CD-Review: Lacuna Coil - Delirium

Besetzung

Cristina Scabbia – Gesang
Andrea Ferro – Gesang
Marco „Maki“ Coti-Zelati – Gitarre, Bass, Keyboards
Ryan Blake Folden – Schlagzeug
Gastmusiker:
Marco Barusso – Gitarrensolo (Track 01)
Mark Vollelunga (Nothing More) – Gitarrensolo (Track 04)
Myles Kennedy (Alter Bridge) – Gitarrensolo (Track 05)
Alessandro La Porta – Gitarrensolo (Track 10)
Diego Cavallotti – Gitarrensolo (Track 11)

Tracklist

01. The House Of Shame
02. Broken Things
03. Delirium
04. Blood, Tears, Dust
05. Downfall
06. Take Me Home
07. You Love Me ’Cause I Hate You
08. Ghost In The Mist
09. My Demons
10. Claustrophobia
11. Ultima Ratio


2014 haben LACUNA COIL mit „Broken Crown Halo“ ein Album veröffentlicht, mit dem sie zwar (wieder mal) nicht jeden zufriedenstellen konnten, doch nichtsdestotrotz zählt ebenjenes Album noch zu den besseren der späteren Schaffensphase der Italiener. Seitdem hat sich viel getan, beide Gitarristen haben die Band verlassen, deren Platz auf der aktuellen Scheibe „Delirium“ von Bassist/Keyboarder Marco Coti-Zelati eingenommen wurde, der darüber hinaus auch die Produktion übernahm. Außerdem ist es das erste Album mit dem neuen Drummer, Ryan Blake Folden. Doch wie haben sich diese Veränderungen im Line-Up auf die Musik auf dem nunmehr achten Album der Gothic-/Alternative-Metaller ausgewirkt?

Ob es in diesem Fall wirklich eine Kausalität zwischen Line-Up- und musikalischen Veränderungen gibt, ist natürlich Spekulation, aber es lässt sich zweifelsfrei sagen, dass es sich um ein sehr hartes – wenn nicht sogar das bis dato härteste – Album von LACUNA COIL handelt. Das Verhältnis zwischen Growls und Cleans ist nun zugunsten ersterer wesentlich ausgeglichener, außerdem haben die Gitarren um einiges mehr Durchschlagskraft. Darin liegt jedoch bereits das größte Problem mit „Delirium“. Schon im ungewohnt brutalen Opener „The House Of Shame“ fällt nämlich auf, dass die Saiteninstrumente weitergehend sehr unmelodisch gespielt werden.
Das ständige Chugging geht innerhalb kürzester Zeit auf die Nerven, daran ändern leider auch die zahlreichen Gastsoli nichts, die vielmehr die Frage aufwerfen, ob LACUNA COIL nicht vielleicht doch einen neuen Gitarristen hätten suchen sollen. Die schönen, stimmungsvollen Gothic-Melodien der früheren Alben hört man hier nur noch selten und auch nur in Ansätzen, sodass sich die Italiener nun fast gänzlich von dem schwermütigen Genre verabschiedet zu haben scheinen. Das gilt leider auch für die Vocals, die trotz der neuen Ausrichtung enttäuschend unspektakulär ausgefallen sind.
Der kurze, geradezu verwerflich simple Titeltrack weiß noch am ehesten zu gefallen, ansonsten bleibt jedoch kaum etwas hängen, was keinesfalls daran liegt, dass die übrigen Tracks so komplex wären. Vielmehr lassen LACUNA COIL einfach die zündenden, mitreißenden Melodien vermissen, die Kinderliedpassagen in „Take Me Home“ und die poppigen Gesänge in „You Love Me ´Cause I Hate You“ und „My Demons“ kann man sogar getrost als nervig bezeichnen. Während den immer öfter eingesetzten Electro-Sounds zumindest ein gewisses Potential innewohnt („Ghost In The Mist“), sind die hintergründigen, symphonischen Keyboards einfach nur unterwältigend. Plumpe Texte wie zum Beispiel jene in „Claustrophobia“ sind also nur die Spitze des Eisberges.

„Delirium“ ist alles in allem also nicht nur das vielleicht härteste, sondern womöglich auch das schlechteste Album von LACUNA COIL. Die Italiener hatten seit „Karmacode“ immer mehr oder weniger mit Kritik zu kämpfen, aber es war nicht zu leugnen, dass auch die neueren Platten einiges für sich hatten. Hier gibt es hingegen kaum noch etwas zu finden, das man den Italienern zugutehalten könnte. Es bleibt also sehr zu hoffen, dass die Band bei ihrer nächsten musikalischen Kursänderung wieder etwas kreativer zu Werke geht. Mehr Härte ist ja schön und gut, aber das allein reicht nun mal bei weitem nicht.

Bewertung: 4 / 10

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