CD-Review: Meshuggah - Chaosphere

Besetzung

Jens Kidman – Gesang
Marten Hagstrom - Gitarre
Fredrik Thordendal - Gitarre
Dick Löwgren - Bass
Tomas Haake – Schlagzeug, Gesang

Tracklist

01. Concatenation
02. New Millennium Cyanide Christ
03. Corridor of Chameleons
04. Neurotica
05. Mouth Licking What You've Bled
06. Sane
07. Exquisite Machinery of Torture
08. Elastic


MESHUGGAH sind bekannt für künstlerisch-kreativ angehauchten Metal, der auch gerne mal in verrücktere Gebiete stößt. Dabei macht sich eines bemerkbar: Meshuggah ist nicht für jedermann. Das 1998 erschienene Album „Chaosphere“ macht da keine Ausnahme und legt dementsprechend los.

„Concatenation“ beginnt mit ungehemmten Gitarren, polyrhythmischen Drums und überdrehten Effekten. Nach einer halben Minute legt sich das erste Getöse, es geht aber nur wenig gemäßigt weiter. Nach zwei Minuten die nächste Glanztat: die Keyboards sind perfekt in den Song eingearbeitet, sind Anfangs noch wild, werden aber ruhiger, bis sie dann wieder zur Gänze verschwinden. Doch das Beste am ganzen Song ist der Schlussteil – ein musikalisches Inferno tut sich dem Hörer auf und legt eine Härte an den Tag, die man in dieser Form nur äußerst selten zu hören bekommt. Nicht viel anders macht es „New Millennium Cyanide Christ“. Der Track ist sogar noch eine Spur härter. Der Takt am Anfang des Stücks ist wieder aller erste Sahne und bietet kaum einen Schwachpunkt. Zu all dem kommt noch, dass sich dieser Song nur im Mid-Tempo bewegt, zu keinem Zeitpunkt wird es hektisch. „Corridor of Chameleons“ ist wieder ein schnellerer Track, auch der Gesang wirkt sehr schnell, dennoch kontrolliert. Mir fällt bei diesem Song besonders auf, dass sich der Gesang polyrhythmisch zu den Gitarren verhält, ich bewege mich momentan auf musikalischem Neuland. MESHUGGAH unterscheidet sich von allen anderen Bands, das steht fest. Track Nr. 4, „Neurotica“, bestätigt dies erneut und zeigt mir, dass MESHUGGAH auch im straighten Songwriting verdammt gut sind. Der Song ist nicht ganz so verschachtelt wie bisher, was aber nicht bedeutet, dass der Song weniger anspruchsvoll ist. Manchmal scheint es so, als würde sich die Musik wiederholen, doch das Gefühl der Langeweile kommt nie auf.

„Mouth Licking What You’ve Bled” erinnert dann ein klein wenig an den ersten Track, so schnell und verrückt geht es hier zu Sache. Dann der Clou: nach einer Minute scheint sich Gitarrist „Thordendal“ seine Finger zu brechen, als er den cleanen Sound durch ein (bzw. mehrere) Effektgerät(e) jagt. Mann, hat’s der drauf. „Sane“ geht die Sache dann wieder sehr vertrackt an, aber genau das wollen wir doch, oder? Auch hier gibt der Lead Gitarrist wieder sein Bestes, und so erzeugen die Schweden eine wunderbare Kombination aus langsamen Teilen gepaart mit extremer Geschwindigkeit und einer großen Portion madness. Bei Minute 2:44 dann aber der absolute Höhepunkt: das bewährte Stereo-Spielchen welches in dieser Ausführung aber gewaltigeren Druck ausübt als üblich. Das schindet Eindruck. Track 7, „Exquisite Machinery Of Torture”, ist (endlich) wieder ein bisschen ruhiger. Die Strophen stechen besonders durch den Gesang hervor und werden perfekt von Gitarre und Schlagzeug begleitet. Im Mittelstück dann eine Art Solo und abermals eine neue Art des Gesangs. Zwar dauert der Song fast vier Minuten, doch scheint er mir viel zu kurz. Erst jetzt merke ich, dass ich schon beim letzten Track angelangt bin. Dieser beginnt mit einem guten Instrumentalstück, ehe der wütende Sprechgesang „Kidman’s“ einsetzt. Bei Minute 4 dann ein schier unbeschreibliches Stück Kunst. Der schrille Gitarren-Effekt begleitet das Schlagzeug, oder umgekehrt? Egal, es überzeugt in all seiner Ausgeprägtheit und endet in einer Übersteuerung mehrerer Effektgeräte. Fünf Minuten lang ein wirklich grauenhaft klingender Sound, der bei zu hoher Lautstärke so manchen Gegenstand im Raum in Resonanz bringt – bis bei Minute 11:30 plötzlich ein musikalischer Orkan entsteht. Ich weiß nicht wie viele Spuren dafür gebraucht wurden, es hat auf jeden Fall nichts mit Zurückhaltung und Kontrolle zu tun. Einfach nur krank!

Krank, das mag für einzelne Stellen zutreffen, aber nicht für das komplette Album. Diese CD bewegt sich zwischen stilistischer Genialität und musikalischer Groteske. Ich denke allerdings, dass ich keine angemessenen Worte finde um das soeben erlebte wiederzugeben. So kann ich nur, jedem der progressive Musik bevorzugt, raten, sich dieses bzw. auch andere MESHUGGAH-Alben zuzulegen.

Bewertung: 9 / 10

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