MZZTR Artwork

Review MZZTR – Pronounced Mis-Ter (EP)

Je mehr Streaming-Dienste unter fehlender Regulierung KI-generierter Inhalte leiden, desto mehr Musiker:innen versuchen, eine Art Gegenbewegung dazu darzustellen. Aktuell prominentestes Beispiel hierfür dürften die Kanadier… äh, Außerirdischen ANGINE DE POITRINE sein, aber dass man dafür nicht unbedingt mikrotonal unterwegs sein muss, zeigen zum Beispiel die New Yorker MZZTR, die mit „Pronounced MIS-TER“ ihre Debüt-EP vorlegen.

Im Gegensatz zu genannten Experimental-Rockern kommen MZZTR deutlich zugänglicher, wenn auch nicht weniger durchgeknallt daher. Fünf (eigentlich viereinhalb, denn den 24 Sekunden langen Closer „Olivegarchy-Feverdream: Free Breadsticks 4Live“ kann man beim besten Willen nicht für voll nehmen… äh, vollständig zählen) Songs auf rund 15 Minuten befinden sich auf „Pronounced MIS-TER“ und diese zeigen eindrucksvoll, dass in der Kürze wirklich Würze liegen kann.

Stilistisch eindeutig verorten lässt sich das Ganze nicht, aber wer ein bisschen was für die MELVINS, MR. BUNGLE, HELMET oder QUICKSAND übrig hat, könnte mit dem Quartett viel Freude haben – vorausgesetzt, der übertrieben ironisch-theatralische Gesang der maskierten Frontrampensau MZZTR MAN macht dem keinen Strich durch die Rechnung. Gesangstechnisch durchaus fit, aber mit einem … sagen wir mal: gewöhnungsbedürftigen Organ ausgestattet, welches man vermutlich entweder liebt oder hasst, bietet der Sänger eine durchaus beeindruckende Bandbreite – irgendwo zwischen MIKE-PATTON-eskem Wahnsinn und eben KING-DIAMOND-Theatralik.

Neben den abwechslungsreichen Songs „Holes“ (New Yorker Noiserock in Reinkultur), „Silence Won’t Protect You“ (groovige Beinahe-Nu-Metal-Nummer) und „Kimberly“ (fast schon proggige Feminismus-Hymne) überrascht vor allem das CANNIBAL-CORPSE-Cover „I Cum Blood“ (hier allerdings „I Cüm Blürd“ benannt) und der Eingangs erwähnte Schlusstrack, der – wenn auch nur kurz – dem durchaus immer wieder durchschimmernden Thrash- und Death-Metal-Vorlieben der Band Tribut zollt.

Die Produktion von „Pronounced Mis-Ter“ könnte allerdings druckvoller sein und erinnert qualitativ an die neunziger Jahre – analog anmutend, bodenständig, schnörkellos, aber nicht mehr ganz zeitgemäß, ist hier noch eine Menge Luft nach oben. Immerhin klingt das Ganze recht organisch, aber für einen künftigen MZZTR-Longplayer würde man sich schon ein bisschen was Fetteres, um nicht zu sagen Professionelleres, wünschen. Von diesem kleinen Wermutstropfen mal abgesehen, sind die rund 15 Minuten Lebenszeit gut investiert, wenn es mal ein bisschen abgefahrener sein darf.

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Stephan Gossen

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