Review Lyfthrasyr – The Recent Foresight

Meine Kenntnis der Edda ist ungefähr so umfangreich wie der Eintrag unter dem Stichwort „Garagenbau“ im Branchenbuch für Limburg und Umgebung (heiliger Bimbam, ein einziger Garagenbauer… okay, etwas umfangreicher vielleicht schon… und nehmt meinen höchst innovativen Vergleich gerne wohlwollend auf, ich bin eben extra durch’s Haus gelaufen, um das doofe Ding zu suchen), was ich irgendwo mal aufschnappte ist, dass Lifthrasir wohl irgend eine Gottheit oder so ist/war (das weiß ich allerdings aus anderer Quelle, namentlich der Band Lifthrasireon). Dementsprechend versprach ich mir von der deutschen Formation LYFTHRASYR wohl eher naturmystisches Zeugs, vielleicht irgendwo noch mit einem Bein im Pagansumpf drin, ich denke ihr versteht, was ich meine. Zerstreut wurde dieser Verdacht dann allerdings durch ein Review, das ich über sie laß, das mit irgend was wie „Awesom Cyber-Tech Dark Metal“ überschrieben war. Was zum Geier ist „Cyber Metal“?

„Achsoooo, das ist Cyber-Tech Dark Metal“, schoss es mir durch den Kopf, als ich zum ersten Mal ein Ohr in „The Recent Foresight“, das zweite Album der 2002 gegründeten Band aus Karlsruhe, riskierte (und es in der Konsequenz beinahe verlor). Trotzdem blieben die Fragezeichen in meinen Augen bestehen. Was bitte ist das, was hier auf CD gepresst wurde? Ich höre die Scheibe gerade zum keine Ahnung wievielten Mal und wirklich einwandfrei kann ich es immer noch nicht beschreiben. Aber versuchen wir doch irgendwie mal in Worte zu fassen, wie die Klangkunst des Dreiers (von dem zwei Drittel ungefähr so aussehen wie eine sauber rasierte, zehn Jahre jüngere Zweitbesetzung von Rotting Christ und das dritte Rad am Wagen so ähnlich wie eine dünnere Ausgabe von Kim Bodnia mit Nieten) denn so… äh… klingt.

Naja, der treffendste Vergleich dürfte wohl das Kind sein, das dabei rauskommen könnte, wenn mittelalte Samael mit mittelalten Satyricon in die Kiste gehüpft wären. Heftig getriggerte Drums treffen auf sägende Gitarrenriffs, Gekeife der Marker Satyr ungefähr zu Zeiten der „Volcano“ (nur manchmal etwas höher) und ein Keyboard, das die vollen 40 Minuten, die die Scheibe dauert, die selbe Melodie spielt. Und so unglaublich das jetzt klingen mag: Es klingt geil. Ja, wirklich. Nicht perfekt, nicht großartig, nicht unglaublich, aber schlicht und ergreifend geil.

LYFTHRASYR machen Musik, die gerne mit dem Kopf durch die Wand gehen würde (oder den Hörer auf diese Art und Weise in den nächsten Raum befördern möchte) und das gelingt ihnen auch ziemlich gut. Das Material auf „The Recent Foresight“ ist ziemlich heftig und durch die anklingende industrielle Ausrichtung gleich noch mal ein Stück fieser. Jau, das Prädikat „Cyber-Tech Dark Metal“ (vielleicht wird die Genrebezeichnung etwas weniger holprig, wenn ich sie noch drölfzig mal erwähne) passt schon irgendwie ganz gut. Meistens ist man im Uptempo unterwegs, die Bassdrum kommt quasi nie zur Ruhe, Sänger Aggreash tobt sich auch aus, ob es Gekeife, düsteres Growlen oder – wie in den ruhigeren Parts am Anfang von „Rage Towards Apathy“ oder im Mittelteil von „Servants In Silent Devotion“ – auch mal eine geflüsterte Gesangsart ist, das macht alles einen durchweg guten Eindruck. Die Produktion zieht mit und verleiht dem Material eine wirklich heftige Durchschlagskraft.

Aber ach, es klang schon einmal an, es muss wohl ausgeführt werden: Auf „The Recent Foresight“ klingt leider viel zu viel gleich. Nämlich eigentlich jeder Track (außer vielleicht das Intro „The Addiction To Peace“ und das etwas klassischere „Visions Of Hope And Despair“), die Riffs klingen wie aus der Klonmaschine und das Keyboard spielt tatsächlich die ganze CD über fast die gleiche Melodie, sogar die erst befremdlich wirkenden ruhigen Breakdowns werden des öfteren kopiert. Zu gleichförmig prügeln LYFTHRASYR sich durch die acht Stücke, zu wenig Abwechslung wird geboten, schade drum. Ein Beinbruch ist das glücklicherweise nicht, denn so eine Soundmischung, wie der Dreier sie hier abfeiert, ist mir noch nie untergekommen und hat daher eine Art Innovationsbonus verdient (es klingt halt alles gleich, aber doch recht frisch und nicht wie schon tausend mal gehört), aber es wäre einfach mehr drin gewesen. Dennoch gute:

Wertung: 7.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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