CD-Review: Lacuna Coil - Black Anima

Besetzung

Cristina Scabbia – Gesang
Andrea Ferro – Gesang
Diego Cavallotti – Gitarre
Marco Coti Zelati – Bass, Keyboard
Richard Meiz – Schlagzeug

Tracklist

01. Anima Nera
02. Sword Of Anger
03. Reckless
04. Layers Of Time
05. Apocalypse
06. Now Or Never
07. Under The Surface
08. Veneficium
09. The End Is All I Can See
10. Save Me
11. Black Anima


Dass härter selbst im Metal nicht automatisch besser bedeutet, haben LACUNA COIL mit ihrer 2016er Platte „Delirium“ bedauerlicherweise allzu deutlich gemacht. Obwohl brachiale Instrumentierungen und Andrea Ferros Growls, die zuvor nur sporadisch („Black Crown Halo“) oder gar nicht („Dark Adrenaline“) ihren Weg in die Alben der Italiener gefunden hatten, nunmehr fester Bestandteil ihrer Songs wurden, konnte „Delirium“ seinen beiden Vorgängeralben nicht das Wasser reichen – von den frühen Gothic-Werken der Band ganz zu schweigen. Die stetig wachsende Hörerschaft, die LACUNA COIL zum Teil wohl erst nach ihrem Schwenk in Richtung modernem Alternative Metal auf „Karmacode“ kennengelernt hat, schien von dem aggressiveren Sound der Platte dennoch angetan zu sein. Es verwundert daher nicht, dass das Quintett diesen Weg auf „Black Anima“ weitergeht.

Die gute Nachricht zuerst: LACUNA COIL haben ihrem seit „Karmacode“ mehr oder weniger konstant fortschreitenden, kreativen Verfall mit „Black Anima“ vorerst Einhalt geboten. Gegenüber „Delirium“ haben sich die Italiener demnach nicht weiter verschlechtert. Was uns gleich zur schlechten Nachricht bringt: Eine Kurskorrektur zeichnet sich auf dem neunten Studioalbum der ehemaligen Gothic-Metaller ebensowenig ab. Das elegante Mittelmaß zwischen gefälliger Eingängigkeit, effektiver Melodik und kleinen, aber feinen, kompositorischen Details, das selbst die schwächeren Alben der Band zumindest bis zu einem gewissen Grad auszeichnete, haben LACUNA COIL immer noch nicht wiedergefunden.

Stattdessen ist die Truppe mehr denn je darum bemüht, die Gegensätze in ihrer Musik möglichst weit auseinanderklaffen zu lassen. So vereinnahmt Ferros zugegebenermaßen ziemlich kräftiger, gutturaler Gesang nicht selten ganze Strophen („Sword Of Anger“) und an der Gitarrenfront bekommt man beinahe ausschließlich stumpfes, unmelodisches Modern-Metal-Chugging zu hören. Demgegenüber stehen Christina Scabbias zwar gewohnt treffsicheren, teilweise jedoch nervtötend hochgepitchten Vocals („Anima Nera“), die pathetische Keyboarduntermalung und die allzu aufdringlichen Electro-Sounds, die LACUNA COIL immer wieder in die Songs einschleusen.

Beinahe möchte man meinen, das Quintett lege es bewusst darauf an, die Grenzen des schlechten Geschmacks auszuloten – etwa mit dem schwülstigen Pseudo-Operngesang auf „Veneficium“ oder den aalglatten Oh-Ah-Chören auf „Apocalypse“. Die soliden Tracks, darunter das halbwegs mitreißende „Sword Of Anger“ und das leicht mysteriöse, erhabene „The End Is All I Can See“, das auch gut auf „Dark Adrenaline“ gepasst hätte, sind hier eindeutig in der Unterzahl. Selbst diese wenigen Lichtblicke auf „Black Anima“ werden allerdings von der furchtbar gekünstelten, leblosen Produktion getrübt, sodass LACUNA COIL sich auch mit jenen nur dürftig über Wasser halten können.

Noch nie klangen LACUNA COIL dermaßen heavy und modern wie auf „Black Anima“ – und noch nie hatten sie musikalisch und lyrisch derart wenig zu sagen. Hatten selbst die umstritteneren Veröffentlichungen der Alternative-Metaller zumindest ein paar hörenswerte Highlights zu bieten, so ist inzwischen jeglicher Zauber, welcher der Musik der Südeuropäer einst innewohnte, verloren gegangen. Ironischerweise ist es gerade Scabbia selbst, die die künstlerische Misere von LACUNA COIL mit ihrem mitleidigen Spoken-Word-Part auf „Save Me“ am Besten auf den Punkt bringt: „And what remains is the shadow of my past / I look in the mirror and hate what I see / I don’t recognize my face anymore and wonder where all my dreams are gone“.

Bewertung: 4 / 10

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