CD-Review: Isole - Born From Shadows

Besetzung

Daniel Bryntse – Gesang, Gitarre
Crister Olsson – Gitarre, Gesang
Henrik Lindenmo – Bass
Jonas Lindström – Schlagzeug

Tracklist

01. The Lake
02. Black Hours
03. Born from Shadows
04. Come To Me
05. My Angel
06. Condemned
07. When All Is Black


Pünktlich zum Einzug der kälteren, düsteren Tage veröffentlichen die schwedischen Doomköpfe von ISOLE eine neue Platte voll epischer Tristesse. Die Gruppe ist vom harten Kern her schon seit den frühen Neunzigern unterwegs, zu jener Zeit noch bekannt als Forlorn, und hat dementsprechend schon jede Menge Erfahrungen gesammelt und sich einen ausgezeichneten Ruf in der Szene erspielt. Folglich weiß das Quartett auch genau, wo es musikalisch steht und konnte sich auf seinem mittlerweile fünften unter dem Banner ISOLE aufgenommenen Studioalbum „Born From Shadows“ ganz auf die Ausdifferenzierung und Verfeinerung seines Sounds konzentrieren.

Was dabei herausgekommen ist, stellt das bisher ausgereifteste Werk der Schweden dar. Dies liegt wohl nicht zuletzt daran, dass sich die Band nach der Veröffentlichung von vier Alben in vier Jahren zunächst eine Studio-Auszeit und kreative Pause gegönnt hatte, um sich in erster Linie dem Tourleben zu widmen. Mit „Born From Shadows“ erzählen ISOLE nun den dritten Teil ihrer „Moonstone“-Trilogie, die bis auf das Debütalbum „Forevermore“ von 2005 zurückgeht. Konzeptuell geht es, ganz klassisch, um den Kampf zwischen Gut und Böse, um die aufeinandertreffenden Gegensätze von Licht und Dunkelheit oder auch Leben und Tod.

Doch man muss sich nicht unbedingt eingehend mit dem zugrundeliegenden thematischen und lyrischen Konzept befassen, dessen gegensätzlicher Aspekt durch das ästhetische und zugleich unheimliche Cover passend untermauert wird, um diese Platte zu mögen und genießen zu können. Es genügt auch, einfach die Play-Taste zu drücken und für 55 Minuten aufmerksam in die beklemmenden Klanglandschaften, die uns ISOLE hier bieten, einzutauchen und in ihnen zu versinken. Den Einstieg machen zunächst bedrohliche Gitarrenklänge, die nach einer Weile vom Gesang und schließlich den restlichen Instrumenten ergänzt werden. Der Sound ist selbstredend schwerfällig, die Stimmung depressiv. Jedoch muss man an dieser Stelle ganz klar betonen, dass die vier Jungs nicht im Geschwindigkeitsbereich zähflüssiger Lava verharren, wie man es von einer epischen Doom Metal-Band vielleicht vermutet.

Wenn ich auch keinen spezifischen Song des Albums hervorheben möchte, da „Born From Shadows“ am Stück den größten Hörgenuss bereitet, so lässt sich das Abwechslungsreichtum und die durch das Albumkonzept bedingte Bipolarität sehr gut am Titeltrack veranschaulichen. Dieser beginnt schleppend und durch die Synthesizer-Begleitung sehr atmosphärisch und erhaben. Im Laufe des Songs steigert sich der Sound durch Doublebass-Parts, todesmetallisch anmutende Leads und Growls zu einem immer aggressiver werdenden Klangbild, das, nachdem es durch ein Interlude mit Clean-Gitarren abrupt unterbrochen wurde, schließlich in einem Blastbeat-Abschnitt gipfelt, in dem sich Clean- und Growlgesang ein Duell liefern. Durchaus also progressiv und detailreich, was die Herren da hören lassen.

Die übrigen sechs Nummern verfügen über ähnliche Spannungsbogen und tiefgründige Kompositionen und sorgen so für jede Menge Tempo- und Stimmungswechsel, ohne aus der geheimnisvollen Grundatmosphäre auszubrechen. Vor allem Daniel Bryntse liefert mit seiner hellen, klaren Stimme eine erstklassige Performance ab. Sein manchmal mehrstimmiger Gesang ist sehr eindringlich, deckt von Geflüster bis zu aufbegehrenden Klängen aus voller Brust alles ab und kreiert dabei Gefühle von Ruhe und Unbehagen zugleich. Die wuchtigen, harten Riffs und hypnotischen Arrangements, die regelrechte Gitarrenwände erzeugen und dann und wann von Soli ergänzt werden, sind dabei ein wesentliches Grundelement und halten die Songs zusammen. Auch Drummer Jonas Lindström spielt sehr dynamisch und langweilt sich trotz des überwiegend langsamen Tempos bestimmt nicht. Stellenweise spielt er Fills bis zum abwinken, passt sein Bassdrum-Spiel synchron ans Riffing an und zeigt mit wüsten Blasts, dass er auch anders kann.

Auch wenn ich solch pathetische Ausdrücke lieber vermeide, ist es wohl nicht übertrieben, hier von einem Meisterwerk zu sprechen, mit dem es ISOLE sicherlich gelingen wird, ihren Ruf als hervorragende Vertreter ihres Genres noch weiter auszubauen. Auf ihrer fünften Platte spannen sie den progressiven Bogen weiter und begeben sie sich gelegentlich in fremdes Terrain, ohne dabei die Grenzen des epischen Doom Metals zu sprengen. Im Vergleich zu ihren vorherigen Alben setzen die Schweden mit „Born From Shadows“ noch einen drauf und haben die neun Punkte somit klar verdient.

Bewertung: 9 / 10

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