CD-Review: Mogwai - Happy Songs For Happy People

Besetzung

Stuart Braithwaite - Gitarre, Gesang
Dominic Aitchison - Gitarre
John Cummings - Gitarre
Martin Bulloch - Schlagzeug

Gastmusiker:
Caroline Barber - Cello
Scott Dickinson - Bratsche
Greg Lawson - Violine
Luke Sutherland - Violine, Gitarre

Tracklist

01. Hunted by a freak
02. Moses? I amn't
03. Kids will be skeletons
04. Killing all the flies
05. Boring machines disturbs sleep
06. Ratts of the capital
07. Golden Porsche
08. I know you are but what am I?
09. Stop coming to my house


MOGWAI leitet sich aus dem Chinesischen ab und bedeutet in etwa so viel wie „böser Geist“ oder „böse Seele“, doch warum sollte gerade eine solche Band ein Album veröffentlichen, das „Happy Songs For Happy People“ heißt? Es ist eben nicht alles so, wie es scheint und um einen besseren Namen wollte man sich laut Stuart, Gitarrist der Schotten, sowieso schon seit Urzeiten kümmern. Es handelt sich hier nicht um irgendwen, sondern um ein Urgestein dieser Musikrichtung – prägend für viele jüngere Bands wie Explosions In The Sky – das nur allzu oft mit Ambient gleichgesetzt wird. Doch es bleibt trotzdem Rock, der jedoch mit allen herrschenden Konventionen gebrochen hat, aber noch schwach als solcher zu identifizieren ist.

„Hunted By A Freak“ – willkommen in der Welt von MOGWAI! Eine wilde Hetzjagd auf einem Album mit fröhlichen Liedern für fröhliche Menschen? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und trotzdem meilenweit davon entfernt oder man ist schon längst in die Traumwelt eingetaucht, hat die Augen geschlossen um sich voll und ganz vom Strom der leicht wabernden, trotzdem beständig fließenden Klänge hinzugeben. Bei weitem nicht so undurchsichtig wie Godspeed You! Black Emperor und immer gerade noch nachvollziehbar baut man fast schon klein wirkende, aber nicht minder faszinierende Soundcollagen auf. Abgesehen von „Ratts of the Capital“ bewegen sich alle Titel im überschaubaren Rahmen von drei bis fünf Minuten Länge, gehen nicht einmal geschlossen ineinander über, aber bilden trotzdem ein homogenes Gebilde, aus dem man sich nur schwer lösen kann. Verhalten und eher bedrückt wurde der Hörer durch die ersten beiden Titel geführt, ehe bei „Kids Will Be Skeletons“ mehr und mehr klare Gitarrenklänge die Melodie herausarbeiten und zum ersten mal einen Eindruck positiver Stimmung vermitteln, freilich um bei „Killing All The Flies“ erst einmal anfangs in Melancholie zurück zu verfallen. Dieser einzige Ausbruch zur Mitte des Songs kann von mir nur als wahnsinnig intensiv beschrieben werden. Trotzdem sind monströse Ausbrüche wie dieser eher die Seltenheit. Post-Rock muss nicht mit plötzlicher Lautstärke, hastigen Breakdowns oder Geschwindigkeit protzen um Intensität zu erreichen. Viel mehr ist es die Faszination der Klangwelten an sich und trotzdem gehen MOGWAI mittlerweile fast schon einen Schritt weiter. Das bekannte Spiel von lauten Passagen und leisen Flüsterstellen wird nur noch sehr vereinzelt angewandt, was die Platte sehr frisch und unverbraucht erscheinen lässt. Beim Achtminüter „Ratts of the Capital“ ist dies noch am ehesten zu vernehmen, nach dem es bereits wieder hin zum Ende des Albums geht.

Dieser Dreierpack mit „Golden Porsche“, „I Know Who You Are But What Am“ und „Stop Coming To My House“ könnte noch einmal besser kaum sein. Man möchte kaum noch aufhören zu träumen. Nehmen einen die Schotten hier auf eine musikalische Reise durch ihr Heimatland? Wohin die Träume von der Musik, die es schafft Gegensätze zu vereinen, getragen werden ist jedem selbst überlassen. Vielleicht ist das Träumerische auch der einzige, jedoch kaum relevante Kritikpunkt, denn Post-Rock ist für mich in erster Linie zum Träumen da, um die Augen einfach zu schließen und ganz wo anders zu sein. Mich stört es nicht, dass ganz genaues Hinhören hier beinahe zur Nebensache wird. Zu schön, zu verführerisch sind die Klänge der Briten.

Neun durchschnittlich fünf Minuten lange Songs, die mehr aussagen als viele Songs anderer Bands mit der doppelten Spielzeit, fügen MOGWAI zu einem knapp dreiviertelstündigen Traum zusammen. Viel verändert hat sich nicht, man wandelt weiter in den ganz eigenen Sphären, immer mit dem Rock auf Tuchfühlung, ohne ihn wirklich zu berühren. Wer diese Art von Musik mag, der kann mit „Happy Songs For Happy People“ nichts falsch machen und auch für jemanden, der seinen Horizont erweitern möchte, dürften MOGWAI sicherlich ein sehr lohnender, nicht zu sehr überfordernder, Blick über den eigenen Tellerrand sein.

Bewertung: 8.5 / 10

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