CD-Review: Isole - The Calm Hunter

Besetzung

Daniel Bryntse - Gesang, Gitarre
Crister Olsson - Gesang, Gitarre
Jimmy Mattsson - Gesang, Bass
Jonas Lindström - Schlagzeug

Tracklist

01. The Calm Hunter
02. Dead To Me (The Destroyer Part I)
03. Into Oblivion
04. The Eye Of Light
05. Perdition
06. Alone In Silence
07. My Regret (The Destroyer Part II)


Woran erkennt man eine Band, die inklusive Vorgängertruppe bereits seit 1990 unterwegs ist? Richtig, das Infoschreiben zu lesen dauert beinahe so lange, wie die aktuelle Platte zu konsumieren. Das will bei einer Doom-Metal-Kapelle wie ISOLE schon einiges heißen. Mit „The Calm Hunter“ veröffentlichen die Schweden ihr sechstes Album und im Zuge dessen hat sich das Label nicht lumpen lassen, die Skandinavier mit Lobeshymnen zu überschütten.

Ganz klar, das ist ein legitimes Mittel, wenn man ehrlich ist, hätte es dessen aber nicht unbedingt bedurft. Als alte Hasen wissen die Nordmänner, wie man einen Song anpackt. Insgesamt sieben Mal tun sie dies und erschaffen jeweils ein kleines Opus progressiven Dooms, anders ließ sich die Gesamtspielzeit von 52 Minuten auch nicht erklären.
Dabei geht das Quartett sehr abwechslungsreich und damit beinahe untypisch für die Spielart zur Sache. Anstatt stumpf und stupide immer wieder die gleichen Riffs in Zeitlupentempo rauf- und runterzuspielen und maximal ein paar Variationen einzubauen, steckt in jedem Lied eine erfrischende Detailverliebtheit. So punktet man nicht nur mit drei verschiedenen Stimmen, die ein breites Spektrum zwischen Growl und Melodik erlauben, sondern vor allem auch mit musikalischer Abwechslung.
Die Gitarren sind also nicht nur für das Basis-Riffing da, sondern kommen auch immer wieder für kleine Soli in Frage, auch wenn es manches Mal nur ein kurzer Melodiebogen ist. Aber gerade diese Spielereien machen „The Calm Hunter“ interessant und vor allem am Stück gut anhörbar. Und wenn man trotzdem mal in einer stimmungsvollen Sackgasse zu enden droht, steht immer noch die Akustikgitarre parat, die die folgenden Attacken umso wirkungsvoller erscheinen lässt.
Fast unnötig zu erwähnen ist die lockere Handhabe mit unterschiedlichen Tempi. ISOLE zeigen keine Angst vor schwungvollen Parts und haben sie auch nicht, denn diese fügen sich ebenso nahtlos ein, wie die schwermütigen Doom-Passagen, die aller Abwechslung zum Trotz dann doch leicht die Oberhand behalten. Und wenn man genau hinhört, findet sich sogar der eine oder andere Ohrwurm in diesem atmosphärisch dichten, intensiven Spiel mit den Gefühlen und Abgründen menschlicher Welten.
Hier liegt der eigentlich einzig relevante Kritikpunkt verborgen, eine Sache, an der Doom Metal doch immer wieder etwas krankt: Nicht nur wegen ihrer Länge, sondern auch dem Mangel an Eingängigkeit brauchen die Songs auf „The Calm Hunter“ (zu) lange, um sich dem Hörer zu erschließen. Man merkt schon beim ersten Durchlauf, dass sich etwas entwickeln könnte, aber dieses Gefühl hat man auch noch viele weitere Durchgänge lang, bis sich schließlich aus den vielen schönen Einzelteilen ein wahrlich magisches Ganzes bildet.

Wer so viel Zeit hat, kann bei ISOLEs neuem Album beherzt zugreifen und wird sicher, sofern noch nicht geschehen, mit dem Backkatalog glücklich werden. Eine reife Platte ist „The Calm Hunter“ geworden, erwachsenes Songwriting bei aller Bewahrung des notwenigen, jugendlichen Sturm und Drangs, dazu ein wuchtiger Sound und immer wieder tolle Melodien von Instrumenten und den drei Sängern.

Bewertung: 7.5 / 10

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