Review Nifelheim – Envoy Of Lucifer

  • Label: Regain
  • Veröffentlicht: 2007
  • Spielart: Black Metal

Wäre es nicht wunderbar, wenn jede Band eine umfassende und aussagekräftige Meinung parat hätte, anstatt immer nur die „Wir haben unzählige Nächte im Studio verbracht und hoffen unsere Fans sind zufrieden“ Schiene zu fahren? Wenn das ganze auch noch lyrisch dermaßen anschpruchsvoll verpackt wird, wie bei NIFELHEIM, geht einem wahrlich das Herz auf. Hier ihre bescheidene Meinung:

„Stell Dir vor, dass Du Dich in einem Tsunami aus Pisse befindest und Du hast nichts zum Festhalten außer der Leiche einer verstümmelten Nonne, bis Du schließlich den Strand einer wunderschönen Bucht erreichst, nur um festzustellen, dass er völlig mit Scheiße bedeckt ist. Dann hörst Du, dass sie Iron Maiden in der Strandbar spielen und der Schnaps ist für lau – so wird es sich anhören.“

Treffender kann man „Envoy of Lucifer“ nicht beschreiben und somit ist diese Rezension abgeschlossen. Ganz so leicht, wollen wir es den fünf Schweden dann doch nicht machen. Es grenzt wohl an Blasphemie, den Namen Iron Maiden im Zusammenhang mit „Envoy of Lucifer“ zu erwähnen, allerdings sind NIFELHEIM ja quasi der lebende Beweis, wenn nicht sogar die Erfinder dieser Wortschöpfung. Übertrieben? Nun ,Affektiertheit gilt im Zusammenhang mit NIFELHEIM als unwahrscheinlich, rühmt man sich doch damit eine der wenigen Old School Black Metal Bands in der heutigen Zeit zu sein. Somit ist es eine logische Konsequenz, jedes erdenkliche Klischee zu erfüllen, welches im Black Metal verankert ist. Bereits im Gründungsjahr 1990 schmiss man sich in fesche Lederkostüme mit dezenten Nieten, Gürteln und Armbändern und daran hat sich bis heute nichts geändert. 17 Jahre Bandgeschichte? Das setzt die Messlatte für eine neue Veröffentlichung selbstverständlich auf ein gewisses Level.

Wenn man doch vorher gewusst hätte, wie treffend NIFELHEIM „Envoy of Lucifer“ beschrieben haben. Denn schon der Opener „Infernal Flame of Descrution“ wirkt recht abstrus. Es beginnt mit einem gewöhnlichen Solo, das aber nach 20 Sekunden dermaßen verzerrt klingt, dass auch der Hund nicht mehr in der Pfanne verrückt wird. Er hat sich nämlich schon längst Braten lassen, um dem Elend zu entgehen. Es folgen weitere vier Minuten mit einer Mischung aus besagtem Solo, monotonen Riffing und ein wenig Gekrächtze seitens Hellbutchers. Erwähnte ich bereits NIFELHEIMS Faible für Old School Black Metal? „Evocation of the End“ macht dem Hörer innerhalb von 20 Sekunden klar, wie ernst es die Schweden damit meinen. Er klingt nämlich nahezu gleich wie der Opener, somit verschwendet man weitere 2:18 Minuten ohne wirkliche Innovationen. Sollte es also überraschen, dass „Envoy of Lucifer“ eine einzige Anneianderreihung monotonen Liedguts ist? Wohl kaum, was allerdings im Gegenzug nicht bedeutet, dass alle Songs Krebs für die Ohren sind.

Angenehmer und weitaus strukturierter wird es mit „Storm of the Reaper“. Zwar wird auch hier der Refrain so oft wiederholt, dass ihn auch die Kleinsten fröhlich mitsingen können, aberim Großen und Ganzen geht es hier kompromisslos zur Sache – und manchmal ist weniger eben mehr. Das fast nichts manchmal am wertvollsten seien kann, beweisen NIFELHEIM eindrucksvoll mit „Evil is Eternal“. Der Anspieltip des Albums, besteht fast nur aus einem Blastbeat, zu dem sich ein minimalistisches Riff gesellt. Hier und da funkt Hellbutcher mit seiner Stimme dazwischen, was aber nicht weiter stört. Ein Song der live wohl für einen soliden Pit bürgen würde. Durchaus gelungen ist auch der Raussschmeisser „No more Live“ welcher zum einen durch seine Länge von 7:34 Minuten den längsten Track des Albums bildet. Zum anderen beginnt man hier, wo es doch zuvor neun Mal schnell zur Sache ging, sehr andächtig und schafft es auch im weiteren Verlauf, immer wieder gelungene Tempiwechsel zwischen harten Riffs und Melodien zu vollbringen.

War es nun wirklich so schlimm, so verwirrend und warum stinke ich nicht wie versprochen nach Urin? Im Grunde ist der Tsunami halbwegs an einem vorrüber gezogen, findet man doch auf „Envoy of Lucifer“ Songs zum weiterschalten, sowie zum immer wieder hören. Ein großes Manko, bildet allerdings die Produktion des Albums als solches. Wo bitte ist der Druck des Schlagzeugs abgeblieben? Selbst mit Bassverstärker klingt das ganze wie duch drei Zimmerwände aufgenommen, aber NIFELHEIM wären nicht NIFELHEIM, wenn sie keinen Wert auf eine gewissermaßen räudige Produktion legen würden. Schade ist das allerdings schon, dafür kann man sich sicher sein, dass live wohl die Lumpen fliegen. Freunde der stumpfen und schnellen Musik kommen bei „Envoy of Lucifer“ vollendes auf ihre Kosten. Für alle, bei denen es wie im Wurstwarenfachgeschäft ein bißchen mehr sein darf, bleibt aufgrund der erwähnten Kritikpunkte ein fader Beigeschmack. Old School schön und gut, aber im Jahr 2007 ist man damit zu limitiert.

Wertung: 5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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