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Review Mors Principum Est – Liberate The Unborn Inhumanity

„Früher war alles besser.“ Zum Teil dachten sich MORS PRINCIPUM EST das nach über 20 Jahren Bandgeschichte wohl, zum anderen Teil aber wohl auch: „Früher war nicht alles ganz so gut, wie es hätte sein können.“  „Liberate The Unborn Inhumanity“ ist nicht das achte Studioalbum der Melo-Deather, sondern eine aufwändig produzierte Compilation: Tracks der ersten drei Alben „Inhumanity“ (2003), „The Unborn“ (2005) und „Liberation = Termination“ (2007) sowie des Demos „Valley Of Sacrifice“ (2001) haben die Finnen komplett neu aufgenommen. Spannenderweise hat Sänger Ville Viljanen dafür mit den beiden Gitarristen Jarkko Kokko und Jori Haukio sowie Bassist Teemu Heinola sogar das ursprüngliche Kern-Line-up all dieser Aufnahmen versammelt – ein wahrer Trip in die Vergangenheit also. Einzig Drummer Marko Tommila ist neu mit von der Partie. Den 2020er Vorgänger „Seven“ hatte Viljanen noch im Duo mit Andy Gillion aufgenommen, der nach vier Alben nun aber wieder raus ist. „Liberate The Unborn Inhumanity“ scheint somit eine Mischung aus Rückblick und Neustart zu sein.

Über Sinn und Unsinn solcher Compilations sowie den Wert für die Fans kann man ausführlich streiten. Das größte Konfliktpotential bietet dabei die Frage, ob die damals aufgenommenen Songs nicht genau so bleiben sollten, wie sie waren: Schließlich haben die Musiker damals vermutlich ihr Bestes gegeben und die Songs repräsentieren eine bestimmte Phase der Band und der Metalszene. Hier kommt es dann vor allem darauf an, was eine Combo mit dem Originalmaterial anstellt und wie sie es in die Gegenwart transportiert. Gebrannte Kinder erinnern sich hier mit Höllenqualen an die 2020er „Clayman“-Neuaufnahmen von In Flames. MORS PRINCIPUM EST müssen sich Vergleiche mit dieser unsäglichen Verhunzung großartiger Lieder glücklicherweise nicht gefallen lassen, sondern gehen respekt- und liebevoll mit ihrer Vergangenheit um: Die Truppe weiß genau, wie klassischer und anspruchsvoller Melodic Death Metal funktioniert und zeigt das anno 2022 mehr denn je.

Währendd MORS PRINCIPUM EST ihr Können schon ab ihrem Debütalbum unter Beweis gestellt haben, zeigen die Neuaufnahmen nun die Weiterentwicklung der Musiker über die letzten 15 bis 20 Jahre. Sänger Viljanan klingt aggressiver und druckvoller – ein schön zu hörender Vergleich. Der druckvollere und klarere Klang stellt eine der offensichtlichsten Verbesserungen auf „Liberate The Unborn Inhumanity“ dar – die alten Aufnahmen klingen zwar nicht schlecht, aber schwachbrüstiger, flacher und weniger ausdifferenziert. Am Sound der drei Alben Mitte der 2000er hat der Zahn der Zeit zweifellos genagt. Soundtechnisch machen daher auch die Keyboards und programmierten orchestralen Parts in den Neuaufnahmen Freude: Auf den Originalaufnahmen waren das oft recht billig wirkende, an Midi-Sounds erinnernde Töne, nun klingt alles sehr angenehm und professionell, was den Songs nochmal einen Qualitätsschub gibt. MORS PRINCIPUM EST haben die Stücke in Details außerdem etwas umarrangiert: Bei den aktualisierten Kompositionen wurden die Keyboardspuren reduziert und zudem unnötige Experimente ausgemerzt. Das führt zu direkteren, zielführenderen Songs mit weniger Chaos und wesentlich besser klingenden symphonischen Elementen, was dem Material sehr guttut.

Jeweils drei bis vier Tracks von den drei alten Alben haben den Weg auf „Liberate The Unborn Inhumanity“ gefunden – insgesamt also eine ausgewogene Mischung. Den größten Unterschied aber zeigt die Neuaufnahme des zweiteiligen Demosongs „Valley Of Sacrifice“ von 2001: Die Originalaufnahmen dieses wilden, ungestümen und technisch anspruchsvollen Tracks waren soundtechnisch maximal mäßig, jetzt kommen die spielerischen Feinheiten und die ungezügelte Aggressivität bestens rüber.

MORS PRINCIPUM EST dürften bislang an einigen Melodic-Death-Metal-Fans vorbeigegangen sein, da sie immer ein wenig unter dem Radar flogen. Sowohl für diese Neueinsteiger als auch für alteingesessene Fans dürfte „Liberate The Unborn Inhumanity“ eine lohnenswerte Anschaffung sein. Zum einen bietet die Scheibe eine starke Einführung in die Welt der Band, zum anderen bekommen die alten Songs einen zeitgemäßen Anstrich und zeigen MORS PRINCIPUM EST damit in ihrer aktuell besten Form.

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Wertung: 8 / 10

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