CD-Review: Hypocrisy - The Arrival

Besetzung

Peter Tägtgren - Gesang, Gitarre, Keyboards
Mikael Hedlund – Bass
Lars Szöke – Schlagzeug

Tracklist

01. Born Dead Buried Alive
02. Eraser
03. Stillborn
04. Slaves To The Parasites
05. New World
06. The Abyss
07. Dead Sky Dawning
08. The Departure
09. War Within


Hypocrisy, die schwedische Death Metal Band um den viel beschäftigten Frontman Peter Tägtgren, warfen Mitte Februar 2004 ihr neuestes Werk „The Arrival“ auf den Markt. Es geht als letztes Album mit Drummer- und Bandurgestein Lars Szöke in die Geschichte ein, der dem ganzen Tourstress Anfang des Jahres ein klares „Nein“ entgegenbrachte. Er wurde vom früheren Immortal Schlagzeuger Horgh ersetzt.

Das Album startet mit depressiv angehauchten Riffs in bester Hypocrisy-Manier. „Born Dead Buried Alive“ lässt schon von Minute eins an auf ein krachendes neues Werk der Band schließen. Die Gitarrenwalze zieht sofort seine Bahnen und das stimmliche Intro des Albums erinnert mich etwas an Dimmu Borgir. Jedenfalls ist der Opener ein klassischer, wie ich finde. Er hat ein einziges durchgezogenes Riff und setzt sich insgesamt doch sehr von den folgenden Songs ab.

„Erased“ nennt sich der zweite Track und gefällt richtig gut. Eine starke Nummer, die eher durch abwechselungsreiche Strukturen überzeugt als durch überdurchschnittlich hohes Tempo. Der Song wurde auch für Promozwecke genutzt und könnte daher durchaus einigen bekannt sein, die das Album nicht kennen.
Weiter geht „The Arrival“ mit dem Titel „Stillborn“, der gesanglich nun sehr melodisch rüberkommt. Es wird üppig in das Schlagzeug gedroschen, und auch das Riffing des „Geschäftsmanns“ Tägtgren weiß zu überzeugen. Peter singt hierbei sehr vielfältig, so ist es zu Beginn und im Chorus sehr rhythmisch, zwischenzeitlich geht es aber auch recht wüst zu.

„Slave To The Parasites“ startet mit einer hohen Riffeinlage, die aber dann bald durch tiefere Lagen abgelöst wird. Zwischenzeitlich ertönt immer mal wieder ein Solo, welches ebenso gut aus dem Hause In Flames stammen könnte. Der ganze Song ist klasse. Er bietet druckvolle Passagen, aber auch ruhigere, eingängigere. Bis hierhin gefällt mir dieses vierte Stück am besten, was nicht zuletzt an den geschickten Tempo- und Riffwechseln liegt.
Die zweite Hälfte der Platte wird in einem Stil wie dem des „Catch 22“-Eröffners „Don’t Judge Me“ eingeläutet. Die Nummer nennt sich „New World“ und bietet das stimmlich tiefste Lied auf der „Arrival“. Einmal mehr bringt Tägtgren seine Stimmgewalt perfekt ein, so hört er sich teilweise eben sehr tief an, zwischendurch aber auch krächzend und im Chorus weitestgehend „normal“. Ebenso wird ein filigranes Solo eingebracht. Ein bärenstarker Titel.

Fast schon verhalten startet „The Abyss“, aber diese ruhige Stimmung währt nicht lang. So tunt Peter seine Stimmbänder noch einmal richtig tief, und der Song ist ein Mix aus depressiv-kraftvoller und melancholischer Gewalt. Hier wird mehr auf die instrumentale Arbeit gesetzt, was zwischendurch perfekt in das Konzept des Albums passt.
Schneller wird nun „Dead Sky Dawning“. Ich muss hierbei stellenweise etwas an Anders Fridén von In Flames denken, der sich einst in ähnlichen Stimmlagen bewegte. Insgesamt gesehen hat der Song aber ein ganz klares Hypocrisy-Trademark: die Betonung im Gesang hört sich verdammt stark an, was dem Stück dieses typische „momentaner Lieblingssong“-Flair verleiht. Auch das Riffing ist sehr variabel. Nach einem ganz kurz gezogenen Stop geht es im Refrain weiter und kräftige Akkorde machen sich breit.

Mit „The Departure“ wurde der vorletzte Song betitelt. Hier geht es überaus depressiv zu, was durch verzerrte Sprach-Inputs untermauert wird. Mir gefällt auch dieser Song enorm gut. „War Within“ steht dem ebenfalls in nichts nach, wenn auch diese Nummer kaum depressiv ist. Druckvolle Powerchords ertönen die ganzen knapp fünf Minuten immer wieder, und der Gesang Tägtgrens ist eine Gratwanderung zwischen Black- und Death Metal. Zum Abschluss verwöhnen die Schweden mit einem Song, der die pure Konzertlust weckt.

Resümierend kann ich nur sagen, dass dieses Album seinen Vorgänger zu übertrumpfen weiß und an die alten, raueren Zeiten anknüpft. Viele Bands entwickeln sich mit der Zeit aus Hörersicht zum Negativen, was für die Bands aber durchaus ein Fortschritt bedeuten kann. Hierbei allerdings stellt man weniger Entwicklung als einfach Ideenvielfalt und Spielfreude fest. Hypocrisy ist schlicht und ergreifend eine dieser Bands, bei denen man beim Hören sofort erkennt, von wem die Musik einzig und allein sein kann. Ein super Album, welches wie erwähnt Freude auf die Tour macht.

Bewertung: 8.5 / 10

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