Interview mit Jani Stefanovic von Miseration

MISERATION dürfen sich derzeit über die Veröffentlichung ihres Zweitlingswerks „The Mirroring Shadow“ freuen. Wir nutzten die Gelegenheit und baten Jani Stefanovic, MISERATION-Mastermind, musikalischer Allrounder und Workaholic, zum Interview. Was er über das neue Album, seine Umtriebigkeit, neugefundene Neutralität der Band und Tour-Ausschlag zu sagen hat, lest ihr im Folgenden.

Hallo Jani! Vielen Dank für das Interview. Wie geht’s dir denn heute?
Mir geht’s ausgezeichnet, danke dir! Wir haben den Sommer über intensiv an MISERATION gearbeitet und derzeit arbeite ich an einem Album für meine andere Band, Solution.45. Das ist viel Arbeit, aber mir geht’s dabei echt gut!

Zu allerst möchte ich dir zu „The Mirroring Shadow“ gratulieren, es ist wirklich eine Überraschung geworden.
Danke! Wir sind sehr zufrieden damit und hören praktisch nur Positives von den Leuten. Das macht uns wirklich glücklich.

Es strichen drei Jahre seit eurem Debüt-Album „Your Demons – Their Angels“ ins Land. Was habt ihr alle in der Zwischenzeit so getrieben?
Wir haben schon vor einiger Zeit ein paar Demos aufgenommen und dann mit einigen verschiedenen Ideen herumexperimentiert. Dabei haben wir schnell gemerkt, dass die Resultate deutlich aggressiver und Death Metal-orientierter waren als unsere letzte Scheibe. Die haben wir außerdem wiederveröffentlicht und dann ein paar Auftritte organisiert. Wir waren im Mai auf einer kleinen Tour durch ein paar nordeuropäische Länder wie Holland und Deutschland. Als wir dann wieder daheim waren, begannen wir mit den Aufnahmen zu „The Mirroring Shadow“ – verschiedene Teil wurden also über einen langen Zeitraum hinweg aufgenommen.

Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen dem aktuellen und dem letzten Album?
Es ist hauptsächlich aggressiver und technischer. Gleichzeitig kannst du aber immer noch etwas der alten Vibes herausholen, es ist stellenweise immer noch melodisch und sehr atmosphärisch. Wir haben ein paar Anleihen verschiedener Genres verarbeitet; wie beispielsweise auch vom Black Metal, wie schon auf unserem Debüt.

Hört sich an, als wäre das nicht nur durch Zufall so geschehen.
Ja, ich würde auch sagen, dass es ein teilweise natürlich und ein teilweise gewollter Schritt war. Es hat sich sehr natürlich angefühlt, aggressivere Musik zu schreiben. Die meisten Songs des Debüts waren sehr alt und wurden erst später veröffentlicht. Das fühlte sich jetzt nicht mehr richtig an, weswegen wir uns dazu entschieden, den cleanen Gesang komplett zu streichen. Es klingt jetzt nach älterem Death Metal, nicht mehr ganz so modern.

A propos „modern“ – das Coverartwork sieht echt gut aus. Es erinnert mich allerdings an eine moderne Fassung des Turms aus „Herr der Ringe“.
Ja, tatsächlich… Stimmt ja! (lacht) Allerdings habe ich keine näheren Kenntnisse darüber. Wir haben dem Macher des Artworks gesagt, dass wir nichts wollten, was eine zu offensichtliche Botschaft hat. Deswegen erkennst du darauf auch keine Menschen, die irgendetwas bestimmtes machen – das hätte Platz zur Interpretation genommen. Wenn es dich also an den Herr der Ringe erinnert, ist das natürlich vollkommen okay. Wenn jemand anderes denkt, dass es einfach ein… ich weiß nicht… Turm ist (lacht), ist das genau so schön. Das Wichtige am Artwork ist die Dunkelheit, weißt du – wir wollten einfach eine dunkle Atmosphäre damit vermittelt haben.

