CD-Review: Isole - Silent Ruins

Besetzung

Daniel Bryntse - Gesang, Gitarre
Christer Olsson - Gesang, Gitarre
Henrik - Bass, Gesang
Jonas Lindström - Schlagzeug

Tracklist

01. From The Dark
02. Forlorn
03. Nightfall
04. Hollow Shrine
05. Soulscarred
06. Peccatum
07. Dark Clouds


Die munteren Schweden von ISOLE wissen genau, wie man traurig-düstere Metaller an die Boxen fesselt. Die ersten Töne ihrer vierten Langrille, die auf den Namen „Silent Ruins“ hört, ziehen den Hörer auf der Stelle mit tiefsten Tönen, dargebracht im Tempo von zähflüssigem Honig, der den Rand eines Glases hinab läuft, in seinen Bann. Schwermut legt sich auf den Geist, wenn die zweite Gitarre schaurig-schöne Melodien über den schleichenden Fluss webt und Sänger Daniels klarer, gezogener Gesang sich erhebt, um jede positive Gefühlsregung unter seiner Macht zu begraben.

Was das Artwork schon hoffen ließ, bewarheitet sich mit jedem Hören der Scheibe mehr. Nämlich die Tatsache, dass ISOLE mit „Silent Ruins“ nahtlos an das hervorragende „Bliss of Solitude“ anknüpfen. „From the Dark“ ist epischer Doom-Metal, wie er im Lexikon stehen könnte. Ganze elf Minuten lang frisst sich der Beginn der Geschichte um einen Menschen am Ende der Welt mal fast treibend mit verzweifelten Schreien, dann wieder betrübt wie nach dem Ende einer langjährigen Beziehung in die Gehörgänge – und entlässt einen niemals aus ihrem kalten Griff. Der Mensch, der sich am Ende der Welt wiederfindet, an einem unwirtlichen Ort, allein, erfährt im Verlauf der sieben Songs immer mehr darüber, was passiert ist. Doch, wie könnte es auch anders sein, ist diese Erkenntnis auf grausamste Weise niederschmetternd.

Niederschmetternd könnte auch eines dieser vielen Adjektive sein, mit denen man die Musik von ISOLE beschreiben könnte. Man hat keine andere Wahl als während des Lauschens, in Fötushaltung zusammengerollt in der hintersten Ecke des Zimmers kauernd, melancholisch zu werden, keine Frage. Doch so wirklich niedergeschmettert fühlt man sich nach dem Ausklingen von „Dark Clouds“ nicht. Die Melancholie ist dafür zu sehr eine positive Melancholie, eine mit wunderbaren Melodien angereicherte. Leider sind das auch oft Melodien, die sich bald schon wieder verflüchtigt haben und sich teilweise sehr ähneln. Aber das ist schließlich Doom, epischer Doom. Gitarrensoli und akustische Passagen, ein ruckartiges Nach-Vorne-Preschen sind die maßvoll und an den richtigen Stellen eingestreuten Feinheiten, welche die hypnotischen Gitarrenmelodien und die sich einstellende Trance durchbrechen. „Silent Ruins“ ist ein Album, das gerne am Stück gehört werden möchte; die einzelnen Songs sind vielmehr Einteilungen der Geschichte in Kapitel, die dennoch untrennbar zusammenhängen.

Wie auch schon beim Vorgänger legten die Schweden bei der Aufnahme des Albums selbst erfolgreich Hand im Studio Apocalypse an und ließen nur zum Mastern Peter Betou (Amon Amarth, Arch Enemy, Draconian) ran, der dem Sound dann den letzten Schliff gab. Schleichende hoffnungslose Düsternis bestellt und bekommen. Das Doom-Rad erfinden ISOLE auf ihrem vierten Werk nicht neu, führen aber konsequent fort, was sie angefangen und gemeistert haben. Doom-Jünger sollten sich das auf keinen Fall entgehen lassen, sich für 54 Minuten voll dem zu ergeben und dann mit dem absurden Wunsch zu erwachen, das Album erneut zu hören.

Bewertung: 8 / 10

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