Review Lacuna Coil – Comalies

Mit gewohnt düster-melancholischem und teilweise apokalyptischem Sound präsentieren sich die Italiener auf ihrem neuen Werk „Comalies“. Es fällt sofort auf, dass sich Cristina Scabbia’s Stimme im Vergleich zum Vorgänger „Unleashed Memories“ noch mal gesteigert hat und sie gehört sicher zu einer der schöneren Stimmen in diesem Genre.

Zur Sache geht es gleich mit „Swamped“, eine härtere Nummer deren Eröffnungs-Gitarrenriff mich irgendwie an Rammstein erinnert. Sehr schöne Backing Vocals und Refrain von Cristina. Insgesamt ein guter Einstieg ins Album, da sie mal wachrüttelt. Nur Andrea Ferro’s Vocals können mich hier nicht so ganz überzeugen, aber das ist Geschmackssache.

Die nächste Nummer „Heaven’s A Lie“ kommt sehr bombastisch mit Keyboard-Flächen und Streichern im Hintergrund daher. Andrea und Cristina haben hier Rollen getauscht, diesmal singt Cristina die Strophen und Andrea den Refrain. War auf jeden Fall kein Fehler und bei dieser Nummer klingen auch Andrea’s Vocals nicht so gepresst wie bei der Eröffnungsnummer. Insgesamt eine Gänsehautnummer, bei der sich der bombastische Teil mit ruhigeren Zwischenpassagen abwechselt.

Weiter geht es mit „Daylight Dancer“, das sich nach einem ruhigen Keyboard-Einstieg in eine sehr geradlinige, treibende Nummer verwandelt.

„Humane“ ist wieder ein Titel der langsamen, bombastischeren Sorte, unterlegt mit Chor im Hintergrund, Flächen und Streicher.

„Self Deception“ ist für Lacuna Coil Verhältnisse fast schon eine fröhliche Nummer und wird vielleicht auch dem Metal-Freund, der nicht gerade Lacuna Fan ist, etwas geben. Eher leichtere Lacuna-Kost würde ich sagen.

Ja und dann kommt’s: „Aeon“, eine melancholische Ballade ganz ohne Bombast. Doch was passiert da bei 40 sek.? Oh NEIN!! Die CD hängt! So ein Mist denk ich mir noch. Doch die Zeit läuft weiter. Ein Pressfehler? Die Homepage der Lacunas gibt Aufschluss: Es ist ein gewollter (?!?) Effekt. Anscheinend hatten viele das Problem, also musste sogar auf der Homepage darauf hingewiesen werden. Für mich absolut unverständlich, weil er meiner Meinung nach diese an sich schöne Ballade abrupt unterbricht und die Stimmung zerstört. Naja, manche halten es vielleicht für witzig.

Ohne Pause geht es weiter zu „Tight Rope“, einer Nummer deren Eröffnungsriff mich stark an Metallica (Black Album) erinnert. Die Keyboardeinsätze sind hier sehr gelungen und unterstützen.

„The Ghost Woman And The Hunter“ beginnt sehr ruhig und sehr schön und Cristina’s Vocals machen aus dieser Halbballade wieder mal eine Gänsehautnummer. Ruhige Passagen wechseln sich mit einem ein weniger pompösen Refrain ab. Auf Andrea wurde hier verzichtet, was ich auch gut finde, da seine Stimme hier irgendwie nicht passen würde.

„Unspoken“ geht ein wenig in die schnellere Richtung und es hat eine interessante Instrumentierung. Manchen vielleicht ein wenig zu Keyboard-lastig, aber es sind durchaus gute Sounds dabei. Der Chor von Cristina und Andrea beim Refrain klingt nicht mal schlecht, ich hätte nicht damit gerechnet, dass die beiden doch stimmlich so gut zusammenpassen.

„Entwined“ ist eine langsamere Nummer mit Cristina im Hauptpart. Unweigerlich musste ich bei den Strophen an die Cranberries denken, der Gesangsstil ist hier ähnlich. Später kommt Andreas Stimme dazu und sie ist gut eingesetzt finde ich.

„The Prophet Said“ ist wieder mehr Gitarren-betont. Das Instrumentale ist hier sehr gut, nur Andrea fällt ein wenig aus der Rolle. Sein Gesang kann mich hier nicht überzeugen.

Ruhiges Gitarrenspiel mit Effekten und Keyboard-Chören leitet „Angel’s Punishment“ ein. Die Strophen sind hier von Cristina gesprochen und im Refrain shoutet Andrea Death Metal-mäßig. Ein wenig strange, diese Nummer, aber durchaus sehr interessant.

Den Abschluss bildet die Titelnummer „Comalies“, wieder im typischen Lacuna Stil, mit schönen Gitarrenriffs, -melodien, Keyboardflächen und sehr klarer Gesang. Italienisch wechselt sich als Sprache mit Englisch ab und auch der Bassist darf bei den Strophen mal ein wenig in den Vordergrund treten. Für mich eine der schönsten Nummern auf dem Album.

Wen nun wundert, dass eigentlich nicht viel über die Gitarristen und den Drummer geschrieben wurde, dem sei gesagt, dass das Instrumental bei Lacuna Coil sehr kompakt ist, es sind alles klasse Musiker, aber niemand drängt sich eigentlich in den Vordergrund. Die Band kommt gänzlich ohne Gitarren- oder Drumsolos aus, sondern es wird alles zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefügt und es soll eine gewisse Stimmung mit dem Instrumental rübergebracht werden und darauf ist dann der Gesang aufgebaut.

Abschließend würde ich sagen, dass das Album Top ist, ohne eine schlechte Nummer und es würde auch 10 Punkte verdienen, wäre da nicht dieser unsägliche Effekt in Aeon, der irgendwie die Stimmung zerstört und es eine Weile braucht bis sie sich wieder aufbaut. Effekte ja, aber bitte so einen derben Loop das nächste Mal weglassen. Das haut für mich die Wertung ein wenig runter. Trotzdem für mich das beste Lacuna-Album bisher. Speed-Metal-Freaks werden damit sicher nicht glücklich werden, für die sind die Lacunas aber generell nicht zu empfehlen. Für Fans auf jeden Fall ein Muss und für Neugierige, die mal was in die düster-melancholisch-bombastische Richtung hören wollen wäre dieses Album mein Einstiegstipp in die Welt von Lacuna Coil.

(Eddie)

Wertung: 9 / 10

Geschrieben am 5. April 2013 von Metal1.info

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