Joe Bonamassa

  • München, Kleine Olympiahalle
  • 25. Februar 2015

JOE BONAMASSA feierte seine Rückkehr nach München mit gleich zwei quasi-ausverkauften Konzerten in der Kleinen Olympiahalle München. Mit dem neuen Album „Different Shades Of Blue“ im Gepäck durften sich die knapp 5000 Fans auf ein deutlich Funk- und Bläser-lastigeres Set einstellen als zuvor. Dass es am Ende nur zu zwei guten alten Bluesrock-Nummern reichen würde, konnte dann aber doch niemand ahnen.

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Dass sich am 25.02. dann neben Zuschauern auch eine Band in der Halle einfindet, versteht sich insofern nicht von selbst, als Bonamassa die gesamte Woche krankheitsbedingt nach eigenem Bekunden lieber im Bett verbracht hätte. Das nicht ganz so energetische Stageacting und bisweilen etwas kraftloser Gesang angesichts dessen: geschenkt. Denn spielerisch gibt sich der Gitarrist vom einleitenden „Oh Beautiful!“ bis zum abschließenden „So, What Would I Do“ keine Blöße; unterstützt von einer exzellenten Band inklusive Organist und Pianist Reese Wynans und Bläsertrio, getragen zudem von stets klarem, druckvollem Sound bringt Bonamassa alle Songs makellos aufs Parkett.
Überraschender als die Perfektion der Musiker, die sich als Regelfall erwiesen hast, ist an diesem Abend sicherlich die musikalische Marschrichtung: Obwohl man von der Zusammensetzung der Band sicherlich kein klassisches Hard-/Bluesrockset erwartet und auch der Fokus auf „Different Shades Of Blue“ niemanden aus der Bahn werfen sollte, dürfte wohl kaum jemand damit gerechnet haben, dass es am Ende über anderthalb Stunden dauert, bis der erste Song der vier Erfolgsalben „The Ballad Of John Henry“, „Black Rock“, „Dust Bowl“ und „Driving Towards The Daylight“ erklingt. Und dass dieser, eben „The Ballad Of John Henry“, neben „Sloe Gin“ der einzige Song der letzten fünf Alben bleibt. JOE BONAMASSAs musikalisches Spektrum bewegt sich an diesem Abend stattdessen zwischen einer kräftigen Portion Funk und einigen Blues-Covern.
Für Zuschauer, die bereits gut mit den klassischen Setlists Bonamassas vertraut sind, ist das eine erfrischende Abwechslung, zumal dem Gitarristen eine neue musikalische Schwerpunktsetzung kaum zu verdenken ist. Den allerdings, der gehofft hatte, sich auch ein Bild vom allseits bekannten Schaffen des Bluesrockers Bonamassa machen zu können, dürfte die Songauswahl durchaus irritieren.
Nicht zuletzt, weil die neuen Songs weniger als die älteren angetan sind, die Stimmung aufzuheizen, fehlt ein Spannungsbogen innerhalb der Show: Ließ sich beim letzten Gastspiel in München 2013 im Laufe des Sets deutlich wachsender Enthusiasmus konstatieren, der das Publikum beim Rausschmeißer „Just Got Paid“ trotz Bestuhlung fast geschlossen vor die Bühne trieb, bleibt es diesmal bei Szenenapplaus für diverse Solospots und eher nüchternem Jubel. Den Eindruck einer insgesamt unausgewogenen Show scheinen an diesem Abend viele zu gewinnen.

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Obwohl musikalische Frischzellenkuren stets zu begrüßen sind, war die Umsetzung dieser vielleicht etwas zu radikal. Zwar hatte man häufiger als sonst das Gefühl, eine echte Band vor sich zu haben, in der auch der Gitarre keine große Sonderrolle eingeräumt wird. Ob das allerdings ein echter Zugewinn ist bei einem Konzert eines Gitarrenhelden, steht auf einem anderen Blatt. Die Energie und der Spielspaß, die JOE-BONAMASSA-Shows normalerweise auszeichnen, fehlten an diesem Tag jedenfalls. Neben Erwägungen, inwiefern Musiker Erwartungshaltungen der Fans erfüllen müssen oder nicht, bleibt vor allem die Frage nach der musikalischen Zukunft des wohl erfolgreichsten jungen Bluesgitarristen überhaupt.

Bilder: Archivaufnahmen der Show am 03.03.2013 in München


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