Medieval-Black-Metal dürfte zu den spannendsten, aber auch unterrepräsentiertesten Subgenres der Szene gehören. Bands wie VÉHÉMENCE, HELTEKVAD oder zum Teil auch UNGFELL beweisen, dass die Einbindung von Folk-Instrumenten und mittelalterlichem Liedgut nicht gleichbedeutend ist mit einer Hinwendung zu Mittelaltermarkt-Metal und Party-Bands. HULDER legen mit „Verbolgen“ nun ein Album vor, das sich nahtlos in die herausragenden Veröffentlichungen dieses Stils einreiht. Denn auch wenn bereits auf den ersten beiden Alben der Band gewisse Folk-Elemente vertreten waren, werden diese auf dem Drittwerk noch einmal deutlich nach oben geschraubt, ohne dabei den gewohnten Sound zu verfälschen.
Diese klangliche Weiterentwicklung geht mit Veränderungen im Bandgefüge einher, denn Frontfrau Hulder (alias Marliese Osborne) ist inzwischen keine Einzelkämpferin mehr. Hatte Ehemann Necreon (alias Sam Osborne) bereits zuvor bei Albumaufnahmen und auf Tour am Bass unterstützt, ist er nun ein vollwertiges Mitglied von HULDER und steuert sogar ein paar Backing-Vocals bei. Die Folk-Parts wiederum wurden von Keld (u. a. auch Teil der Medieval-Black-Metal-Band OBSEQUIAE) und Ianuaria eingespielt.
Folkig geht es auch direkt los: Das Intro „Drie Raven“ ist komplett akustisch gestaltet und schafft mit Maultrommel, Flöte und Drehleier einen archaischen, epischen Rahmen für das, was folgt. Das folgende „The Crowning“ bildet mit seinen krachenden Drums und epischen Riffs einen stimmigen Gegenpart zu diesem Intro, wobei auch hier stellenweise wieder die Drehleier und auch Keyboards zum Einsatz kommen. Hulder wiederum keift und brüllt mit einer beeindruckenden Varianz und präsentiert sich damit erneut als Ausnahmestimme des Genres.
Epik und Aggression bilden auch die Grundpfeiler der restlichen sieben Tracks, halten sich mal mehr und mal weniger die Waage und machen „Verbolgen“ damit zu einem sehr abwechslungsreichen Album. „Thy Binding Oath“ nimmt Geschwindigkeit raus und stellt eine getragene Epik in den Mittelpunkt, wobei die Folk-Instrumente wieder für Highlights sorgen. Noch hymnischer gestaltet sich „…And We Shall Sing“ irgendwo zwischen Viking-Metal und BATHORY-Anleihen. Auch „View From Nemeton“ schielt in Richtung Wikinger-Epik, gepaart mit wilder Raserei, und überrascht sogar mit sphärischem Klargesang von Hulder.
HULDER machen es sich aber nicht zu bequem. Der Titeltrack „Verbolgen“ ist tief verwurzelt im klassischen Schwarzmetall und prescht mit ungezügelter Aggressivität nach vorn. „In Blood And In Earth“ paart diese Wut mit klirrend kalten Riffs und lockert das Ganze mit ritualistisch-folkigen Parts auf.
HULDER liefern mit „Verbolgen“ ihr bisher stärkstes Album ab. Epik, Aggression, Oldschool-Black-Metal, Folk und eine ritualistische Grundstimmung befinden sich auf „Verbolgen“ in perfekter Balance. HULDER gelingt auf ihrem dritten Langspieler die Weiterentwicklung in die richtige Richtung, ohne sich zu sehr von ihren Wurzeln zu entfernen. Ein zwingender Kandidat für die Jahresbestenlisten.
Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 9 / 10