Was bedeutet denn der Albumtitel „The Mirroring Shadow“ für dich persönlich?
Damit sind in erster Linie verschiedene existierende Realitäten gemeint, wenn man das so nennen kann. Leben wir alle in der Realität, die wir gerade sehen und erleben? Oder gibt es eine auf der anderen Seite nach dem jetzigen Leben? Gibt es so etwas überhaupt? Telefonieren wir gerade wirklich miteinander oder ist das nur eine Illusion? „The Mirroring Shadow“ ist eine Art dieser Fragestellung.

Ihr habt wieder mit Tomas Johansson zusammengearbeitet und er ein weiteres Mal einen tollen Job gemacht. Könnt ihr euch vorstellen, für das nächste Album aber mit einem anderen Produzenten zu arbeiten?
Na klar, natürlich! Wir sind offen für andere Leute. Aber heutzutage, wie ja jeder weiß, gibt es viele Probleme in der Musikindustrie; einige auch durch die illegalen Downloads, deswegen die Budgets stark gekürzt worden sind. Wir hatten also nicht viel Geld, das uns für die Produktion zur Verfügung stand. Tomas ist außerdem auch ein sehr guter Freund von Christian und mir, weswegen es nur logisch war, wieder zu ihm zu gehen. Er hat uns sogar angeboten, einige Dinge ohne Bezahlung zu machen, was in einem anderen Studio, in dem jede Minute Geld kostet, nicht möglich gewesen wäre. Wir hatten also die Möglichkeit, sein exzellentes Studio zu benutzen und selbst einen großen Teil der CD aufzunehmen. Wir können ihm für all seine Arbeit, Geduld und Hilfsbereitschaft gar nicht genug danken. Aber wenn wir mehr Geld hätten… naja, das ist schwer zu sagen. Es geht immer um das Geld. Wir könnten uns auch mal jemand anderen für das Mixing oder Mastering holen, was unserem Sound vielleicht eine andere Note verleihen würde.

Wie waren denn die Aufnahmen allgemein? Hast du eine spezielle Erinnerung daran?
Um ehrlich zu sein: die Aufnahmen waren der Horror (lacht). Wir hatten dabei wirklich große Probleme, die damit angefangen haben, dass meine Festplatte sich verabschiedet hat, gerade als ich alles zu Tomas ins Studio schicken wollte. Darauf waren alle Song-Previews, voreingestellte Soundteile – eine Menge Sachen jedenfalls. Ich hatte von den aktuellsten Arbeiten leider auch kein Backup. Ich musste also alle Gitarren-Spuren nochmal aufnehmen, was ziemlich stressig war, weil wir nur noch einen Monat Zeit hatten. Einiges musste nochmal neu gemacht werden, aber – um ehrlich zu sein: die Resultate waren besser als beim ersten Durchgang! Als das alles passierte, war ich verdammt angepisst, aber die zweiten Aufnahmen waren wirklich noch besser als die ersten.

Glück im Unglück, was?
Ganz genau! (lacht)

Ich habe gelesen, das Pär Johansson die gesamten Texte für die aktuelle Scheibe geschrieben hat.
Das stimmt, ja. Pär ist Sänger in Christians anderer Band, Torchbearer, und außerdem ein sehr guter Freund von uns und in Sachen Songtexte wirklich begabt. Ich weiß nicht, ob du schon von der Band The Few Against Many gehört hast – dort ist er auch einer der Sänger. Er war also bestens geeignet, für uns die Texte zu schreiben. Auf der erste Scheibe habe ich noch alle Lyrics geschrieben, aber so funktioniert es wirklich besser.

Welche Themen behandeln die Lyrics denn nun eigentlich?
Du kannst das ganze Konzept vielleicht als kleine Version des Matrix-Konzepts nehmen. Die Texte handeln allerdings nicht direkt vom Film, sondern eher der Vorstellung von zwei Realitäten, wie sie dort vertreten wird – das ganze wurde dann in eine Metal-konformere Hülle gepackt. Ich hatte leider noch keine Zeit, mich tiefer in die Lyrics einzuarbeiten.

