CD-Review: Miseration - The Mirroring Shadow

Besetzung

Christian Älvestam – Gesang
Jani Stefanovic – Gitarre
Marcus Bertilsson – Gitarre
Johan Ylenstrand – Bass
Rolf "Stuka" Pilve – Schlagzeug

Tracklist

01. Dreamdecipher
02. Blueprinted Aeon Collapse
03. Voyaging The Seas Of Thought
04. The Mirroring Shadow
05. A Trail Blazed Through Time
06. Dimorphic
07. Sulphury Sun
08. Imago 2.0
09. Theca


Es gibt immer wieder Menschen, die einfach nicht genug haben können, nach einem Projekt schon längst das nächste am Start haben und bei denen der Tag mehr als 24 Stunden zu haben scheint. Um genau solche Workaholics handelt es sich bei Christian Älvestam und Jani Stefanovic. Wo Ersterer neben unzähligen Projekten vor allem als Sänger von Scar Symmetry und neuerdings The Few Against Many von sich Reden machen konnte, erlangte Zweiterer mit seinen Bands DivineFire und Solution .45 zu Bekanntheit. Beide fanden sich 2006 unter dem Namen MISERATION zusammen und veröffentlichten im Folgejahr das Debüt „Your Demons – Their Angels“. Nun, zwei Jahre später, schlüpfte der nächste Studiooutput „The Mirroring Shadow“ aus dem metallischen Ei.

Mit ordentlich Eiern in der Hose tritt dann auch ohne große Vorwarnung der Opener „Dreamdecipher“ aufs Gaspedal. Ebenso schnell wird klar: MISERATION haben die Melodie größtenteils aus ihrem Death Metal gestrichen, sich mit der aktuellen Scheibe eindeutig der härteren Gangart gewidmet. Mit abgehacktem Gesang, der sich den wechselnden Rhythmen anpasst, ebnet „Blueprinted Aeon Collapse“ den Weg für das Groove-Monster „Voyaging The Seas Of Thought“. Hierin offenbart sich auch die Vielfältigkeit, die die Musiker durch ihre verschiedene Projekte und andere Erfahrungen in anderen namenhaften Bands in MISERATION einbringen können. Besonders das Schlagzeugspiel von Rolf „Stuka“ Pilve (Astral Sleep, Status Minor) weiß dadurch zu gefallen, dass es sich nicht in den Vordergrund drängt und dafür hintergründig für eine ordentliche Portion Schubkraft sorgt.

Den zweiten, deutlichen Pluspunkt gewinnt „The Mirroring Shadow“ durch die beklemmende Atmosphäre, die teilweise im Zusammenspiel zwischen Keyboard/Synthesizer und der Gitarrenarbeit der Herren Stefanovic und Bertilsson (spielt zusammen mit Bassist Johan Ylenstrand auch bei Inevitable End) heraufbeschworen wird. Zudem werden durch wiederkehrende Gitarrenthemen, wie sie „Dimorphic“ beinhaltet, rote Fäden über die gesamten 36:06 Minuten Spielzeit gesponnen.Ein kleiner Wermutstropfen macht sich aber immer dann bemerkbar, wenn zwei Gesangsspuren übereinandergelegt werden – aus welchem Grund auch immer. Das Growl-Organ von Christian Älvestam reicht schließlich vollkommen aus und bedarf eigentlich keiner solcher Effekte. So verspielt sich „The Mirroring Shadow“ dadurch auf die Dauer leider etwas an Sympathie. Übrig bleibt dennoch ein überwiegend positiver Gesamteindruck. Bemerkenswert ist übrigens auch, dass das Zweitlingswerk der Schweden zu einem großen Teil von Jani Stefanovic selbst produziert worden ist und Soundmann Tomas „Plec“ Johansson in seinen Panic Room Studios nur noch Schützenhilfe leistete.

Es ist kaum überraschend, dass die beiden MISERATION-Masterminds Älvestam und Stefanovic die Zeichen der Zeit erkannt und dem Melodic Death Metal abgeschworen haben. Beide sind schon zu lange im Geschäft, um nicht zu merken, wenn eine Sache nicht mehr rund läuft; und genau das war bei MISERATION der Fall. „Your Demons – Their Angels“ zündete schlicht und ergreifend nicht genug, um dem Talent dieser beiden Ausnahmemusiker gerecht zu werden. Mit dem Wechsel zur härteren Gangart haben sich beide deswegen ohne Zweifel einen großen Gefallen getan. „The Mirroring Shadow“ ist kein perfektes Album, gibt aber einen guten Einblick in die Kreativität der beiden Köpfe hinter der Band und macht definitiv Lust auf mehr. Bis zum nächsten Album der Skandinavier dürfen Freunde des schwedischen Death Metals beruhigt ein Ohr in MISERATION riskieren. Bereuen werden sie es kaum.

Bewertung: 8 / 10

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