Review Lacuna Coil – Karmacode

LACUNA COIL sind eine der bekanntesten Bands dieses Genres und man kann getrost sagen, dass „Karmacode“ mehr als herbeigesehnt wurde. Würden die Italiener an vergangene Glanztaten anknüpfen können? Ich denke, sie haben die Anwort glasklar auf diese Frage gegeben. Sie lautet: Nein, können sie nicht.

Das Problem besteht hauptsächlich darin, dass LACUNA COIL 2006 nicht mehr so erfrischend und kreativ klingen wie zuvor. Man merkt, es sind LACUNA COIL, ihr spezieller Sound ist hier also vorhanden, doch was hilft das ohne einschlagende, umwerfende Ideen? Im Großen und Ganzen sind die Songabläufe zu vorhersehbar, nutzen sich zu schnell ab. Hier ist alles arg glatt geschliffen, irgendwie seelenlos, etwas von essentieller Bedeutung ist auf dieser Scheibe nicht vorhanden. Was mir ausserdem noch in den Sinn kommt ist, dass LACUNA COIL eine leichte Nu Metal-Brise eingebracht haben. Okay, darüber ließe sich jetzt streiten aber diese passt hier nicht gerade gut hinein, wirkt eher destruktiv.
Fangen wir bei Cristina an; viel zu wenig Parts, die nur von ihrer Stimme verziert werden, sind vorhanden. Hinzu kommt, dass diese verzaubernde Magie ihres Gesangs nicht mehr so in den Bann zu ziehen vermag wie auf den anderen Alben. Sie biedert sich dem 08/15-Gesang unzähliger Kolleginen an, absolut bedauerlich. Andrea ist hier leider mehr oder weniger blass geblieben, sein ergänzender Sang bleibt frei von Konturen, ist sogar manchmal kontraproduktiv und zieht Cristinas Leistung, die alles in allem freilich dennoch gut ist, teilweise richtig verzückend, mit hinunter. Ach, lassen wir das Negative des Werkes ruhen, kaum ein Lied kann sich hier empfehlen, „Fragments of Faith“, „Devoted“ und wie sie alle heissen, klingen wie Einheitsbrei und könnten von jeder anderen Band sein.
Definitiv gelungen ist das Depeche Mode-Cover „Enjoy The Silence“ und „Without Fear“. Letztes ist eher ein ruhiger Song und wirkt vor allem dadurch und durch den Faktor Cristina singt fast nur alleine. „Enjoy the Silence“ ist vielleicht der untypischste Song auf „Karmacode“, doch das macht ihn umso interessanter. Vermutlich ist es einfach, weil das Original von Depeche Mode ist und man ihn wohl anders, angemessener gestalten wollte. Das Stück ist einfach mitreissend, appelliert an das emotionale Bewusstsein des Hörers, ein einfach schönes Lied, bezaubernd.

Zusammenfassend kann man „Karmacode“ getrost als eine der Enttäuschungen des Jahres deklarieren. Ich wünschte, man hätte sich bloß hineinhören müssen, doch in diese vertonte Langeweile gibt es nichts hineinzuhören. Bezeichnend, dass eine Cover-Version einen der attraktivsten Tracks auf dem Album darstellt. Wäre der Rest wenigstens ansatzweise von dieser Art gewesen, so bliebe einem totale Ernüchterung erspart.

Wertung: 5.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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