Im Zusammenhang mit deinem Mitwirken in verschiedenen Bands wurden die schon oft als „Christian Death Metal“ oder dergleichen bezeichnet. Wie hoch ist denn der Anteil christlicher Symbole oder Gegenstände, bzw. wird dieses Thema überhaupt verarbeitet?
Nein, eigentlich gar nicht. Unsere Lyrics haben rein gar nichts mit meinen persönlichen Anschauungen und Einstellungen und/oder dem christlichen Glauben zu tun. Beim ersten Album war die Handlung zwar fiktiv, aber ein wenig mit meinem Glauben verbunden. Nachdem ich nun aber keinerlei Einfluss auf die Songtexte hatte, gibt es dementsprechend auch keinen christlichen Einfluss in ihnen. Beim ersten Album war ich praktisch allein bei MISERATION und habe die Leute nur eingeladen, mit mir zu spielen. Dann wuchsen wir aber zu einer richtigen Band zusammen und wollten deshalb auch neutral sein, sprich: meinen christlichen Glauben außen vor lassen.

Könntest du dir dann auch vorstellen, irgendwann mal einer Black Metal-Band mit satanischen Textinhalten zu spielen?
Das wäre sicherlich schwierig für mich. Vor allem dann, wenn die Band irgendwelche satanische Botschaften hat, die meinem Glauben widersprechen. Das wäre ein Problem, weil es gegen meine Einstellung gehen würde. Das war auch der Grund dafür, warum wir uns entschlossen, MISERATION eine in diesem Sinne neutrale Band werden zu lassen – die anderen in der Band teilen schließlich nicht die gleichen Überzeugungen. Es wäre nicht gut gegangen, wenn ich über meinen Glauben geschrieben hätte und Christian als Sänger nicht hinter ihnen stehen könnte. Es ist nicht so, dass ich vor die Tür gehe und jedem zurufe, dass ich ein Christ bin. Ich bin ganz normal (lacht).

Welche Rolle hat Christians Ausstieg bei Scar Symmetry für MISERATION gespielt?
Eigentlich nur eine zeitliche. Er hatte einfach mehr Zeit, Musik für MISERATION zu machen. Ansonsten hat sich dadurch nicht viel verändert. Er kann nun mehr Zeit in diese Band stecken, was wir natürlich merken, aber ansonsten ist alles wie zuvor.

Du hast viel mit Christian gemeinsam. Ihr seid beide musikalische Allrounder und ziemliche Workaholics. Da stellt sich ein Normalsterblicher schonmal die Frage, wo ihr all die Energie dafür herbekommt.
Wir lieben es einfach Musik zu machen. Ich war Drummer in unzähligen Bands und in ebenso vielen Gitarrist. Da sind einfach so viele unterschiedliche Ideen in meinem Kopf, die irgendwie da raus müssen. Aber das geht mit einer einzigen Band einfach nicht, weil sie zu verschieden sind. Ich liebe die Musik, sie zu machen, zu hören und würde mich schlicht und ergreifend eingesperrt fühlen, wenn ich diese viele verschiedenen Songs nicht irgendwie umsetzen könnte. So geht es auch Christian. Es fühlt sich einfach natürlich an, weil es ein so wichtiger Teil unseres Lebens ist. Die Leute fragen uns oft, wie wir das alles hinbekommen und wie wir die Zeit für so viele unterschiedlichen Dinge finden. Aber es ist alles nur eine Frage der Organisation. Du kannst nicht alle Alben gleichzeitig aufnehmen und jede Band hat ihre eigenen Terminkalender. Wenn wir also etwas für MISERATION aufnehmen, konzentrieren wir uns zu 100% darauf, stecken unser Herz und unsere Seele ganz dort hinein. Wenn wir auf Tour sind, widmen wir uns zu 100% dieser Tour. Wir sind noch nicht derart groß, dass wir das ganze Jahre über Arbeit mit MISERATION hätten – da bleibt also noch viel Zeit für andere Projekte und Bands. Viele können sich das gar nicht vorstellen, aber letztendlich ist es so einfach. Schließlich will ich meine Zeit ja nicht verschwenden.

