CD-Review: Metal Church - Classic Live (Re-Release)

Besetzung

Mike Howe - Gesang
Kurdt Vanderhoof - Gitarre
Rick Van Zandt - Gitarre
Steve Unger - Bass
Jeff Plate - Schlagzeug

Tracklist

01. Beyond The Black
02. Date With Poverty
03. Gods Of Second Chance
04. In Mourning
05. Watch The Children Pray
06. Start The Fire
07. No Friend Of Mine
08. Badlands
09. The Human Factor


Sieht man vom nur in Japan erhältlichen „Live In Japan“ sowie dem obskuren Video „Dynamo Classic Concerts 1991“ ab, die beide schlecht bis gar nicht mehr zu finden sind, dann haben die Speed-Metal-Pioniere METAL CHURCH genau ein Live-Album, nämlich das legendäre „Live“ von 1998. Das ist überraschend, zumal die Truppe aus San Francisco doch eine ebenso umtriebige wie geschätzte Live-Band ist. „Classic Live“ soll diesem Umstand nun Abhilfe schaffen, wobei die Veröffentlichung 2020 in die Irre führt: „Classic Live“ beinhaltet entgegen seinem Titel kein Live-Material aus grauer Vorzeit, sondern wurde 2016 nach der Rückkehr von Sänger Mike Howe mitgeschnitten. Auch handelt es sich hier um keinen neuen Release, denn „Classic Live“ erschien ursprünglich schon 2017 und wird nun lediglich neu aufgelegt.

Warum heißt „Classic Live“ also so, wenn es doch gar kein Klassiker ist? Weil METAL CHURCH hier zumindest ausschließlich Live-Versionen ihrer Klassiker verewigt haben, denn das Material dieser Live-Scheibe stammt durchweg von ihren ersten vier Alben. Da ergibt es Sinn, dass „Classic Live“ keinen vollständigen Konzertabend wiedergibt, sondern aus verschiedenen Aufnahmen der gesamten 2016er Tour zusammengestückelt wurde. Vermutlich bedienten METAL CHURCH damals ihr gerade veröffentlichtes neues Album „XI“ im Live-Betrieb und streuten nur hier und da ein paar Klassiker ein. Schön ist das nicht, denn bei derartigem Flickwerk leidet oft die Atmosphäre. Wenn man aber nicht gerade Iron Maiden heißt, fällt es eben schwer, eine reine Klassiker-Tour zu realisieren.

Die Soundqualität des Dargebotenen geht absolut in Ordnung. METAL CHURCH klingen auf „Classic Live“ standesgemäß roh und entfesselt, wobei sowohl genügend Publikum als auch Raumanteile zu hören sind, um für die nötige Live-Atmosphäre zu sorgen. Man kann argumentieren, dass das Ganze etwas tiefer, basslastiger und dumpfer als in der Studio-Vorlage klingt, wenn das aber nun mal der Sound der Band auf dieser Tour war, ist das völlig okay. Neben der wie immer saustarken Band brilliert dabei vor allem der zurückgekehrte Mike Howe, der sich hier als absolute Stimmgewalt präsentiert und zu keiner Zeit auch nur einen Viertelton daneben liegt – das ist wirklich stark! Selbst die unterschiedlichen Aufnahmeorte der einzelnen Songs ziehen das Live-Gefühl nicht so sehr in Mitleidenschaft wie eingangs befürchtet, denn die einzelnen Nummern wurden so gut ineinandergeschnitten, dass „Classic Live“ tatsächlich wie aus einem Guss klingt.

Die Songauswahl von „Classic Live“ ist dabei ebenso nicht verkehrt: Neben ihren unverzichtbaren ersten beiden Alben tragen METAL CHURCH hier – natürlich – vor allem der Mike-Howe-Ära Rechnung, wobei das grandiose „The Human Factor“ mit drei Songs im Fokus steht. Schön auch, dass ebenso das nicht minder gelungene „Hanging In The Balance“ mit immerhin zwei Songs vertreten ist. Dabei ist es fast schon mutig, dass die Herren auf eine weitere Version des großartigen – aber totgenudelten – „Conductor“ verzichtet haben. Die vor drei Jahren veröffentlichte Ur-Fassung von „Classic Live“ enthielt obendrein noch eine von Queensryche-Frontmann Todd La Torre gesungene Studioversion von „Fake Healer“ – dass für die Neuauflage auf diese Nummer verzichtet wurde, stört nicht im Geringsten, zumal METAL CHURCH den Song bereits für ihre unlängst veröffentlichte B-Seiten-Sammlung „From The Vault“ aufgewärmt haben.

Wer „Classic Live“ noch nicht im Plattenschrank hat, sollte sich die Anschaffung tatsächlich überlegen. Ähnlich wie auf ihrem Referenzwerk „Live“ bedienen sich METAL CHURCH zwar auch hier der Aufnahmen von verschiedenen Konzerten, genau wie auf besagter Platte stört das aber nicht, wenn man dieses Wissen ausblendet. Neben der gelungenen Songauswahl ist vor allem die herausragende Leistung von Mike Howe ein Grund für den Erwerb, denn der Mann klingt hier so energetisch, als wäre seine 20-jährige Abwesenheit bestenfalls ein böser Traum gewesen. Trotzdem: METAL CHURCH haben sich jetzt genug auf ihren Lorbeeren ausgeruht, als Nächstes gibt’s entweder ein neues Album oder eine Live-CD mit aktuellen Songs, klar?

Keine Wertung

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