CD-Review: Joe Bonamassa - Beacon Theatre – Live From New York

  • Veröffentlichung: 2012
  • Label: Mascot
  • Spielart: Rock
Besetzung

Joe Bonamassa - Gesang, Gitarre
Carmine Royas - Bass
Tal Bergman - Schlagzeug
Rick Melick - Keyboard

Gastmusiker:
Beth Hart - Gesang
Paul Rodgers - Gesang
John Hiatt - Gesang, Akustikgitarre

Tracklist

CD 1:
01. 72nd Street Subway Blues
02. Slow Train
03. Cradle Rock
04. When The Fire Hits The Sea
05. Midnight Blues
06. Dust Bowl
07. The River
08. I'll Take Care Of You (mit Beth Hart)
09. Sinner's Prayer (mit Beth Hart)
10. You Better Watch Yourself
11. Steal Your Heart Away

CD 2:
01. Bird On A Wire
02. Down Around My Place (mit John Hiatt)
03. I Know A Place (mit John Hiatt)
04. Blue And Evil
05. Walk In My Shadows (mit Paul Rodgers)
06. Fire And Water (mit Paul Rodgers)
07. Mountain Time
08. Young Man Blues
09. If Heartaches Were Nickles


Live-Alben, die auch noch nach zugehörigen Live-DVDs erscheinen, bringen selten Neues. Im Gegenteil: Zumeist wird die DVD-Version ja für das reine Audio-Release noch einmal geschnitten, um Übergänge weniger langatmig erscheinen zu lassen. Da ist auch „Beacon Theatre – Live From New York“ keine Ausnahme – akustisch gesehen unterscheiden sich CD und DVD nicht, keine Frage.

Und doch ist die Annahme, dass man von einer äußerst gelungenen DVD auf eine ebenso kaufenswerte CD rückschließen kann, in diesem Fall trügerisch. Denn viele der starken neueren Songs, die JOE BONAMASSA 2010 performte, bekam man auf der DVD zum ersten Mal überhaupt auch zu sehen und nicht nur zu hören, wodurch ein ziemlich eindrucksvolles Gesamtprodukt entstand. Dass man Musiker aber eben nicht singen, spielen und schwitzen hören kann, wird beim Genuss der CD doch mehr als deutlich: Wo ein „Slow Train“, ein „Dust Bowl“ oder ein „You Better Watch Yourself“ auf DVD aus dem Fluss desKonzerts heraus deutlich an Fahrt aufnehmen können, weil man eben sieht, dass die Musiker Vollgas geben, klingen eben diese Songs auf der CD hektisch und gerade gesanglich nicht gänzlich überzeugend. Man vergleicht nun einmal automatisch mit den liebevoll ausgearbeiteten und äußerst akkuraten Studioversionen, wo jede Note dort sitzt, wo sie hingehört. Nicht, dass die Band auf der Bühne schludern würde, aber im Eifer des Gefechts reproduziert sie die Songs dann doch ein wenig anders, als sie geschrieben wurden, und das ist in diesem Fall leider fast automatisch schlechter. Das unterscheidet diese CD auch etwa vom Vor-Vorgänger „Live From Nowhere In Particular“ (das unmittelbar vor „The Ballad Of John Henry“ erschien, welches im Allgemeinen als erstes wirklich hochqualitatives Album BONAMASSAs gilt), auf dem man jeden einzelnen dargebotenen Song, den es zuvor nur in einer schwachbrüstigen, unentschlossenen Studioversion zu hören gab, nun auf einmal auf konstant hohem Niveau auf die Ohren gab. Man hörte den meisten Songs zwar nicht unbedingt an, dass sie überhaupt live gespielt wurden, aber durch den starken Qualitätsanstieg konnte man „Live From Nowhere In Particular“ stattdessen eben als bessere Best-Of werten. Das klappt bei „Beacon Theatre“ nicht, auch hier hört man das Publikum kaum (weil es eben auch nicht besonders laut war), vielleicht wäre genau das in diesem Fall aber notwendig gewesen, um die Songs nicht nur anders, sondern auch gleichwertig mit den Studioversionen klingen zu lassen.

Das klingt nun alles schlimmer, als es ist, gibt es doch auch auf „Beacon Theatre“ einige Perlen, wie etwa Gary Moores „Midnight Blues“ in einer großartigen Interpretation, „When The Fire Hits The Sea“ mit deutlich flotterem, leicht chaotischem Charakter oder John Hiatts „Down Around My Place“, das in seiner reduzierten Akustik-Version nochmals gewinnt. Auch „Bird On A Wire“ und „Steal Your Heart Away“ sind durch den Umstand, dass sie bewusst an die Live-Situation angepasst wurden, interessant und der Gastauftritt von Rock-Röhre Beth Hart ist auf CD ebenfalls genauso stark wie auf DVD. Insgesamt bleibt das alles aber dennoch unbefriedigend, auf einen Höhepunkt folgt mindestens ein Absacker und so kann von durchgehender Spannung keine Rede sein. Kleinere Unstimmigkeiten, wie dass BONAMASSA den einen Song mit den Worten „Good Evening New York!“ beendet, damit Beth Hart im nächsten dann mit „Thank You“ antwortet, oder die ewig ungeklärte Frage, warum Songs als Bonustracks an den Schluss der zweiten CD geklatscht werden, wenn sie doch regulär gespielt wurden („If Heartaches Were Nickles“), oder sogar ganz wegfallen („Woke Up Dreaming“), lassen das Endprodukt doch viel eher unglücklich als überzeugend wirken.

Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er für viele halbgare, ein paar angenehme und wenige großartige Songs Geld ausgeben will, doch meiner Meinung nach kommt „Beacon Theatre“ in der CD-Version insgesamt weder gegen vorangegangene Live-Releases, noch die entsprechende DVD, noch die Alben kann. Seit langer Zeit der erste BONAMASSA-Release, den man sich guten Gewissens sparen kann.

Bewertung: 6 / 10

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