Aber glaubst du nicht auch, dass ihr vielleicht erfolgreicher wärt, wenn ihr all eure Kraft und Arbeit in MISERATION steckt? Das ganze Jahr über?Das könnte aus der Sicht eines Fans schon wahr sein und vielleicht denkt so auch das ein oder andere Label. So könnte es sein. Aber ich persönlich glaube nicht, dass wir es mit MISERATION noch besser machen können. Ich stecke all meine Energie in die Songs, Christian und die anderen ebenso. Wenn ein MISERATION-Album gemacht ist, und ich keine anderen Projekte hätte, würde ich gar nichts tun, weil es um die Band einfach nicht so viel Aktivität gibt das ganze Jahr über. Wenn die Band größer werden würde, müssten wir andere Projekte natürlich zurückschalten. Aber soweit ist es bisher noch nicht gekommen. Vielleicht hast du aber auch recht, das kann schon sein. Ich weiß es nicht…

Ich ja auch nicht. Aber es scheint soweit ja gut zu funktionieren.
Ich mag es einfach so, wie es zur Zeit ist. Die Fans mögen unsere anderen Bands schließlich auch.

Gibt es denn schon Pläne, mit „The Mirroring Shadow“ wieder in Europa auf Tour zu gehen?
Wir haben neulich mit einem Kerl aus Italien darüber gesprochen, ein paar Shows im Süden von Europa zu spielen, weil wir dort bisher noch nicht waren. Falls möglich würden wir gerne auch auf eine größere Tour durch ganz Europa gehen. Derzeit gibt es leider noch nichts Konkretes dazu. Es wird aber auf jeden Fall eine geben, nachdem die letzte so ein großer Erfolg für uns war.

Du sprichst von der Tour mit Inevitable End. Hast du dazu vielleicht noch ein paar Anekdoten auf Lager, kannst ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern?
Es gibt natürlich immer ein paar lustige Geschichten von einer Tour, klar. Inevitable End sind gute Freunde von uns und wir hatten wirklich eine Menge Spaß zusammen. Ich kann mich nicht mehr deutlich an alles erinnern, aber es gab auf jeden Fall viel Bier und unzählige Stunden auf der Autobahn. Wir spielten dann eine Show in Belgien und bekamen das Angebot, am Veranstaltungsort zu übernachten. Die Zimmer dort sahen aber aus, als wären sie alte Fixer-Räume gewesen (lacht). Wir bekamen da also unsere Räume und teilten sie mit irgendwelchen Käfern. Das war nicht mehr ganz so lecker und einige von uns hatten danach auch einen ziemlich fiesen Ausschlag am ganzen Körper. Andere bekamen ziemliche Probleme mit dem Magen, als wir wieder auf der Autobahn waren. Der Spaß auf der Tour hat aber bei weitem überwogen. Wir hatten einen freien Tag in Prag und konnten gemütlich durch die schöne Altstadt laufen.

Und damit wären wir auch schon fast wieder am Ende. Jetzt fehlt nur noch unser traditionelles Metal1-Brainstorming. Was fällt dir zu den folgenden Begriffen ein:

Sin City: ein wunderschöner Film, mit einer echt coolen Stimmung
Fußball-Weltmeisterschaft: Die WM ’94, als Schweden den dritten Platz belegte. Ich freu mich schon auf die WM in Südafrika
Touressen: Tritt in den Arsch! (lacht)
Herbst: Wunderschöne Farben, viele Blätter auf dem Boden
Metal1.info: Hat Spaß gemacht! Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, die Seite anzuschauen.

Jani, danke dir für das Interview! Ich wünsch dir noch einen schönen Abend und weiterhin viel Erfolg!
Vielen Dank, Dennis! Es war mir ein Vergnügen. Machs gut.

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