear“ ordentlich nach. Denn das was HEGEMONE da erschaffen haben, geht über bloßen Metal oder profane Musik im Allgemeinen weit hinaus.

Man nehme harschen Black Metal, Ambient Parts, Synthies, Sludge, Post Punk, Post Metal, Doom Metal und schmiede daraus ein Album. Klingt anspruchsvoll? Ist es auch. Klingt überladen? Auf keinen Fall! Selten hat eine Band so gekonnt verschiedenste Stilistiken vereint um daraus ein wahres Monster zu erschaffen. HEGEMONE fesseln ab der ersten Minute mit überraschenden Wendungen, ungestümer Wildheit, meditativer Ruhe und starken Vocals.

Einzelne Highlights herauszugreifen fällt schwer, da „We Disappear“ davon nur so strotzt. Sei es nun die Mischungs aus perlenden Klangkaskaden und brutalen Riffs bei „Raising Barrows“ und „Π“ oder die alles zermalmende Schwere von „Mara“. Besonders bei Letzterem gelingt es den Polen auf brilliante Art und Weise mit Synthies und Ambient-Klängen im Endteil des Songs einen starken und dennoch harmonischen Kontrast zu der Härte zu bilden. Dieses kontrastreiche Songwriting ist eines der Aushängeschilder des Albums. Gezupfte, fast schon geisterhaft anmutende Gitarren treffen auf verzweifelte und leidende Vocals. Double-Bass-Parts vereinen sich mit entrückt wirkenden Melodien und Synthies. Und stetig ist alles im Wandel, verändert sich und schafft neue Klangwelten.

Krönung des Albums ist das knapp 15 Minuten lange Abschlusstück „Тәңірi „, bei dem HEGEMONE noch einmal all ihre Stärken in einem Track vereinen. Nach einem kurzen Intro bricht ein erruptiver Part über den Hörer herein, der wiederum von einem meditativen Mittelstück mit schamanistischen Gesängen abgelöst wird, bevor ein von einer sphärischen Melodie getragener Schluss mit hochemotionalen Vocals den Song und das Album beschließt.

Kurzum: Mit „We Disappear“ ist HEGEMONE ein perfektes Album gelungen, dass in Sachen Varianz, Intensität und Anspruch ganz oben mitspielen kann. Auch Personen, die sonst keinen Black Metal hören sollten hier mal ein Ohr riskieren und sich von HEGEMONE mitreissen lassen.

Bewertung: 10 / 10

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