CD-Review: Metal Church - From The Vault

Besetzung

Mike Howe - Gesang
Kurdt Vanderhoof - Gitarre
Rick van Zandt - Gitarre
Steve Unger - Bass
Stet Howland - Schlagzeug

Tracklist

01. Dead On The Vine
02. For No Reason
03. Conductor
04. Above The Madness
05. Mind Thief
06. Tell Lie Vision
07. False Flag
08. Insta Mental
09. 432 Hz
10. Please Don't Judas Me (Nazareth-Cover)
11. Green Eyed Lady (Sugarloaf-Cover)
12. Black Betty (Ram-Jam-Cover)
13. Fake Healer
14. Badlands
15. The Enemy Mind
16. The Coward


Hurra, ein neues Album von METAL CHURCH! Na ja, nicht so ganz, aber in schweren Zeiten wie diesen muss man dankbar sein für alles, was man bekommt. Zwei Jahre nach ihrer letzten Platte „Damned If You Do“ haben die einstigen Speed-Metal-Pioniere zwar kein ausgewachsenes Album auf Lager, aber doch immerhin so tief in die Mottenkiste gegriffen, dass dabei allerhand bisher ungehörtes Material zum Vorschein kam. Damit ist „From The Vault“ so etwas wie eine „erweiterte EP“, denn die Platte enthält neben einigen komplett neuen Songs auch noch Überbleibsel aus den Sessions zu ihrem letzten Album sowie die für solcherlei Zusammenstellungen obligatorischen Cover-Versionen und B-Seiten. Damit beinhaltet „From The Vault“ bereits mehr Neues als vergleichbare Übergangs-Veröffentlichungen anderer Bands und kann durchaus eine ganz spannende Angelegenheit werden.

Den Anfang machen die seit „Damned If You Do“ neu geschriebenen Songs. Als erstes fällt auf, dass den Nummern ein weitaus fetterer, wuchtigerer Sound spendiert wurde. „Damned If You Do“ mag inhaltlich das gewohnt hohe Niveau von METAL CHURCH locker erreicht haben, aber der dünne, drucklose Klang der Platte trübte das Hörvergnügen enorm – dieser Lapsus wurde hiermit korrigiert und es steht der Band weit besser. Die Neukompositionen auf „From The Vault“ zeigen METAL CHURCH dabei von ihrer besten Seite: „Dead On The Vine“, „For No Reason“ und „Above The Madness“ entpuppen sich jeweils als treibende Uptempo-Nummern, in denen die Truppe wie immer gekonnt thrashige Bissigkeit mit rockiger Coolness verbindet. Mit „Conductor“ findet sich hier zudem eine von der aktuellen Besetzung neu eingespielte Version eines der besten METAL-CHURCH-Songs überhaupt. Die hat auch 17 Jahre nach Erstveröffentlichung nichts von ihrem Charme verloren, weil die Nummer aber auch damals schon gut klang und mit Mike Howe am Mikro aufgenommen wurde, war eine Neuauflage nicht unbedingt zwingend.

Etwas abwechslungsreicher wird es im „zweiten Teil“ von „From The Vault“, der sich aus übriggebliebenen Songs zu „Damned If You Do“ zusammensetzt. Hier gibt’s mit „Mind Thief“ eine ziemlich cool dahingroovende Midtempo-Hymne, die zu aller Überraschung einen unerwartet erhebenden Refrain und beeindruckende Twin-Gitarren auffährt. Mit „False Flag“ findet sich obendrein ein düsterer Stampfer und das progressiv angehauchte „Tell Lie Vision“ ist vermutlich die einzige Nummer auf „From The Vault“, die sich tatsächlich wie eine B-Seite anfühlt. Und METAL CHURCH wissen noch mehr zu überraschen, denn mit „Insta Mental“ und „432 Hz“ enthält die Scheibe auch noch zwei Instrumentalstücke, das erste heavy mit toller Gitarrenarbeit und das zweite ungewohnt perlend und anschmiegsam mit seichter Akustikgitarre – es ergibt durchaus Sinn, diese Titel zugunsten vollwertiger Songs nicht auf ein Album zu packen, hörenswert sind sie dennoch.

Für die Cover-Versionen tauchen METAL CHURCH sodann in die 70er ein und nehmen sich stilbildendes Material von Nazareth, Ram Jam und Sugarloaf vor. Das Higlight ist hier klar deren 1970er Hit „Green Eyed Lady“. Einerseit ist es immer cool, wenn Classic Rock mit moderner Wucht interpretiert wird, zudem passt das raue Organ von Mike Howe zu diesem Song wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Die Nazareth-Nummer „Please Don’t Judas Me“ ist musikalisch superb umgesetzt, allerdings passt Frontmann Howe hier trotz hörbarem Einsatz nicht wirklich zum Stil des Songs und „Black Betty“ wurde in den letzten 40 Jahren bereits totgecovert. Den Abschluss bilden einige B-Seiten, besonders erwähnenswert ist hier die ursprünglich auf „Classic Live“ enthaltene Neuaufnahme von „Fake Healer“ mit Queensryche-Frontmann Todd LaTorre am Gesang.

Bands mit weniger Selbstbewusstsein hätten „From The Vault“ als neues Album verkauft und das wäre gar nicht so falsch gewesen – unterm Strich finden sich hier zehn vollwertige bisher ungehörte Songs, was bereits locker reguläre Albumlänge erreicht. METAL CHURCH sind zu ihren Fans aber lieber ehrlich und bieten das Material als das an, was es ist: Eine Kombination aus Neuem und Übriggebliebenem. Die Studiosongs fallen dabei durch die Bank hochwertig aus, weshalb „From The Vault“ allein hier schon seine Daseinsberechtigung erhält. Hinzu kommen durchaus unterhaltsame, wenn auch nicht unbedingt originelle Cover-Nummern und ein paar B-Seiten und fertig ist eine ziemlich abwechslungsreiche Sammlung an hochwertigem METAL-CHURCH-Material. Ja, nicht alles daran ist wirklich neu, aber dieses Beinahe-Album ist mehr als geeignet, um die Wartezeit zur nächsten „echten“ neuen Studioplatte der Band zu überbrücken.

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Bewertung: 7.5 / 10

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